Nachtmann setzt auf Weiden

Viele Arbeitsprozesse, wie die optische Qualitätskontrolle der Produkte, werden sich in der künftig hochautomatisierten Fertigung im Weidener Nachtmann-Werk wandeln. Archivbild: Götz

Eine gute Nachricht für Weiden, eine niederschmetternde für Frauenau. 35 Millionen Euro will der Bleikristall-Hersteller Nachtmann in seinen Oberpfälzer Produktionsstandort investieren. Das niederbayerische Werk mit 200 Mitarbeitern hingegen soll 2016 stillgelegt werden.

Das Ende der traditionsreichen Kristallglasproduktion in Spiegelau/Frauenau schlug große Wellen. "Die beschlossenen Investitionen erfordern eine Konzentration der Produktionsstandorte, was einen Stellenabbau in Frauenau unvermeidbar macht", hieß es in der heute veröffentlichten Pressemitteilung.

"Wir werden uns mit den Arbeitnehmervertretern in den kommenden Wochen zusammensetzen und diese notwendigen Maßnahmen sozialverträglich gestalten", erklärt Nachtmann-Geschäftsführer Alois Kaufmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Von den 200 Betroffenen könnten Einzelne nach Weiden wechseln. Ob und wie viele werde sich erst in den folgenden Gesprächen zeigen.

Fokus auf die Oberpfalz

In der Konzentration auf die verbliebenen beiden Oberpfälzer Standorte in Weiden und Amberg streicht Kaufmann einen positiven Aspekt für die Region heraus: "Wir haben die Produktion von einem strukturschwachen Gebiet Bayerns in ein anderes strukturschwaches Gebiet Bayerns verlagert." Nachtmann sei nicht wie andere aus Bayern heraus und etwa nach Tschechien gegangen.

Dabei seien die Millionen-Investitionen eigentlich für Frauenau vorgesehen gewesen, erzählt Kaufmann. Es hätten jedoch am Standort ausreichende vorhandene Flächen für die notwendigen Automatisierungsprozesse der logistischen Abläufe und für ein zukünftiges Wachstum gefehlt. Denkmalschutz-Restriktionen bei Teilen der Glashütte und der Werkstatt und daraus folgende Auflagen kamen hinzu.

Qualität statt Quantität

Eine Entscheidung für Frauenau hätte laut Kaufmann für die Sicherheit der Produktionsstandorte in Weiden und Amberg keine Gefahr bedeutet. "Damit hätten wir die Kapazitäten deutlich erweitert, aber das war nicht unser primäres Ziel." Die Jahreskapazität von 55 Millionen Stück Kristallglas bleibe nun fast unverändert. Die Produktqualität indes werde durch die Investitionen jedoch deutlich erhöht.

Das Werk in der Max-Reger-Stadt rückte durch seine Struktur in den Fokus der neuen Strategie. "Weiden ist ein moderner Standort, der damals im Hinblick auf denkbare Erweiterungsmöglichkeiten großzügig geplant wurde", so Kaufmann. Für das neue Hochregallager etwa wären bereits Platzhalter für das eineinhalbfache des bisherigen Platzbedarfs vorhanden.

Auch auf die Produktion der Kristall-Trinkgläser, die in Frauenau gefertigt werden, ist der neue Standort eingestellt. Kaufmann erläutert: "Auch bisher konnten alle Marken unserer Gruppe an allen Standorten gefertigt werden." Neben den vier Plätzen für gepresstes Glas gab es so in Weiden bereits zwei kleinere Linien für maschinell geblasene Produkte. Nun kommt eine weitere hinzu. Eine der beiden Wannen werde für die neue Blasmaschine umgebaut.

Bei der modernen Fertigungslinie soll künftig alles hochautomatisiert ablaufen: von der Produktion und den mechanischen Einträgern über die Transportbänder und die optische Qualitäts-Kontrolle bis hin zur Verpackung. Im Dezember/Januar werden laut Kaufmann die neuen Maschinen geliefert, ab März sollen sie produzieren. "Der Standort wird dadurch seine Wettbewerbsfähigkeit in einem preisaggressiven Marktumfeld weiter ausbauen können", ist sich der Geschäftsführer sicher. Denn durch die Automatisierungsprozesse würden die Stückkosten gesenkt.

Für Zukunft gut aufgestellt

Mit der Stilllegung der Werke Frauenau und Riedlhütte (2009) schrumpft die Mitarbeiterzahl der Nachtmann-Gruppe seit der Übernahme durch Riedel Glas im Jahr 2004 von 1600 Beschäftigten auf gut 600 im kommenden Jahr. Die aktuelle Neuausrichtung bedeute jedoch Zukunftssicherheit: "Wir sind sicher, dass diese strategische Entscheidung Nachtmann mit seiner Marke Spiegelau für die kommenden Jahre krisensicher machen wird", betont Kaufmann.
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