Positive Reaktionen auf geplante ATU-Übernahme durch Mobivia Gruppe
"Wieder Zukunft bei ATU"

Ein Lichtblick ist für viele bei ATU das Interesse der Mobivia Group an der Weidener Werkstattkette. Zumal es im Zuge der Übernahme keinen Stellenabbau geben soll. Bild: Götz
 
Professor Dr. Christiane Hellbach. Bild: Huber

Jetzt also einer aus der Branche. Die französische Mobivia Groupe will bis Jahresende ATU übernehmen. Als das Vorhaben am Mittwoch schließlich offiziell bestätigt wurde, war längst nicht jeder auf den Fluren der Weidener Unternehmenszentrale begeistert. Zu schlecht sind die Erfahrungen mit früheren Eigentümerwechseln.

Es stimme schon, manche seien skeptisch, sagt auch Betriebsratsvorsitzender Helmut Meindl. Aber er und die meisten Kollegen dächten anders. Mit einem Wort: "Endlich!"Endlich kein Investor mehr aus der Finanzbranche, sondern ein strategischer Partner. Einer, der sich auskennt. Das Unternehmen gehört zu den Großen im internationalen Kfz-Werkstattgeschäft. In Deutschland ist es bislang nicht vertreten. Diese Lücke soll ATU schließen. Wobei die Weidener unter der alten Marke als eigenständiges Unternehmen agieren sollen. Mit Sitz in der Max-Reger-Stadt. Für Meindl deutet das alles auf eine langfristige Perspektive hin. Endlich wieder. Meindl fasst es so zusammen: "Als Mitarbeiter kann ich jetzt vielleicht wieder ein Haus bauen, weil ich Zukunft habe bei ATU."

"Kein Personalabbau"


Entscheidend ist für den Betriebsrat dabei natürlich neben der Standortzusage, dass alles ohne Kündigungen abläuft, worauf er auch in Zukunft achten wolle. Allerdings sieht es im Moment ohnehin danach aus. "Es ist kein Personalabbau geplant", erklärt ATU-Sprecher Markus Meißner. Auch die Zahl der Filialen soll unverändert bleiben. Dass die Übernahme noch scheitert, glaubt Meißner nicht. Kartellrechtlich erwarte er "keine Probleme". Auch die Verhandlungen mit den Filial-Vermietern stimmten "zuversichtlich": Die Franzosen hatten niedrigere Mieten zur Voraussetzung für einen Verkauf gemacht.

Verhalten zuversichtlich ist auch Horst Ott (IG Metall Amberg). Er sitzt für die Arbeitnehmerseite im ATU-Aufsichtsrat. Mobivia sei nicht nur strategisch an ATU interessiert, sondern eben neu am deutschen Markt. Damit hätten die Franzosen hier keine weiteren Eigeninteressen. Für die Weidener Werkstattkette seien das "keine schlechten Voraussetzungen". Positiv sei auch, dass es in der Chefetage an der Dr.-Kilian-Straße kein Stühlerücken gibt. Die Arbeitnehmer haben laut Ott einen Verbleib des bisherigen Managements gefordert, um nach den vielen Führungswechseln der Vergangenheit neue Unruhe zu vermeiden. Ein Wunsch, der offenbar in Erfüllung geht. Wie zu hören ist, wollte Mobivia ohnehin die bisherige Führung halten.

Als "große Chance" bezeichnet Florian Rieder die Übernahme. Der Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden macht das auch daran fest, dass Mobivia mit Sitz in Lille in Privatbesitz ist. Die Erfahrung lehre, dass Unternehmerfamilien sehr am Erhalt ihrer Firmen interessiert seien. Sollte sich das bestätigen, könnte mit ATU ein für die Region "wichtiges, identitätsstiftendes Unternehmen" durchaus eine gute Zukunft haben.

Hoffen auf Steuern


Das sieht auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß ähnlich. Wobei er erst einmal in die Vergangenheit verweist. Auf das Votum des Stadtrats für einen Sanierungserlass - sprich: den Verzicht auf die Forderung nach 80 Millionen Euro Gewerbesteuer von ATU. Die neue Entwicklung zeige, dass dieser Beschluss "absolut richtig gewesen ist. Sonst wären alle strategischen Überlegungen gestorben". Mobivia sei ein solides Unternehmen mit bestem Ruf. Und damit ein Eigentümer, der wenig mit seinen Vorgängern gemeinsam habe.

"Nach vielen, vielen Jahren entkommt ATU erstmals den Fängen von Hedgefonds." Gleichzeitig betont Seggewiß, das Interesse der Franzosen erkläre sich auch mit der strategischen Lage von Weiden, "mitten im Herzen Europas". Er selbst verknüpft damit strategisch freilich noch eine andere Hoffnung. Nämlich die, dass ATU "mittelfristig auch mal wieder Gewerbesteuer zahlen wird".

Chancen bei ÜbernahmenFür die Mitarbeiter, für die Stadt, aber auch für ihre eigene Arbeit - Dr. Christiane Hellbach hat mehrere Gründe, warum sie auf eine gute Zukunft für ATU hofft. Die Professorin an der Fakultät Betriebswirtschaft der Technischen Hochschule hatte unter anderem gemeinsame Projekte mit der Weidener Werkstattkette, Studenten schrieben dort Bachelor-Arbeiten. Aus Hellbachs Sicht könnte das Zusammengehen der Oberpfälzer mit Mobivia in der Tat eine Chance sein. Zwar kann jetzt noch niemand Details der Übernahme kennen. Ganz allgemein lasse sich aber sagen, dass für ATU eine "konsistente Entwicklungsstrategie ganz wichtig" sei - und die könne ein strategischer Investor nunmal ermöglichen. Zu den Vorteilen der Übernahme könne der Austausch von Know-how zwischen den Unternehmen werden. Beide könnten prüfen, worin sie gut sind, und dann voneinander lernen. Hinzu kämen Chancen durch Synergieeffekte - etwa durch gemeinsamen Einkauf, Logistik oder Filialmanagement. (fku)
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