Leser kehren langsam zurück

Gisela Herman (links) ist an den neuen Automaten bereits fit und benötigt die Hilfestellung von "Regi"-Chefin Sabine Guhl (rechts) überhaupt nicht. "Bei einer Ausleihe von 50 Cent pro Buch hätte ich nicht mitgemacht", erklärt die Weidenerin, die von ihrem Mann Peter begleitet wird. Dann hätte sie der "Regi" den Rücken gekehrt. Bild: Hartl

Über 20 Prozent der Pro Libris-Mitglieder haben bereits eine Kündigung geschickt. "Damit haben wir gerechnet", gibt sich Sabine Guhl gelassen. Die stark sinkenden Ausleihzahlen lagen ihr viel schwerer im Magen. Doch inzwischen zeichnet sich hier eine Wende ab.

Weiden. (ps) Um gut 25 Prozent brachen die Ausleihzahlen nach der Neueröffnung der Regionalbibliothek ein. "Viele haben nur Bücher zurückgebracht und sind gleich wieder gegangen. Manche haben sogar gesagt, ihr sei ja irre. Wir kommen nie mehr." Keine leichte Kost, die die "Regi"-Chefin und ihre Mitarbeiter da zu verkraften hatten. "Andere haben gesagt, wir warten jetzt erstmal ab." Und genau das haben viele offenbar getan: Denn seit vergangenem Dienstag - an diesem Tag berichtete "Der neue Tag" über den Stadtratsbeschluss zur neuen Gebührensatzung - ist eine Kehrtwende eingetreten.

Endlich Klarheit

"Für die Kunden war das eine große Erleichterung", hat Sabine Guhl bemerkt. "Jetzt wissen sie, wie's weitergeht." Vorher waren viele durch die Debatten über die neue Gebührengestaltung verunsichert. So manch einer befürchtete offenbar, er müsse gleich nach der Neueröffnung die noch heiß debattierten Ausleihgebühren pro Buch bezahlen - zu denen es nun überhaupt nicht gekommen ist.

Trotzdem sind die neuen Jahresgebühren im Vergleich mit anderen Bibliotheken "ganz schön teuer", räumt die "Regi"-Chefin ein. Obwohl die Einrichtung einen Bildungsauftrag zu erfüllen habe. Ganz wichtig sei es ihr deshalb gewesen, dass zumindest die Ausleihe für Kinder unter 10 Jahren kostenlos bleibt, wenn sich die Gebührenerhöhung angesichts der klammen Finanzlage der Stadt schon nicht vermeiden lasse.

Ein Beispiel für die Gebührensteigerung: Eine Familie zahlte für die Pro Libris-Mitgliedschaft bisher 35 Euro pro Jahr, dazu kamen 12 Euro Bibliotheksbeitrag: zusammen also 47 Euro. Die Premium-Card (sie bietet die gleichen Vergünstigungen wie früher Pro Libris) kostet eine Familie künftig 65 Euro im Jahr Bibliotheksgebühr. Eine Familienmitgliedschaft bei Pro Libris ist nicht mehr möglich. Pro Person fallen hier künftig 20 Euro im Jahr an.

"Pro Libris wird zum reinen Förderverein", erklärt Sabine Guhl. Vergünstigungen für Bibliotheksnutzer dürfen mit dieser Mitgliedschaft nicht mehr verbunden werden. "Das hat die Rechtsaufsicht gefordert. Die Politik trifft hier keine Schuld", nimmt sie die Stadträte in Schutz. "Das Sponsorenmodell nach amerikanischem Vorbild geht mit dem bayerischen Haushaltsrecht leider nicht konform."

20 bis 25 Prozent der rund 8500 Pro Libris-Mitglieder haben bereits ihren Austritt erklärt, berichtet Guhl. Ihrer Ansicht nach dürfte es sich dabei vor allem um die Mitglieder handeln, die in erster Linie von den bisher gewährten Vergünstigungen profitieren wollten. "Aber natürlich gibt es auch Leute, die sich das nicht leisten können. Das verstehen wir." Ihre Hoffnung: "Unter den 8500 Mitgliedern gibt es viele stille Förderer, die unsere Bibliothek nicht einmal nutzen, sondern einfach unterstützen wollen. Ich hoffe, dass die bleiben."

In persönlichen Gesprächen mit Lesern habe sich gezeigt, dass viele einfach mal ihren Ärger über die Unsicherheit der letzten Wochen loswerden wollten. "Am Schluss haben sie dann gesagt, dass sie trotzdem Mitglied bleiben." Deshalb und angesichts der Entwicklung in den letzten sieben Tagen, ist Sabine Guhl zuversichtlich: "Ich denke, in ein paar Wochen erreichen wir bei den Ausleihzahlen wieder den alten Status."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.