Naabtaler Milchwerke stellen Milch-Verarbeitung in Weiden ein
"Eiszeit" in der Milchzentrale

René Guhl setzt in Weiden künftig auf Frische-,Trocken- und Tiefkühl-Produkte. Bild: Hartl

Die Milch macht's. Seit 1908 dreht sich bei der Milchzentrale in Weiden alles um sie. Doch nach 107 Jahren endet diese Tradition: Die Naabtaler Milchwerke stellen Ende 2015 die Milch-Verarbeitung in Weiden ein. Zugleich wächst ein anderer Betriebszweig, nämlich die Milchunion Frischdienst im Gewerbegebiet Am Forst gewaltig auf.

Der Standort Weiden der Privatmolkerei Bechtel sei "historisch bedingt" zweigeteilt, erläutert Geschäftsführer René Guhl. Der größere Teil seien jedoch nicht die Naabtaler Milchwerke, sondern der Großhandel mit Frische-, Trocken- und Tiefkühl-Produkten der Milchunion Frischdienst.

Der Großhandel mit Milchprodukten ist seit jeher bei der einstigen "Milchzentrale" in Weiden angesiedelt. Bereits 1974, als die "Milchzentrale" im Gewerbegebiet neu entstand, erhält der Großhandel seine eigenen Gebäude. Im Jahr 2001 übernimmt die Privatmolkerei Bechtel der Milchunion Nürnberg, integriert diese in den bestehenden Frischdienst in Weiden und firmiert sie mit dem eigenen Großhandel in die Milchunion Frischdienst GmbH um.

Erfreuliche Entwicklung

Inzwischen wuchs das Sortiment auf über 2500 Artikel an. Es beschränkt sich keineswegs auf Milchprodukte, sondern umfasst alles, was in Gastronomie, Großküchen, Kliniken, sozialen Einrichtungen usw. gebraucht wird. "Wir verzeichnen sehr erfreuliche Entwicklungen", betont Guhl, der beim Großhandel in der strukturellen Neuausrichtung der Familien-Unternehmen großes Potenzial sieht.

Er wertet deshalb den Betrieb in Weiden auf: Im Spätherbst stehen wichtige Investitionen an, die eine mittlere siebenstellige Summe erreichen: So entsteht eine neue, 2500 Quadratmeter messende Tiefkühlhalle. Als Generalunternehmen beauftragt Guhl die Firma Goldbeck. Übrigens: Ein Goldbeck-Unternehmen erstellte die Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in Weiden.

"Mit dieser Expansion tragen wir nicht nur der Entwicklung des Unternehmens Rechnung, Sie dient auch der Sicherung des Standortes Weiden", unterstreicht René Guhl, der von einer "strategischen Investition in die Zukunft" spricht. "Wir hoffen, dass wir uns weiter in einem expandierenden Markt bewegen. Wir sehen uns gerüstet und wettbewerbsfähig: nicht als Preis-, sondern als Qualitäts- und Innovationsführer."

Keine Kündigungen

Die Milchunion zählt derzeit 70 Mitarbeiter. Im nächsten Jahr werden es noch mehr. Das Absatzgebiet erstreckt sich auf Süddeutschland sowie auf die südlichen neuen Bundesländer. Noch 2015 allerdings setzt Guhl eine weitere wichtige Entscheidung um: Nachdem mit Millionenaufwand (über 50 Millionen Euro) die Produktionsbetriebe und das Hochregallager in Schwarzenfeld aufgerüstet wurden, wird dort die Milchverarbeitung der Bechtel-Betriebe konzentriert. Dies bedeutet, dass dann keine Milch mehr in Weiden verarbeitet wird.

Den 18 Mitarbeitern, die in Weiden bisher Käse für die Lebensmittelindustrie produzierten, kann Guhl Ersatzarbeitsplätze in Schwarzenfeld bieten. "Es wird keine Freistellungen oder Kündigungen geben", versichert er. Weiden verarbeitete zuletzt gerade mal fünf Prozent der Milch, die bei den Naabtaler Milchwerken angeliefert wird. Die Produkte der Privatmolkerei Bechtel sind übrigens in 27 Staaten in Europa vertreten. "Unsere Exportquote liegt bei 50 Prozent." Höchste Priorität, so Guhl, habe die Erzeugung von nachgefragten Qualitätsprodukten und die Kundenzufriedenheit

Ein Beispiel für erfolgreiche Innovationen der Naabtaler Milchwerke ist der Grünländer-Käse, der inzwischen in nahezu jedem Lebensmittelmarkt zu finden ist.
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