Sand im Siemens-Getriebe

Siemens-Chef Joe Kaeser greift durch: Nach einem weiteren durchwachsenen Quartal streicht er in schwächelnden Sparten noch einmal tausende Jobs. Die Standorte in der Oberpfalz dürften dabei glimpflich davon kommen.

(dpa/we) Der Elektrokonzern Siemens will seine Ertragsprobleme mit einem massiven Abbau von über 13 000 Arbeitsplätzen in den Griff bekommen. Zusätzlich zu den bereits bekannten Einschnitten durch den Konzernumbau und im Energiegeschäft kündigte Konzernchef Joe Kaeser am Donnerstag in München den Abbau weiterer 4500 Jobs weltweit an, davon 2200 in Deutschland. Die Neuordnung sei damit "in der Hauptsache abgeschlossen", erklärte Kaeser. Die IG Metall reagierte verärgert und will, falls nötig, massiven Widerstand gegen die Pläne leisten. Sie pocht auf die Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung.

In der Oberpfalz sind allein in Amberg, Kemnath und Luhe-Wildenau rund 6300 Mitarbeiter beschäftigt. Die bayerischen Standorte dürften von dem Stellenabbau aber kaum betroffen sein. Siemens-Sprecher Bernhard Lott meinte gegenüber unserer Zeitung, dass es noch keine regionalen Zahlen gebe. Man wolle erst die Mitarbeiter informieren, diese Gespräche stünden noch aus. Auch Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Amberg, ist derzeit nichts von möglichen Streichungen in der Region bekannt. Dem Vernehmen nach werden der vor allem Berlin, Nordrhein-Westfalen und die neuen Bundesländer von den Einsparungen betroffen sein.

Erzrivale rennt davon

Mit den Stellenstreichungen will Joe Kaeser den Konzern, der schon länger Wettbewerbern wie dem US-Erzrivalen General Electric hinterherhinkt, profitabler machen. Zuletzt beschäftigte Siemens weltweit insgesamt 342 000 Menschen, davon 114 000 in Deutschland. Hintergrund der neuen Abbaupläne sind die Probleme im Energiegeschäft sowie die Sanierung ertragsschwacher Geschäfte. Auf diese Geschäfte sollen weltweit etwa zwei Drittel der Stellenstreichungen entfallen und der Rest auf das Geschäft mit der Stromerzeugung.

Siemens kämpft in der Stromerzeugungs-Sparte mit einem schwierigen Marktumfeld einschließlich Preisverfall und einer Nachfrageflaute bei großen Gasturbinen. Für das Energiegeschäft hatte der Konzern deshalb bereits angekündigt, dass 1200 Jobs gestrichen werden. Der ebenfalls bereits bekanntgegebene Stellenabbau im Zuge des Konzernumbaus ändert sich derweil noch leicht: Ursprünglich sollten 3300 Stellen in Deutschland von dem Umbau betroffen sein, doch habe sich die Zahl nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern auf rund 2900 reduziert, hieß es. Die Energiesparte drückte im abgelaufenen zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) schwer auf die Kennzahlen. Weil das Ergebnis bei Power & Gas um ein Drittel absackte, rutschte auch die für den Konzern wichtige Rendite des Kerngeschäfts unter den angepeilten Zielkorridor. Vom Umsatz, der mit 18,4 Milliarden Euro stagnierte, blieben nur noch neun Prozent als operativer Gewinn übrig - eigentlich wollen die Münchner zehn bis elf Prozent einfahren. Kaeser sieht das Unternehmen aber auf Kurs, die für 2015 gesteckten Ziele zu erreichen.

Windkraft ohne Saft

Problematisch bleibt unter anderem die Sparte Windenergie, wo die Neubestellungen im Jahresvergleich und bereinigt um Währungseffekte um ein Viertel zurückgingen. Insgesamt konnte Siemens - auch dank eines Großauftrags in der Zugsparte - mehr Bestellungen verbuchen.
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