OTH-Professor Bernt Mayer zur EZB-Geldpolitik
Eine Gefahr für die Demokratie

Professor Bernt Mayer. Bild: hfz

Weiden/Amberg. Ist die Gründung von Scheinfirmen, um damit Gelder am Fiskus vorbeizuschleusen, ethisch vertretbar? "Ich sage Nein." Der Weidener OTH-Professor Bernt Mayer hat eine klare Meinung zur Enthüllung der "Panama Papers". "In der S-Bahn stemple ich ja auch meine Fahrkarte, selbst wenn ich seit Jahren nicht mehr kontrolliert worden bin." Für verheerend hält Mayer, der in Organisations- und Wirtschaftspsychologie promoviert hat, die Auswirkungen auf Gesellschaft und Staat. "Das höhlt unsere Demokratie aus." Eine Aussage, die er auch ausdrücklich auf die Währungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezieht. Deren Zins- und Kreditpolitik enteigne schleichend die Mittelschicht. "Die zahlt die Zeche."

Er teilt die Ansicht Nikolaus von Bomhards, Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück. Der warf der Bundesregierung vor, sie sehe dem Vermögensverlust der deutschen Sparer durch die Zinspolitik der EZB tatenlos zu. Bomhard sprach von einer "Erosion des Rechts" und einer Umverteilung, die vor allem die Ärmeren treffe. Mit anderen Worten: Eine Umverteilung von Arm nach Reich. Erhalten Sparer auf ihr Guthaben keinen Zins oder müssen dafür noch Gebühren zahlen, verringert sich ihr tatsächliches Vermögen. Erspartes wird nicht nur nominal weniger, die Kaufkraft sinkt. Bislang konnten Zinsen den Wertverlust durch Inflation teilweise auffangen. Nun klappt das nicht mehr. "Die Mittelschicht, die den Tanker Deutschland am Laufen hält, wird sukzessive enteignet", betont Professor Mayer. So ist auch die wieder ins Gespräch gebrachte Abschaffung von Bargeld zu verstehen. "Das bedeutet den Verlust von Freiheit."

Edelmetall als Alternative


Was aber sind die Alternativen? Für Mayer gibt es nur eine: Edelmetall. "Heute in Standard-Aktien zu gehen, ist absolut unvernünftig." Denn selbst Aktien hätten im Vergleich zu einer Unze Gold seit dem Jahr 2000 an Wert verloren. Gold und Silber sei hingegen die beste Absicherung - und seit Jahrtausenden bewährt. Angesichts von Null- und Negativzinsen werfe Edelmetall sogar nominell Zinsen ab. Diese Strategie fährt derzeit die Münchener Rück: Bomhard kündigte an, künftig eine zweistellige Millionensumme in Bargeld und Gold in Tresoren des eigenen Hauses lagern zu wollen.

Mayer hält die konsumorientierte EZB-Politik für falsch. "Wir brauchen mehr Produktion. Dadurch entsteht mehr Wohlstand." Dies gehe nur durch Investitionen in Bildung und dadurch, dass Firmen produzieren könnten. Eine konsumorientierte Währungspolitik sei bereits einmal gescheitert - in Japan. "Ein gutes Beispiel für ein schlechtes Beispiel."

In der Verantwortung sieht Mayer die Politik. Sie lasse sich von der Banken-Lobby zu stark beeinflussen. "Seit der Bankenkrise 2008 hört man nur Worte." Geschehen sei nichts. "Es ist sogar noch schlimmer geworden." Mayer verweist zum Beispiel auf den Hochfrequenzhandel, der nicht wie angekündigt eingeschränkt worden sei. Mitleidtragende seien Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die eine solide Geschäftspolitik betreiben würden und für Mittelstand und Kommunen äußerst wichtig seien.

Warum regt sich kein Widerstand in der Bevölkerung gegen die Geldpolitik und die wachsende Schwere zwischen Arm und Reich? "Die Stimmung ist doch nach wie vor so: ,Uns geht's doch gut'", sagt der promovierte Wirtschaftspsychologe. Angesichts ständiger neuer Krisen habe auch ein Gewöhnungseffekt eingesetzt, gepaart mit Ablenkung: "Die soziale Stimmung ist: Spaß haben." Die Generation "Z" wolle keine Verantwortung übernehmen und sei teilweise narzisstisch veranlagt. "Das Allerschlimmste ist die Gleichgültigkeit. Das führt zu Passivität." Mensch unterliegen einem Herdentrieb, erklärt Mayer. Das höhere Kollektivbewusstsein werde von der sozialen Stimmung getrieben. "Die Masse in Deutschland läuft sehr stabil. Die Leute können reisen, können ihr Geld ausgeben." "70 Prozent der Deutschen sagen, ihnen gehe es besser als dem Durchschnitt", zitiert Mayer Umfragen. Er geht davon, dass die Stimmung aber irgendwann kippen wird. "Wann, ist nicht vorhersehbar." Ein Zeitpunkt aber könnte sein, wenn es Multiplikatoren gelingt, breit Angst zu streuen. Denn Angst sei neben Gier eines der wesentlichen Dinge, die Menschen antreiben.

Dazu kommt ein zweiter psychologischer Faktor: "Menschen neigen dazu, den Status quo erhalten zu wollen." Der Fachmann spricht von "emotionaler Verlustaversion". Menschen nehmen Verluste stärker wahr als Gewinne. Trotz aller Probleme sieht Mayer die Region gut aufgestellt. "Kultur und Innovation entsteht an der Peripherie." Nicht in den Ballungsräumen. "Wir müssen Vorreiter sein, gute Firmen haben." Die Oberpfalz sei da gut aufgestellt.
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