Partner in der Lehre
Kreishandwerksmeister trifft Hochschulpräsidentin

Zwei, die dann doch miteinander können. Als Gastgeschenk überreicht Kreishandwerksmeister Joachim Behrend der OTH-Präsidentin Andrea Klug das Buch über Zunftstangen von Horst Lambel. Bild: sbü

Handwerksvertreter beklagen immer wieder von einen "Akademisierungswahn". Deshalb könnte es durchaus knirschen, wenn ein Kreishandwerksmeister eine Hochschulpräsidentin besucht. Das Gegenteil ist der Fall.

"Ich verurteile nicht die Akademisierung. Selbstverständlich brauchen wir Akademiker. Aber manche Schüler werden von den Eltern zum Studium gedrängt, und nicht jeder ist dafür geeignet." Das stellt Kreishandwerksmeister Joachim Behrend gleich zu Beginn des Gesprächs fest. Vorrangig will sich Behrend bei seinem Besuch bei OTH-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug erstmals in seiner jetzigen Funktion vorstellen. Doch zu besprechen gibt es in Anbetracht zahlreicher Diskussionen in den letzten Wochen dann doch hauptsächlich ein Thema: den Nachwuchsmangel im Handwerk einerseits, hohe Studentenzahlen andererseits.

Rasch sind sich die Gesprächspartner einig, dass eine strikte Trennung zwischen akademischen Bildungsgängen und der Ausbildung in Handwerksberuf weder realistisch noch erwünscht sei. "Wir sehen uns nicht als ein Gegeneinander", stellt Klug ganz generell fest. Und: "Wir haben Durchlässigkeit in vielerlei Richtungen." Mit den dualen Studiengängen könnten handwerkliche Ausbildung und Studium weitgehend parallel verlaufen. Dieser Ausbildungsweg habe sich auch längst zum Erfolgsmodell entwickelt.

Mit Arbeitswelt verzahnt


Mit zahlreichen weiteren Beispielen belegt die Hochschulpräsidentin die engen Verbindungen zwischen Hochschule und Handwerk. "Das beginnt schon bei dem Namen ,Hochschule für angewandte Wissenschaft'." Dieser Name kennzeichne die Praxisorientierung und somit auch die enge Verzahnung zwischen Hochschule und Arbeitswelt. Studenten mit Meisterausbildung, Abschluss- und Projektarbeiten in handwerklichen Themenbereichen, berufsbegleitende Weiterbildungsangebote einschließlich Propädeutikum und Wegfall des Vorpraktikums bei Vorliegen einer Berufsausbildung seien Beispiele dafür.

"OTH-Mind" als Konzept für lebenslanges modulares Lernen kennzeichne auch die Durchlässigkeit zwischen hochschulischer und beruflicher Bildung. "Wir sehen uns nicht fern vom Handwerk", stellt die Präsidentin fest. Schließlich sei auch das handwerkliche Bildungszentrum Charlottenhof als "innovativer Lernort" ausgewählt. Behrend bedauert, in der Bevölkerung sei viel zu wenig bekannt, "dass mit einer handwerklichen Ausbildung nicht Schluss ist". Eine Lehre trage oftmals mehr zur Fortentwicklung der persönlichen Reife bei als ein durchgehender Schulbesuch.

Nur der Anfang


Einig sind sich die Gesprächspartner auch über den gesellschaftlichen Auftrag der Hochschule. Klug: "Das ist uns ein großes Anliegen." Sie verweist auf Mentoring-Angebote der Hochschule oder das Projekt "Rock your Life" von Studenten für Schüler. Als Vertreter der Hochschule nehme Dr. Wolfgang Weber seit gut 20 Jahren auch am "Forum Neustadt Plus" teil. Dabei geht es um Strategien, die Region nördliche Oberpfalz weiterzuentwickeln und junge Menschen hier zu halten. Weber schlägt das Thema "Digitalisierung im Handwerk" als ideales Feld der künftigen Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Handwerk vor.

Positiv nehmen die Gesprächspartnern auch den Vorschlag auf, Handwerksbetriebe verstärkt zu Vorträgen an die OTH einzuladen. Weitere Felder der Zusammenarbeit sollen entwickelt werden: "Das heutige Gespräch soll nur der Auftakt sein."
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