Podium diskutiert über Auswirkungen von Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt
"Es wird sich viel verschieben"

Experten diskutierten bei der Jobaktiv-Messe über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt: (von links) Professor Dr. Dr. h. c. Joachim Möller, Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, Professor Dr. Alexander Pflaum, Leiter der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply-Chain-Services SCS Erlangen, HWK-Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler, Ingenieur Zdenek Mužík, Leiter Regionalwirtschaftskammer Pilsen, und Moderator Tho

Umstritten ist die Frage, wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen. Einigkeit besteht aber, dass es ein Gefährdungspotenzial gibt. Was unterm Strich bleibt, diskutieren Experten bei der Jobaktiv-Messe.

Einer der profiliertesten deutschen Arbeitsmarktexperten, vielleicht sogar die Nummer eins, referierte jetzt bei der Jobaktiv-Messe in Weiden. Als Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg beschäftigt sich Professor Dr. Dr. h.c. Joachim Möller bereits seit Jahren mit den Veränderungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Rahmen der vierten Industriellen Revolution. Internationale Forscher erwarten, dass über 50 Prozent der Arbeitsplätze von digitalen Techniken verdrängt werden, erläuterte Professor Möller. Er und sein Institut hielten das Gefährdungspotenzial aber für erheblich geringer.

Job-Inhalt verändert sich


"Wir sehen das Gefährdungspotenzial bei etwa 15 Prozent", erläutert der Institutsleiter. Und er sagt auch: "Gefährdungspotenzial heißt nicht zwingend, dass Arbeitsplätze wegfallen." Allerdings errechneten die Forscher ein "Ersetzbarkeitsrisiko" von 46 Prozent bei Helfertätigkeiten und eines von 45 Prozent bei Facharbeitern. Fertigungsberufe stünden ganz oben auf der Gefährdungsliste, Dienstleistungsberufe ganz unten. Als Zukunftsszenario malt Professor Möller folgendes Bild: "Die Gesamtzahl der Jobs wird sich kaum verändern, aber innerhalb der Jobs wird sich viel verschieben."

Über Ausbildungsfragen im digitalen Zeitalter sprach Professor Dr. Ing. Milan Edl PH. D. , Dekan der Fakultät Maschinenbau der Universität Pilsen. In der sich anschließenden Podiumsdiskussion äußerten sich weitere Experten zum Thema Auswirkungen der Digitalisierung.

Das Handwerk macht sich laut HWK-Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler Sorgen, dass "neue Geschäftsmodelle im Internet entstehen". Aber nur der Handwerker könne "die echten Wünsche des Kunden im persönlichen Dialog herausfinden".

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes forderte, "nicht so viele ingenieurwissenschaftliche Gedankenspiele", sondern mehr Kreativität nach der Art derjenigen, die den "Dash-Button" an der Waschmaschine erfunden haben. Dr. Helmes stellte auch fest, dass "in den Betrieben die Digitalisierung Ausbildungsbestandteil ist". Und er fragt: "Wo findet diese an den Schulen statt?"

Längst in der Umwandlung


Professor Dr. Alexander Pflaum von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply-Chain-Services in Erlangen kritisierte, dass das mittlere Management wenig Ahnung von digitalen Techniken habe: "Die etwas davon verstehen, haben im Betrieb noch nichts zu sagen."

Ing. Zdenek Mužík sieht die vierte digitale Revolution eng verbunden mit der "globalen Nutzung von Big-Data", also der Sammlung und Auswertung von immer mehr Datenmengen. Für Mužík hat der Umwandlungsprozess längst begonnen.

Moderiert hat die Diskussion Thomas Faupel von TF Media.
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