Niedriger Ölpreis
Öl-Heizung: Ja oder nein?

Öl-Heizungen sind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt auf dem absteigenden Ast. Bild: dpa

Ein Schlauch schlängelt sich zwischen Pflastersteinen und Blumenbeeten zu einem Fenster mit aufgeplatztem Lack am Rahmen und verschwindet im Keller. Liter für Liter füllt sich der Heizöl-Tank. Die Preise sind niedrig. Lohnt sich eine Öl-Heizung?

In den deutschen Haushalten standen im Jahr 2013 rund 5,3 Millionen Ölkessel. Damit lag Öl hinter Gas (8,9 Millionen Kessel) auf dem zweiten Platz der beliebtesten Energiequellen. Von 1975 bis 2013 seien die Öl-Heizungen laut Statistischem Bundesamt um rund 23,4 Prozent gesunken. Obwohl Öl derzeit so billig ist, wie seit drei Jahren nicht mehr. Demnach lag der Preis pro Hundert Liter leichtes Heizöl bei einer Lieferung von 4000 bis 5000 Liter im Juli 2008 noch bei 79,85 Euro. Im September diesen Jahres kostete das Heizöl zu denselben Bedingungen 66,01 Euro. Die Preise fallen, und das, obwohl der fossile Brennstoff auf der Welt immer weniger wird.

"Wer schon eine Öl-Heizung im Haus hat, der kann sich momentan über die niedrigen Preise freuen", sagt Franz Bischof, Professor an der Fakultät "Maschinenbau und Umwelttechnik" an der OTH Amberg-Weiden. "Die Preisschwankungen entstehen durch den Handel an der Rohstoffbörse", erklärt der Experte. "Momentan ist das Angebot stark gestiegen, weil die USA enorm Fracking betreiben und die Ölförderländer ihre Fördermengen beibehalten." Die Amerikaner würden immer mehr Gas und Öl fördern. Die Nachfrage nach dem klebrigen Rohstoff sei darüber hinaus geringer." Immer mehr andere Energieträger und die Erneuerbaren Energien würden auf den Markt drängen und dem Öl Konkurrenz machen.

Bischof könne sich vorstellen, dass der Preis noch weiter sinke: "Die Weltwirtschaft spürt immer noch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2008 und kommt nicht so richtig in Schwung. Damals sind die Preise innerhalb weniger Wochen um die Hälfte gefallen." Der Crash habe den Firmen, die mit Heizöl handeln, eine harte Zeit beschwert. "Die Kunden bestellten zum aktuellen Tagespreis und am nächsten Tag war der gleiche Umfang um einiges billiger", berichtet Hubert Dorrer, Geschäftsführer der Mineralöle Oberpfalz GmbH in Steinberg am See. "Die Kunden riefen an und wollten das Öl zum günstigeren Preis. Aber das geht dann nicht mehr. Teilweise haben sie es verärgert wieder abbestellt."

Springende Ölpreise

Öl ist laut Bischof eine Krisen-Währung. "Wenn sich Konflikte wie zwischen Russland und der Ukraine verschärfen, steigt der Ölpreis gleich wieder." Schnell könnte ein Engpass befürchtet werden und die Nachfrage bei den Industrien steigen, um die Rohöllager aufzufüllen. "Man kann den Kunden kaum noch raten, wann sie kaufen sollen", bestätigt Dorrer. "Zurzeit springt der Preis pro Liter jeden Tag. Gestern rauf und heute runter." Auch der Winter spiele eine Rolle. Wird es kälter, ziehen die Preise wieder an.

Wer ein Haus baut und sich Gedanken über die Heizanlage macht, müsse sich genau informieren. Die Investition soll ja längerfristig sinnvoll sein, meint Bischof. "Da geht es weniger um den Ölpreis, sondern um die Vernunft und die Verantwortung unserer Nachkommen gegenüber." Es sei ökologischer Unsinn, Öl zu verheizen, wenn es umweltfreundlichere Methoden gebe.

"Erstens ist Öl ein fossiler Brennstoff und zweitens wird viel schädliches Kohlenstoffdioxid ausgestoßen." Das beste Heizen, sei für Bischof, möglichst wenig Energie zu benötigen. "Wichtig ist, das Haus von Grund auf richtig zu dämmen - die Fenster, das Dach, die Gebäudehülle." In Kombination mit regenerativen Energien wie Biomasse oder Sonnenlicht könne am umweltfreundlichsten geheizt werden.

Einer Kombination aus mehreren Energiequellen stimmt auch Rainer Stammler, Betriebsleiter bei der Firma Bergler GmbH in Amberg, zu. Allerdings eine Öl-Heizung inbegriffen: "In Verbindung mit Solar oder einem Kachelofen ist Öl ein guter Energieträger." Mit einem modernen Brenner und Kessel habe der Verbraucher einen mittlerweile geringeren Ölverbrauch. "Bei den älteren Geräten werden rund 4000 Liter im Jahr durchgepustet. Durch die neue Technik reduziert sich der Verbrauch auf weniger als die Hälfte." Allerdings koste eine Modernisierung einiges. Um noch mehr Öl zu sparen sei es wichtig, die Heizung konstant laufen zu lassen. "Das schlechteste, was man machen kann, ist aufzudrehen und wenn es warm genug ist, wieder ganz zuzudrehen", erklärt Stammler.

Weniger Öl-Heizungen

Bischof hingegen kann sich nicht vorstellen, dass in Neubauten noch viele Öl-Heizungen eingebaut werden: "Auch, wenn der fossile Brennstoff noch länger vorhanden ist, als angenommen, werden weniger Verbraucher mit Öl heizen." Stattdessen prognostiziert er einen enormen Anstieg bei Pelletsheizungen, Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und kleineren Windkraftanlagen in den nächsten 20 bis 30 Jahren. Auch eigenerzeugter Strom werde zunehmend attraktiver.
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