Magerer Umsatz der Keramischen Industrie in Deutschland
Technische Keramik einziges „Zugpferd“

Beifall gab es für Helmut Haussmann (links) beim Verband der Keramischen Industrie; rechts Vorsitzender Rolf-Michael Müller. Bild: Fütterer

Mit herkömmlichem Porzellan ist offenbar kein Geschäft mehr zu machen. Der Verband der Keramischen Industrie hadert bei seiner Jahrestagung in Selb mit einigen politischen Weichenstellungen.

Selb. Einzig die technische Keramik verzeichnet ein nennenswertes Plus von 1,7 Prozent; sie bestreitet inzwischen rund zwei Drittel des gesamten Jahresumsatzes der Keramischen Industrie in Höhe von 1,108 Milliarden Euro in Deutschland. Beim klassischen Porzellan sinkt dagegen der Umsatz um 3,3 Prozent; noch härter trifft es die Ofenkachelindustrie mit einem Minus von 5,3 Prozent. Die Gesamtzahl der Beschäftigten geht erneut zurück, von 9920 (2014) auf 9724.

Der wiedergewählte VKI-Vorsitzende Rolf-Michael Müller (CeramTec) spricht von einer "Seitwärtsbewegung", die ihn "nachdenklich" stimmt. Denn eigentlich müssten "derart günstige Rahmenbedingungen" (niedriger Euro-Kurs, billiges Öl) eine "viel höhere Wachstumsrate" bewirken. Kein gutes Haar lässt Müller an der Umsetzung der Energiewende; sie habe mit ihren Steuern und Umlagen den Strompreis an die europäische Spitze katapultiert und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der (energieintensiven) keramischen Industrie. Müller fordert eine Deckelung des Strompreises. Gleichzeitig kritisiert er den Bürokratieaufwand und die "aus dem Ruder laufenden Arbeitskosten", die schneller stiegen als die Produktivität.

Entschieden setzt der VKI-Vorsitzende auf das Freihandelsabkommen TTIP und warnt vor einer Verteufelung: "Wir Europäer - und insbesondere wir Deutsche - werden davon profitieren." Dem Vorstand des Verbands der Keramischen Industrie gehören aus der Region an: Christian Strootmann (Vorstandschef der BHS tabletop), Werner Weiherer (Geschäftsführer Seltmann Weiden) und Uwe Dötsch (Geschäftsführer der Zehendner Keramik in Tirschenreuth).

Indien überholt China


"Der China-Boom in seiner Einmaligkeit ist zu Ende", sagt der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann in einem Gastvortrag. Der 73-Jährige prognostiziert, dass Indien in 15 Jahren China überholen werde und nennt die Fixierung auf China falsch. Denn China stoße an die Grenzen seiner aggressiven Exportpolitik, müsse auf qualitatives Wachstum setzen, die Kluft zwischen Stadt und Land wachse, und durch die Ein-Kind-Politik drohe bald eine Überalterung. "Zudem stößt China an seine kulturellen Grenzen." Das Fehlen von "Softpower" sei ein riesiges Problem. Der frühere FDP-Spitzenpolitiker warnt "vor der Illusion, dass sich China verwestlicht". Eher sei es so, dass der Westen mehr von China übernehmen müsse, etwa Härte und weniger Wohlfahrt. Es bleibe beim Führungsanspruch der KP ("Systemerhalt"). "China ist auf dem Weg zur zweiten Weltmacht, ohne die USA zu überholen", meint Haussmann. Und bei wirtschaftlichen Kooperationen in Deutschland stellten sich die Chinesen oft intelligenter an als die Amerikaner.

Ändert die EZB ihre Zinspolitik nicht, sind auch unsere betrieblichen Altersvorsorge-Modelle gefährdet.Rolf-Michael Müller, Vorsitzender des Verbands der Keramischen Industrie (VKI)


China führte 500 Millionen Menschen von absoluter Armut in ein relativ normales Leben - und verschont uns damit vor Armutsflüchtlingen.Professor Helmut Haussmann, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister
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