Sebastian Maier entlarvt Millionenbetrüger Wolfgang S.: 8,4 Millionen Euro Schaden
Wie in Wedels Film "Gier"

Sebastian Maier, ein Wirtschaftsprüfer aus Sulzbach-Rosenberg, entlarvte Wolfgang S. schon 2011 als Millionenbetrüger. Nur wollte keiner auf ihn hören, am allerwenigsten ein Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth, der schon 3 760 000 Euro ins Blaue überwiesen hatte. "Ich habe wie gegen eine Wand geredet."

(ca) Am Ende lag die Schadenssumme allein für den Unternehmer bei 8,4 Millionen Euro. Hätte er nur auf Maier gehört: Dieser schlug Alarm, als er für das Jahr 2010 die Abschlussprüfung für das Unternehmen machen sollte. Er sah eine Unstimmigkeit in der Bilanz: Bei den Gewinnen waren Kapitalanlagen in Höhe von 3,7 Millionen Euro aufgeführt. Für die gab es aber keine verwertbaren Unterlagen. "Die waren meines Erachtens null Euro wert."

Basis waren kurzfristige Darlehensverträge mit Wolfgang S. Anfangs konnte Sebastian Maier "noch schmunzeln": Erst hieß es, das Geld werde bis zum Wochenende zurückgezahlt. Dann bis Allerheiligen 2011, dann bis Weihnachten 2011. "Irgendwann kam Ostern 2012." In unzähligen Gesprächen und Briefen warnte der Wirtschaftsprüfer vor Wolfgang S. Zitat: "Das ist meines Erachtens ein Kapitalanlagebetrüger." Als Beweis wurde ihm ein Schreiben von James Aramanda, Geschäftsführer der Bank Clearing House New York, vorgelegt.

Maier recherchierte auf eigene Faust: Er schrieb einen Brief an "Dear Mr. Aramanda" und legte das Schreiben bei: "Is it a fake?" Ist das hier eine Fälschung? Er bekam prompt Antwort aus New York: Clearing House unterhalte keine Geschäftsbeziehungen zu Wolfgang S. Ohnehin arbeite man nicht mit Privatkunden. All das legte der damalige Sulzbach-Rosenberger Wirtschaftsprüfer, inzwischen verzogen, dem Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth vor. Ohne Effekt: "Der sagte: Dann steht jetzt Wort gegen Wort." Am Ende wandte sich Maier mit seinem Material an das BKA.

Dem Unternehmer legte er resigniert den Film "Gier" von Regisseur Dieter Wedel ans Herz: "Der Geschehensablauf ist absolut identisch." Gedreht wurde dabei in Deutschland, Südafrika und Mallorca. Bei absurd hohen Renditeversprechen versage offenbar rationales Denken. Erst aus der Zeitung habe er erfahren, dass der Unternehmer trotz seiner Warnungen bis Ende 2012 weitere fünf Millionen Euro überwiesen habe. "Ich wäre nicht im Traum darauf gekommen, dass er weiter zahlt."

Es wird weiter gezahlt

Der geschädigte Unternehmer steht damit nicht allein. Der Glaube an die Millionen dauert bis heute an. Wie ein Zeuge aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach am Montag berichtete, habe er erst jetzt im März 2014 noch einmal 74 000 Euro an einen Amberger Finanzberater überwiesen. Dabei handelt sich um einen früheren Mittelsmann von Wolfgang S. Gegen den Finanzberater läuft ein paralleles Ermittlungsverfahren, das kurz vor der Anklageerhebung steht und auch in Weiden verhandelt wird.
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