Neue Organisationsstruktur für alte Philatelie
Bonn verschickt die Befehle

Sieglinde Ostermeier und Karl Rösch sehen für die ehemalige Philatelie eine gute Zukunft, auch wenn ab 1. Juni der offizielle Sitz der Post-Niederlassung Privatkunden/Filialen in Bonn ist. Bilder: Götz (2)
 
Die Philatelie im Industriegebiet Weiden-West.

"Nicht einmal an meiner Visitenkarte ändert sich etwas", sagt Karl Rösch. Und doch ist der 1. Juni für die Philatelie im hintersten Winkel des Gewerbegebiets am Brandweiher etwas Besonderes.

Rösch ist dort Abteilungsleiter Versand. Er arbeitet in dem ursprünglich 1980 als Versandstelle für Briefmarken gegründeten Ableger der Post. Von damals drei Standorten blieb 2002 nur Weiden übrig. Berlin und Frankfurt wurden aufgelöst, als das Versandzentrum im Westen der Stadt fertig war. Seit 2012 firmiert der Standort unter dem Dach der Niederlassung Privatkunden/Filialen mit rund 1300 Mitarbeitern in ganz Deutschland.

Größter Standort


"Eine rein organisatorische Veränderung", so Pressesprecher Erwin Nier, steht nun auch ab dem kommenden Monat an. Dann ist der Sitz der Niederlassung Bonn. Weiden ist mit über 500 Mitarbeitern deren größter Standort. Es folgen Essen mit etwa 130 Beschäftigten, Berlin und weitere kleinere Ableger.

"Alle Standorte haben ihre fachlichen Vorgesetzten und die steuernden Fachabteilungen in Bonn", teilte Sieglinde Ostermeier, Abteilungsleiterin Kundendienst, mit. Für die Beschäftigten ändere sich dadurch nichts. Niederlassungsleiter mit disziplinarrechtlicher Kompetenz ist in Bonn seit 1. April Anke Jahn, die bereits kurz danach bei der Betriebsversammlung in Weiden den Geschäftsbericht erstattet hat.

"Unsere Mitarbeiter sind loyal und motiviert. Sie schieben mit Hirn an", lobt Ostermeier. Das sei in Bonn bekannt. Gefragt seien die Oberpfälzer bei neuen Ideen. "Zusammen mit der Anpackermentalität, die wir hier haben, gibt uns das Standortsicherheit", versprach die Abteilungsleiterin. Es mache Spaß hier zu arbeiten, weil die Beschäftigten mitzögen und Leistungen bringen wollen.

Für die Angestellten und Beamten habe sich durch die bereits seit vier Jahren gelebte sogenannte Matrixorganisation der Niederlassung nichts geändert. "Sie bekommen die Anweisungen vor Ort. Die Abteilungsleiter sind verantwortlich für die Abläufe", so Ostermeier. Die Stadt kann bei den Gewerbesteuereinnahmen ebenfalls auf Kontinuität setzen, lautet die Auskunft der Deutschen Post. Nier: "Die Steuern werden am Sitz des Konzerns erhoben und auf die Kommunen der Standorte verteilt."

"In jeden Bereich wird hier investiert", informierte Ostermeier. So flossen im vergangenen Jahr 500 000 Euro in eine neue Telekommunikationsanlage für das Callcenter. Von notwendigen Investitionen trotz Spardiktats in Höhe von jeweils 1 bis 1,5 Millionen Euro in den vergangenen Jahren berichtete Rösch. Das gelte auch für das laufende Jahr und, wie der Versandleiter bereits signalisiert, ebenfalls für 2017. "Unsere Maschinen sind so gut gewartet, dass wir punktuelle Verbesserungen machen."

Auch ins dritte Gebiet, die Systembetreuung mit ihren rund 20 Mitarbeitern, flössen Gelder. So werde beispielsweise das Lagerverwaltungssystem weiterentwickelt, sagte Ostermeier.

Für 2017 sei angedacht, 600 000 weitere Sendungen aus einem anderen Bereich der Post zu übernehmen und auf die Reise zu schicken. "Das entspricht für den Standort Weiden eine Volumensteigerung von 10 Prozent", kündigt Rösch an. "Da werden wir auch überlegen müssen, wie wir das meistern."

Es sei immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden. "Lesen, Schreiben und Rechnen sollten sie schon können. Das ist oft schon die Grundschwierigkeit", klagt Rösch. "Wenn wir zehn Bewerber einladen, ist es ein guter Durchschnitt, wenn wir die Hälfte brauchen können." Bei den Azubis werde das Niveau von Jahr zu Jahr schlechter, bei den Studenten sei es umgekehrt. "Bei denen wird das Niveau immer besser."

Befristung beendet


Da freut es die Führungskräfte, dass die Fluktuation der Beschäftigten gering sei, obwohl viele in der Entgeltgruppe unter den Zustellern angesiedelt seien. Zuletzt sei es wieder gelungen, 30 Kräfte, deren Verträge zuvor befristet waren, unbefristet zu übernehmen. Dies gelinge je nach Arbeitsanfall soweit möglich zwei Jahre nach der Einstellung.

Ausschlaggebend sei auch die Situation im Konzern. Die Niederlassung habe nämlich die Verpflichtung, zuerst deren Personalüberhänge zu übernehmen. Ostermeier: "Es gibt bei uns keine betriebsbedingten Kündigungen."
Unsere Mitarbeiter sind loyal und motiviert. Sie schieben mit Hirn an.Sieglinde Ostermeier
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