Marienbader Gespräche: Experten stellen Ideen zur Überwindung der Sprachbarrieren vor
Sprechen wie der Nachbar

(sbü) Wer die Sprachbarrieren zwischen Bayern und Böhmen allmählich überwinden will, ist enttäuscht. Immer weniger sind bereit, die Sprache des Nachbarn zu lernen. Wie kann es gelingen, diesen Trend zu stoppen? Bei den Marienbader Gesprächen gab es neue Ideen.

Mehr Engagement für das Lernen der Sprache des Nachbarn forderte Christoph Aschenbrenner vom Verein Regionalmarketing Oberpfalz. In seinem Projekt "Mensch im Mittelpunkt" untersucht er, wie der deutsch-tschechische Grenzraum durch Sprache, Bildung und Kultur zusammenwachsen könne.

Zwei Modelle standen sich gegenüber: Eines hat Jaroslava Blažeková von der Ost-West-Agentur vorgestellt. Blažeková ist Sprachlehrerin an der Fachakademie für Fremdsprachenberufe an der Europa-Berufsschule in Weiden. Die Fachakademie bildet Übersetzer und Dolmetscher aus. Im September habe die dritte Gruppe mit dem Studium begonnen. Acht Stunden Tschechisch pro Woche stehen im Stundenplan.

Blažeková hofft wie die Initiatoren der bayernweit einzigen Staatlichen Berufsschule für Fremdsprachenberufe, dass die Absolventen als Multiplikatoren für die tschechische Sprache wirken. Einen anderen Weg stellte Therese Reinel von der Landesakademie Niederösterreich vor. "Sprachoffensive Niederösterreich" heißt ihr Projekt, das im Grenzland zu Tschechien, der Slowakei und Ungarn seit gut zehn Jahren läuft. EU-Mittel und Gelder des Landes wurden dafür zur Verfügung gestellt. "Wir haben mit Sprachkursen für alle, die grenzüberschreitend arbeiten, angefangen: Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Tourismuspersonal."

Irgendwann seien die Sprachkurse zu Ende gewesen und da habe man sich entschlossen andere Wege einzuschlagen. "Wir haben in den Kindergärten den spielerischen Zugang zur Nachbarsprache geschaffen und diesen Weg in den Schulen und in den Volkshochschulen fortgesetzt." Für Reinel ist Sprache kein Selbstzweck, sondern müsse eingebettet sein in die Vermittlung von System und Kultur des Nachbarlandes.

Internet und Sprachführer

Dazu zähle auch der Abbau von Vorurteilen und die Wertschätzung des Nachbarlandes. Den Sprachunterricht ersetzen in Niederösterreich nun das E-Learning im Internet und der Sprachführer. Um dies zu organisieren, hat Niederösterreich ein eigenes Sprachkompetenz-Zentrum geschaffen. Auch Stipendien der niederösterreichischen Landesakademie gibt es für Sprach-Studenten.
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