Mehrheit des Bau- und Planungsausschusses zieht die Zügel an
Kein Sonderrecht für Beanery

Bild: Ascherl

Die Tür bleibt zu. Auf dem Oberen Markt gibt es keine weitere Außenbestuhlung (wir berichteten). Der Mehrheit des Bauausschusses verweigerte dem Kult-Café Beanery, das vom Unteren an den Oberen Markt umsiedeln möchte, das Sondernutzungsrecht. Dafür gibt es viele Gründe.

Dennoch: Oberbürgermeister Kurt Seggewiß setzte sich engagiert für einen einjährigen Versuch ein. Auch dafür gibt es gute Gründe. Die ehemaligen Flächen der Galerie Recknagel stehen seit zwei Jahren leer. Die Hausbesitzerin findet keinen Nachmieter aus dem Einzelhandel. Aber: Beanery würde umziehen, wenn es auch ein paar Stühle und Tische "nach draußen" stellen dürfte.

Dies sieht bisher die Satzung nicht vor. Die massiv negative Stellungnahme der Verwaltung sei nicht mit ihm abgesprochen, machte Seggewiß deutlich. Es sei nicht zielführend, dass dort von "Ballermannisierung der Altstadt" geschrieben werde. Handel bedeute Wandel. Gerade der Einzelhandel werde durch den Internethandel kannibalisiert. Obwohl der Obere Markt für den Einzelhandel vorgesehen sei, müssten Ausnahmen möglich sein. "Wir können die Altstadt nicht zum Museum machen." Wer nicht flexibel sei und nicht mehr als Einzelhandel vor dem Alten Rathaus zulasse, dürfe sich nicht über Leerstände wundern.

Mehr als genug Gastronomie


Ab 18.30 Uhr sei der Obere Markt tot, merkte auch Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) an. Einzelhandel und Gastronomie könnten sogar voneinander profitieren. Wirte könnten die Mieten leichter erwirtschaften als Händler, stellte Karl-Heinz Schell (SPD) fest. "Wir müssen sehen, warum Läden schließen." In anderen Städten sorgten Kneipen und Cafés für ein einheitliches Bild ihrer Möblierung. Dies müsse eine geänderte Satzung vorgeben, die dann auch durchzusetzen sei. Veit Wagner (Grüne) sah den freien Oberen Markt als Teil einer "historischen Stadtidee".

Die Weidener Altstadt habe genügend Gastronomie, im "schmalen Teil des Oberen Marktes" und am Unteren Markt "sogar fast pur", meldete sich mit Alois Lukas der erste "Bewahrer" zu Wort. Die Wirte zeigten ein sehr einnehmendes Wesen, rückten ihre Möblierung immer weiter nach vorn. Niemand habe etwas dagegen unternommen. "Sie wollen Umsatz machen." Ein Schaufensterbummel sei nur im "Zickzack" möglich. Der noch freie Teil des Oberen Marktes solle auch weiter frei bleiben, forderte Lukas als Sprecher der CSU-Fraktion. "Irgendwann muss es reichen." Erteile die Stadt Beanery eine Sondererlaubnis, folgten weitere Anträge. "Dann ist in den nächsten Woche der ganze Platz bestuhlt. Darauf gebe ich Brief und Siegel."

habe eine tolle Altstadt, ein tolles Leben am Unteren Markt. Dort habe die Gastronomie alle Möglichkeiten. "Mehr als genug", betonte Stefan Rank (Bürgerliste). Wo die Gastronomie dominiere, habe der Einzelhandel kaum mehr eine Chance. Ein freier Oberer Markt "atmet" durch die wechselnden Nutzungen. Auch Hildegard Ziegler (geb. Burger, SPD) warnte vor der "Freigabe" des Oberen Marktplatzes, der natürlich für die Gastronomen - "am besten als Erster" - hochinteressant wäre. Am Unteren Markt versuchten die Wirte inzwischen, durch Möblierung, Pflanztröge, Überdachungen und Abgrenzungen, den Außenbereich zum Innenbereich zu machen. Dies sei aber nicht vorgesehen. "Da prallen Interessen aufeinander."

Das Flair des Unteren Marktes begeistere jeden Besucher, sagte Bürgermeister Jens Meyer (SPD), der die Gastronomie am Unteren Markt "vom Feinsten" nannte. "Dorthin gehört Beanery." Der Obere Markt hingegen solle dem Einzelhandel, besonders den inhabergeführten Geschäften, vorbehalten bleiben. Markus Bäumler (CSU) sah im Oberen und Unteren Markt "zwei unterschiedlich gewachsene und geprägte Mikrokosmen", in die die Stadt nicht eingreifen solle. "Die Gastronomie gehört auf den Unteren Markt - und dort soll sie bleiben." Die Diskussion um Beanery sei aber im Sonderausschuss Innenstadtentwicklung zu führen, sagte Bäumler.

Dem widersprach Hans Sperrer. "Das gehört in den Bauausschuss. Ich wehre mich vehement, den Oberen Markt weiter mit Tischen und Stühlen vollzupflastern und das letzte freie Fleckerl dem Kommerz zu opfern." Eine verstärkte Außenbestuhlung am Oberen Markt führe auch zur Lärmbelästigung.

Mit 7:4 lehnten die Stadträte eine Satzungsänderung ab. Damit ist offen, ob Beanery in die ehemaligen Recknagel-Räume umzieht.

Die Gastronomie gehört auf den Unteren Markt - und dort soll sie bleiben.Markus Bäumler (CSU)
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