Nur teuer entsorgbares Altmaterial in wertvollen Rohstoff veredelt
Altreifen –das schwarze Gold

Blick ins stets gut gefüllte Estato-Reifenlager. 14 Millionen Pneus kommen hier an. Bilder: Schönberger (2)
 
Ihr geschultes Auge und ihre Erfahrung sind nicht zu ersetzen. Die Experten sortieren die ankommenden Altreifen. Fast jeder dritte Pneu ist mit gutem Gewissen noch für Tausende von Kilometern zu empfehlen. Estato-Geschäftsführerin Katrin Teichert erläutert OB Kurt Seggewiß die Produktionsschritte, rechts daneben Technikleiter Alexander Prokein und Wirtschaftsförderin Cornelia Fehlner.

Zum Verbrennen viel zu schade. Ein Weidener Unternehmen erkennt den Wert der Altreifen, Batterien, Stoßdämpfer oder Ölfilter: Die Estato Umweltservice GmbH löst nicht nur die Entsorgung der Abfälle aus dem Schwesterbetrieb, der ATU Weiden, sondern spezialisiert sich auf die Verwertung. Sie bietet viele geschlossene Systeme an.

Der Warenberg, der in die drei Werke mit fast 70 000 Quadratmeter Grundfläche nach Weiden-West gekarrt wird, ist gewaltig. Bis zu 14 Millionen Altreifen wollen auf die Bänder. Die Rundlinge kommen nur noch zu 17 Prozent aus den 600 ATU-Filialen. 83 Prozent, so erläutert Technikleiter Alexander Prokein, stammen aus ganz Europa.

580 000 Batterien (7000 Tonnen) entsorgt die Estato. Sie kommen zu 85 Prozent aus den ATU-Werkstätten. Zu 100 Prozent verwerten die Weidener das in den ATU-Betrieben anfallende Altöl. Das sind jährlich 1,2 Millionen Liter. Estato nimmt 600 Tonnen an gefährlichen Flüssigkeiten und Abfällen sowie Schrott und Zündkerzen aus den Filialen an.

Diese Zahlen beeindrucken Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Wirtschaftsförderin Cornelia Fehlner, als sie von Technikleiter Prokein und Estato-Geschäftsführerin Katrin Teichert zur Betriebsbesichtigung im Werk I begrüßt werden. Nach der Ausgliederung aus ATU habe sich die Estato als eigenständiges Unternehmen sehr positiv entwickelt, betont OB Seggewiß beim Rundgang. Mit dem Geschäftszweig der qualifizierten Entsorgung habe die Firma einen zukunftsfähigen Geschäftszweig besetzt. "Wir sehen diese Entwicklung mit einem lachenden Auge."

Seit 18 Jahren


Peter Unger gründet 1998 die Entsorgungsfirma, weiht 2000 das Recyclingzentrum in Weiden ein. 2002 folgt das Werk in Werl. "Wir waren damals der Pionier und haben seitdem das Konzept verfeinert", erklärt Prokein. "Wir verwandeln ansonsten nur teuer entsorgbares Altmaterial in wertvolle Rohstoffe, bereiten sie so auf, wie sie die Industrie wünscht. Auch der Weg der "direkten Wiederverwertung" wird gepflegt. So sind 30 Prozent der ankommenden Reifen noch gut für viele Tausende von Kilometern, die dann aber in Afrika und den südosteuropäischen Ländern abgespult werden. Sie werden von zwei Spezialisten aussortiert und fahren am Haken der Förderbänder gleich in die entsprechende Transport-Box.

Keine Geschäfte sind hingegen mit der Runderneuerung des Pneus zu machen, erläutert Geschäftsführerin Teichert. "Es lohnt sich nicht: Die asiatischen Billigstanbieter sind mit ihren Reifen günstiger."

Spezialmaschinen zerreißen die Reifen. Nach jeder Station werden die Teilchen kleiner und immer wieder aussortiert. Zuletzt sind Gummi, Textilien- und Stahl "sortenrein". Die Körnung des Gummi-Granulats lässt sich nach den Wünschen der Industrie variieren - von der Größe eines Schrotkorns bis zum Gummi-Puder.

Estato konzentriere sich auf die erfolgversprechenden Materialien, betont Teichert. "Unser Konzept ist einzigartig im europäischen Raum. Es ist von A bis Z durchdacht. Es ist die perfekte Mischung aus Umweltschutz und Umsatz. Wir machen Gewinn."
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