"Radl-Checker"
Alte Drahtesel auf Touren bringen

Über 160 Fahrräder haben die "Radl-Checker" schon repariert. Meister Horst Schönfelder (links) lernt die Teilnehmer an. Für Alexander Dectel ist das Projekt im November nach sechs Monaten beendet. Bild: tsa

"Wir haben Wartezeiten von mehreren Wochen, so viele Interessenten kommen täglich vorbei", begrüßt Projektleiter Ronald Behrendt, sobald man die Räume der "Radl-Checker" betritt. Auf welch kostbares Gut so viele Menschen wochenlang warten? Aufs Fahrrad.

Seit November vergangenen Jahres reparieren "Radl-Checker" beim Oberpfälzischen Waggon Service (OWS) Räder für alle, die sich keine Fahrradreparatur leisten können. Nicht nur die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter in der Werkstatt sind besonders: Menschen mit Einstiegshemmnissen in die Berufswelt erhalten die Chance, sich am Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Win-Win-Situation"

Reinhold Hautmann, Geschäftsführer des ÜBZO, betont: "Das ist eine Win-Win-Situation für Menschen mit wenig Einkommen und die Teilnehmer." Bedürftige können kostenfrei Fahrräder abholen, wenn sie nachweisen können, dass sie aus eigener finanzieller Kraft keinen Drahtesel kaufen können. Und die Teilnehmer des Projekts würden fit für den Arbeitsmarkt gemacht.

Ein "Radl-Checker"-Kurs hat das Ziel, Arbeitslosen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Er dauert jeweils sechs Monate, und mitmachen können jedes Mal 15 Personen, die meistens das Jobcenter vermittelt. Insgesamt erhält das Projekt eine Förderung über drei Jahre, beteiligt sind das Überbetriebliche Bildungszentrum Ostbayern (ÜBZO) und das Bayerische Sozialministerium. Die Mitarbeit motiviert und stärkt die Teilnehmer in ihrem Selbstbewusstsein, berichtet Hautmann: "Sie gewinnen Selbstvertrauen und werden wieder an Arbeit herangeführt." Außerdem erhalten sie neben der eigentlichen Qualifikation in Reparatur und Montage auch Einblicke in die Bereiche Metall, Lager, Handel und Verkauf. "Für die Umwelt wird auch etwas getan", sagt Fahrradmonteur-Meister Horst Schönfelder, der die Arbeiter betreut und anlernt. Alle brauchbaren Teile würden recycelt und wiederverwendet, das schone Ressourcen.

Die meisten Fahrräder, die repariert werden, kommen von der Firma Bergler. Die Diakonie Weiden und Privatpersonen helfen ebenfalls und vermitteln oder bringen Räder. Bisher seien über 160 Räder hergerichtet und übergeben worden, ein Viertel davon Kinderfahrräder. Menschen mit geringem Einkommen könnten auch ihre eigenen alten Fahrräder zur Reparatur bringen. Es müssten lediglich die Ersatzteile selbst besorgt werden, der Einbau erfolgt dann kostenfrei. Im Moment würden noch mehr Fahrräder benötigt als sonst. Grund dafür ist auch die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Asyl. Viele Räder reparieren die "Checker" für Flüchtlinge. "Das Netzwerk Asyl bringt aber auch Fahrräder zum Reparieren, wenn welche vorhanden sind", so Hautmann.

Räder immer gesucht

Die "Radl-Checker" reparieren nur ältere Fahrräder. "Wir dürfen und wollen nicht in Konkurrenz zu den örtlichen Fahrradgeschäften treten", erklärt Ronald Behrend. Momentan betrage die Wartezeit für ein Fahrrad ungefähr drei Wochen. Jeden Tag gehe mindestens ein repariertes Radl wieder zum Auftraggeber oder an bedürftige Menschen, je nach Reparaturaufwand. Reinhold Hautmann: "Jetzt benötigen wir natürlich immer Fahrräder, damit unsere Teilnehmer weiterarbeiten können und das Projekt so erfolgreich weiterläuft."
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