Massenentlassung bei Polytec

Noch im Winter werden Pressen und Produktionsanlagen aus dem Weidener Werk nach Osteuropa gebracht.

Hiobsbotschaft für das Polytec-Werk in Weiden. Der österreichische Mutterkonzern zieht angeblich wesentliche Teile der Produktion ab. 100 Mitarbeiter bangen damit um ihren Job. Nur eine Rumpfmannschaft soll nach den angekündigten Plänen in Weiden bleiben. Doch auch für sie gibt es keine Garantien.

Bei der Betriebsversammlung ließ Polytec-Geschäftsführer Ralf Gerd Drees die Katze aus dem Sack. Er bestätigte damit die schlimmsten Befürchtungen der rund 220 Beschäftigten der Polytec Composites Weiden GmbH. Anfragen des "NT" blieben zunächst unbeantwortet. Für ein Pressegespräch steht die Geschäftsführung erst in der nächsten Woche zur Verfügung.

Offenbar ist keines der sechs Composite Werke in Deutschland komplett ausgelastet. Deshalb sieht sich die Konzernleitung zu einem "Schnitt" gezwungen. Doch wer angenommen hätte, mit den Weidener Aufträgen würden die anderen deutschen Werke "gefüttert", sieht sich getäuscht. Die Produktionsaufträge gehen, so die interne Planung, ins Ausland. Das Werk Chodova Plana in Tschechien scheint einer der Nutznießer zu werden. Es war in Mitras- und Peguform-Zeiten "verlängerte Werkbank" der Weidener, wurde dann zum Schwester-Betrieb und nun zum Konkurrenten.

Im Halbjahresbericht 2015 teilt die Polytec-Mutter (24 Produktions- und Entwicklungsstandorte in Europa, Amerika und China mit 4200 Beschäftigten) mit: "Der Umsatz und alle wesentlichen Ertragskennzahlen haben sich deutlich verbessert." Es bleibe weiterhin ein Konzernumsatz von 600 Millionen Euro (2014: 491,3 Millionen Euro) angepeilt. Die Welt für die Weidener sieht weniger optimistisch aus. Der Großteil des Umsatzzuwachses wird durch Firmenzukäufe erzielt. Erst 2014 kamen zwei Betriebe in Holland zur Polytec.

Unglücklich agieren nicht nur Konzernleitung, sondern auch Vertrieb. Das "Handeln nach Gutsherrenart", so ein früherer Betriebsratschef, verschreckt die Großkunden. Auslaufende Produktionsverträge werden nicht verlängert. Unter dem speziellen Ruf der Österreicher leidet die Akquise. Hauptkunden im Werk Weiden sind BMW (Heckdeckel), Volkswagen (Batteriewanne für E-Golf) und Scania sowie MAN (Einstiege und Frontklappen). Den rüden Ton verspüren vor allem die Mitarbeiter, die über Jahre massive Lohnverluste hinnehmen mussten. Durch den Personalabbau (2009 noch 320 Beschäftigte) ist die Belegschaft überaltert. Seit gut 15 Jahren wird die Mannschaft nach Sozialplan durchsiebt.
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