Raiffeisenbank Weiden nennt Gründe für gescheiterte Fusion mit Institut im Naabtal
Angst vor Identitätsverlust

Eigenkapital ist nicht alles. Es kann schnell dahinschmelzen, wenn man nicht in der Lage ist, Kunden gut zu pflegen.

Das Paket war bereits im Sommer 2015 geschnürt, Vorstände und Aufsichtsräte verabschiedeten es einstimmig, die Öffentlichkeit war informiert. Trotzdem ist die Fusion der Raiffeisenbanken im Naabtal und in Weiden nun geplatzt. "Denn plötzlich begannen Nachverhandlungen", erklärt Hermann Ott, Chef der Weidener Raiffeisenbank.

Als die Fusionspläne im November bekannt wurden, erläuterten die Vorstände beider Häuser das künftige Gebilde "Raiffeisenbank Oberpfalz Mitte". Sie sollte mit einer Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Euro die zweitgrößte genossenschaftliche Bank im Regierungsbezirk werden - mit juristischem Sitz in Weiden (wir berichteten). Entsprechend überraschten den Chef des Weidener Instituts die Entwicklungen kurz vor Weihnachten: "Da begannen die Nabburger Kollegen Nachverhandlungen über den juristischen Sitz und über einige andere Dinge", sagt Hermann Ott.

Einig wurden sich die Institute nicht. Am Donnerstag gaben sie bekannt, die Fusionsgespräche einvernehmlich beendet zu haben.

Eigenkapital ist nicht alles. Es kann schnell dahinschmelzen, wenn man nicht in der Lage ist, Kunden gut zu pflegen.Hermann Ott, Vorstand der Raiffeisenbank Weiden

Warum es nicht in Frage kam, den juristischen Sitz des neuen Gebildes nach Nabburg zu verlagern? "Weiden hätte ein Stück Identität verloren", argumentiert Ott. In der Max-Reger-Stadt wohnten schließlich 42 000 Einwohner, in Nabburg nur 6000. "Weiden ist außerdem für die Mehrzahl der Kunden besser erreichbar." Die Stadt liege schlicht zentraler im neuen Geschäftsgebiet, das sich von Schlammersdorf bis Schönsee sowie von Krummenaab bis Schwarzenfeld erstreckt hätte. Davon würden auch Mitarbeiter profitieren, die zu Schulungen anfahren. Ott führt weiter an: "Zudem haben wir in Weiden mit dem Land- und Amtsgericht auch die nötige Infrastruktur für den juristischen Sitz. Nabburg muss auf Amberg oder Schwandorf ausweichen."

Enormes Kundenwachstum


Der Vorstandsprecher der Raiffeisenbank im Naabtal, Bernhard Werner, hält dagegen: Weiden weise zwar eine höhere Bilanzsumme (Bilanzstatistik Ende 2015: Weiden 812 Millionen; Naabtal 672 Millionen) aus und sei deshalb die größerer Bank. Sein Institut stelle mit seiner deutlich besseren Eigenkapitalausstattung aber das wirtschaftlich stärkere Institut dar, sagte Werner am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. "Auch Weiden verfügt über ein solides Eigenkapital", kontert Ott. So lagen die Einlagen Ende 2015 bei 661 Millionen in Weiden (Nabburg bei 527 Millionen). Dabei sei Eigenkapital aber nicht alles. "Es kann schnell dahinschmelzen, wenn man nicht in der Lage ist, Kunden gut zu pflegen." Und der Kundenzuspruch mache schließlich Wert und Wachstum eines Unternehmens aus. Allein 2015 habe die Weidener Raiffeisenbank wieder über 1000 neue Mitglieder gewonnen. Aktuell zähle sie über 20 000, Nabburg dagegen gut 14 000, erläutert Ott - und führt eine weitere Unternehmensstärke der Weidener ins Feld: die hochqualifizierten Mitarbeiter. Beide Institute beschäftigen übrigens je knapp 200 (mit Warenhäusern).

Offen - auch für Volksbank


Ott bedauert jedenfalls, dass die Fusion gescheitert ist: "Ein Zusammenschluss wäre prinzipiell sinnvoll gewesen." Zugleich betont er: "Es wäre keine Fusion aus der Not heraus gewesen. Beide Häuser sind gut aufgestellt." Trotzdem ist Ott überzeugt, dass der Trend zur Fusion im Bankensektor anhalten wird. "Deshalb sind wir für sinnvolle, strategische Optionen weiter offen." Ob es gar neue Verhandlungen mit der Volksbank Nordoberpfalz geben könnte? "Auch das schließe ich nicht aus."
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