Möglicherweise knapp 100 Betroffene - Klagen bei Landgerichten Weiden und Amberg gegen zwei ...
Goldbarren-Skandal trifft die Region

Hier sind fleißige Leute um ihr sauer Erspartes gebracht worden.
Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) könnte sich der Fall zu einem der "größten Finanzskandale mit Gold in der Geschichte der Bundesrepublik entwickeln". Rund 6000 Anleger investierten bei einer Berliner "BWF-Stiftung" insgesamt rund 57 Millionen Euro in eine angebliche todsichere Gold-Anlage. Darunter sind nach Information des Weidener Rechtsanwalts Lutz Rittmann auch knapp 100 Betroffene aus der nördlichen Oberpfalz.

Der Jurist vertritt fünf Anleger aus Weiden, Tirschenreuth und Vohenstrauß: "Das sind Leute, ganz normale Arbeitnehmer, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet haben und jetzt um ihr sauer Erspartes gebracht wurden." In einem Fall löste ein Ehepaar Lebensversicherungen zur Altersvorsorge auf. Für Rittmann könnten es noch mehr Mandanten werden. Denn: Zwei selbstständige Anlageberater - einer aus dem Landkreis Tirschenreuth, einer aus Amberg-Sulzbach - haben in der Region fleißig Kunden geworben. Gegen den Tirschenreuther "Finanzdienstleister" hat der Anwalt bereits diese Woche Klage beim Weidener Landgericht eingereicht. Rittmann fordert Schadenersatz. Pro Mandant handelt es sich um Beträge zwischen 5000 und 31 000 Euro. Das Kostenrisiko tragen die Kläger selbst, die Rechtschutzversicherung tritt für die Fälle nicht ein.

Razzia mit 120 Kräften

Der Weidener Anwalt glaubt nicht, dass von den eigentlichen Drahtziehern des gigantischen Betrugs in Berlin etwas zu holen ist. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen zehn Beschuldigte. Gegen ihren "Bund Deutscher Treuhandstiftungen e. V." wurde vor zwei Wochen das Insolvenzverfahren angeordnet. Die Goldbarren, die im Keller eines Berliner Hauses sichergestellt wurden, erwiesen sich großteils als Attrappen, mit Goldlack überzogen. Die Razzia erfolgte mit 120 Einsatzkräften. Auf die zehn mutmaßlichen Betrüger kommt in Berlin ein Strafprozess zu.

Einzige "realistische Chance", dass die Geprellten zumindest einen Teil ihres Geldes wiedersehen, ist für Rittmann eine Klage gegen die hiesigen Berater. Exemplarisch für die fünf Kläger erläutert er den Fall eines Ehepaars aus dem Landkreis Tirschenreuth, das für die Gold-Anlage zwei sichere Lebensversicherungen auflöste. Diese Lebensversicherungen waren als Altersvorsorge gedacht, eine davon lief seit 1972.

Das Ehepaar kannte den Berater fünf Jahre als Versicherungsmakler. Bei einem Hausbesuch im Sommer 2013 warb er für die "100-prozentig sichere Anlage, da ja in Gold investiert werde". Laut Klage wurde die Anlage so dargestellt, als ob die BWF-Stiftung das Kapital direkt in Gold investieren würde. Vorteil sei ein garantierter Rückkauf zu einem festen Preis plus Bonus, alternativ die Auslieferung des Goldes. Zugesagt waren Gewinne zwischen 5 und 10 Prozent pro Jahr. Die Kündigung für die Lebensversicherungen setzte der Makler handschriftlich für die Eheleute auf. Die Familie vertraute ihm sogar soweit, dass auch noch der Sohn sein Erspartes investierte.

Das roch nach Betrug

Dem Berater hätte nach Ansicht von Rittmann der Betrug auffallen müssen: das unrealistische Gewinnversprechen, ein falscher Goldpreis im Prospekt, überhaupt das nicht plausible Geschäftsmodell. Auch die Initiatoren waren fragwürdig: "Über die BWF-Stiftung und den Bund Deutscher Treuhandstiftungen e. V. existieren keinerlei Informationen."
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