Leserbrief zum Artikel "Pferdesteuer: Stadt ist auf Trab"
Briefe an die Redaktion

Steuer auf "Freund Pferd" falsches Signal

Zum Artikel "Pferdesteuer: Stadt ist auf Trab" in der Ausgabe am Freitag, 4. September, schreibt eine Leserin:

Nun wurde also von oberster Stelle festgestellt, dass Pferdebesitzer wirtschaftlich so leistungsfähig seien, dass sie auch mit Steuern belegt werden dürften. Vielen Dank für diese Feststellung. Aber 90 Prozent der Pferdebesitzer verdienen im Durchschnitt genauso viel oder wenig, je nach Sichtweise, wie "der normale Mensch". Jedoch liegen die Prioritäten deutlich anders.

Lieber ein neuer Sattel für das Pferd, Physiotherapie für das Pony, Unterricht und Kurse für die Weiterbildung, statt mehrere Wochen Urlaub in der Karibik, wöchentliche Shoppingausflüge in Großstädte oder regelmäßige Besuche in Bars, Restaurants oder Clubs, die in etwa die gleichen Summen verschlingen. Das wird aber nicht gemessen. Warum auch? Jeder der Geld verdient, kann es ausgeben wie er möchte. Nur Pferdebesitzer nicht. Woran erkennt man also, dass jemand wirtschaftlich leistungsfähiger ist, als andere? Im Umkehrschluss müssten sämtliche Sportarten besteuert werden. Wie sieht es mit den reichen Golfern aus, die Hunderte Euro allein an Mitgliedschaft in einem Golfclub im Jahr bezahlen? Von den teuren Schlägern, Bällen, Outfits und so weiter abgesehen. Oder die reichen Tennisspieler? Die Segler, die Yachten in den Häfen liegen haben? Sind diese Personen wirtschaftlich weniger leistungsfähig? Überhaupt stellt sich mir die Frage: Wurden die durchschnittlichen Gehälter von jedem Pferdebesitzer festgestellt? Wohl kaum.

Allein in Weiden und Umgebung leben sehr viele Einwohner von Pferden und verdienen damit ihren Unterhalt. Die Hofbesitzer, die die Vollpensionen für die Vierbeiner anbieten, die Reitschulen, die den Kindern das Reiten lehren oder Hippotherapie für Kinder und Erwachsene mit Behinderung anbieten. Die Züchter, die ihr Geld mit der Ausbildung und dem Verkauf der Pferde verdienen. Die Hufschmiede, Reitlehrer, Tierärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen, Chiropraktiker, Heilpraktiker. Es sind im Umkreis mehrere Reitsportgeschäfte angesiedelt, die nur von Pferdehaltern leben.

Doch was passiert, wenn die Steuer von 750 Euro pro Pferd erhoben wird? Ältere oder kranke Pferde, die ihr Gnadenbrot erhalten, werden schlimmstenfalls zum Schlachter gebracht. Züchter mit oft weit über 20 eigenen Pferden stehen vor dem Ruin. Reitschulen müssen Schulpferde verkaufen, da es sich nicht mehr rechnet. Es gibt noch weniger Kinder mit einem Hobby, das eine in vielerlei Hinsicht sehr positive Wirkung auf Kinder und Jugendliche hat. Da jede Kommune selbst entscheiden kann, ob die Pferdesteuer eingezogen wird, werden Pferde auf Höfe umgesiedelt, die nicht davon betroffen sind. Folglich werden Ställe schließen. Weniger Pferde bedeutet weniger Bedarf an Zubehör, Tierärzten, Trainern, Hufschmieden. Das Resultat: noch weniger Steuern für Kommunen und Länder. Denn Geld, das nicht ausgegeben wird, kann nicht versteuert werden.

Rechnet sich der hohe Aufwand an Verwaltungsarbeit? Ständig zu überprüfen, wem welches Pferd gehört, wie es genutzt wird, wo es steht? Geht diese sinnlose Steuer nicht in die völlig falsche Richtung? Setzt sie nicht ein falsches Signal? Wenn ein Sport, nein ein Freund, nämlich der "Partner Pferd" besteuert wird, der so viele Wirtschaftszweige aufrecht erhält, wird dies nicht ohne weitreichende Folgen bleiben. Hoffentlich erkennt dies auch unser Verwaltungsapparat.

Christina Käs, Weiden

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