Stadt Weiden startet auf verschiedenen Ebenen neue Baulandoffensive
Baugrund aus dem Hut zaubern

In nahezu allen "alten" Weidener Baugebieten (hier ein Blick über den Rehbühl) ließen sich auf den großen Grundstücken deutlich mehr Wohnfläche schaffen, wenn die Bebauungspläne angepasst werden. Bild: Ascherl

Die Vorbilder liegen in der Nachbarschaft: Die kleine Haberlandgemeinde Kirchendemenreuth oder auch Irchenrieth weisen neues Bauland aus. Sie stemmen die Investitionen. Und ziehen Bauwillige aufs Land. Weiden kann derzeit nur ein städtisches Wohnbau-Grundstück anbieten. In "bester Lage". Allerdings unverkäuflich: Es liegt unter der Hochspannungsleitung.

Freies Bauland? In Weiden ebenso selten wie in Schirmitz oder Bechtsrieth. Es rächt sich immer mehr, dass die Stadt den Schwerpunkt der Grundstücksbevorratung im Gewerbebereich (auch größtenteils abverkauft) setzte. Die Stadt wies zwar Wohnbaugebiete aus, beließ jedoch die Flächen in privater Hand. Und dort bleiben die Gründe. Kirchendemenreuth jedoch erwirbt die Flächen, überplant und erschließt sie, verkauft selbst an Bauwerber. Es bleiben keine Baulücken.

Der "Weidener Weg", seit jeher praktiziert, führte hingegen dazu, dass geschätzte 1000 Baulücken entstanden. In mühseliger Recherchearbeit klopfte das Bauamt die Eigentümer auf ihre Verkaufsbereitschaft ab. Ergebnis: Nur 40 würden ihre Flächen veräußern - wenn der Preis stimmt. Sowohl im Bau- und Planungsdezernat wie auch in der Stadtkämmerei wird inzwischen an Lösungen geknobelt, betonen Hansjörg Bohm und Stadtkämmerin Cornelia Taubmann, die heute im Stadtrat (auf CSU-Antrag zum Sozialen Wohnungsbau) ihren Bericht geben.

Die Kämmerin hofft darauf, dass mit steuerlichen Änderungen die Grundübel beseitigt werden: So sollen steuerliche Begünstigungen die Bereitschaft der Landwirte anheben, Flächen an Kommunen abzugeben. Eine höhere Steuer, so ein weiterer Vorschlag der Experten des Städtetages, soll den Druck auf die Besitzer von erschlossenen Baugrundstücken erhöhen, dass auch sie verkaufen.

Wichtige Schritte


Die Stadt habe mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP) - 2015 beschlossen und an das Büro Dragomir vergeben - einen wichtigen Schritt getan, erklärt Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm. Die Münchener hätten sich in Weiden schon zuvor mit der Betreuung des Bebauungsplans Stadtgalerie gut eingeführt. Der künftige FNP solle neue Gewerbe- und Wohnbaulandflächen "in erheblichem Umfang" ausweisen, insgesamt jeweils über 100 Hektar. "Freilich bedeutet eine FNP-Darstellung noch kein Baurecht. Schon gar nicht verpflichtet sie Grundstückseigentümer dazu, ihre Flächen für Baulandzwecke zur Verfügung zu stellen bzw. an Bauwillige zu veräußern", räumt Bohm ein. "Aber immerhin macht die FNP-Fortschreibung einen Anfang, stellt Weichen für die Stadtentwicklung."

Bebauungspläne öffnen


Großes Potenzial sieht Bohm in einer Bebauungsplan-Aufhebungsserie: Im Lerchenfeld, am Hammerweg, am Rehbühl, in den Krummen Äckern, beidseits der Vohenstraußer Straße, an der Konradshöhe, in Ullersricht, in Maria Waldrast, in Neunkirchen und in Rothenstadt verfüge die Stadt über große, aber uralte Wohngebiete. "Damals waren nur geringe bauliche Dichten gefragt. Das ist überholt. Das Baugesetzbuch formuliert als Leitgedanken die Nachverdichtung in Wohngebieten." Hier liege das größte Wohnbauflächenpotenzial überhaupt: "Anstelle eines eingeschossigen Wohnhauses mit steilem, nur teilweise ausgebautem Dach aus den 1950er-Jahren auf einem 1000-Quadratmeter-Grundstück könnte man heute ein zwei-, drei- oder gar viergeschossiges Mehrfamilienhaus bauen." Somit ließen sich auf derselben Wohnbaufläche mehr Menschen unterbringen. Die Stadt wüchse an Einwohnern, ohne mehr Wohnbaufläche zu verbrauchen.

Diese älteren Wohngebiete sind fast komplett mit ebenso alten und daher überholten Bebauungsplänen überzogen. Würden diese aufgehoben, so könnten Nachverdichtungs-Bauvorhaben planungsrechtlich viel flexibler bzw. überhaupt erst zugelassen werden. "Leider geht eine Bebauungsplan-Aufhebung nicht per Federstrich, sondern muss prinzipiell dasselbe langwierige und aufwendige Verfahren wie eine Neuaufstellung durchlaufen", bedauert Bohm. Dies erfordert in der Stadtplanung zumindest für einige Jahre eine entsprechende Personalkapazität, die derzeit nicht ansatzweise vorhanden ist.

Wohnbau in Naabwiesen und StockerhutIn einem Strategiemodul sei die "Nutzungsoptimierung" auf stadteigenen Grundstücken vorgesehen, erklärt Bohm: Potenziell "wohnbaulandfähige" Flächen besitzt die Stadt (bzw. die SGW Stadtbau) fast nur in den nördlichen Naabwiesen (Parkplatz, Parkdecks, ZOB, Neues Rathaus, Realschulen, zusammen fast 10 Hektar) sowie in der Stockenhut gegenüber der Europa-Berufsschule (SV-Gelände, rund 4 Hektar). Schlüsselprojekt ist die Generalsanierung der Realschulen.

Für diese ist eine Kombilösung gefunden, das heißt; Schwimm- und Turnhalle werden saniert, der Klassen- und Fachraumtrakt neu gebaut und der Sportplatz zum DJK-Vereinsgelände verlagert.

Allein schon diese Nutzungs-"Rochade" setze zwischen Neuem Rathaus und Realschul-Sporttrakt ein Wohnbauflächenpotenzial von gut 2 Hektar in bester Innenstadtlage frei. Während sich hierfür eher Geschosswohnungsbau empfiehlt, bietet sich die Stockerhut für weiteren Eigenheimbau an, wie es die SGW auf ihrer Fläche an der Königsberger Straße bereits äußerst erfolgreich praktizierte. (wd)


Offensive im Sozialen WohnungsbauDer Freistaat legte jüngst - sicher auch im Hinblick auf die akute, flüchtlingsbedingte Wohnraumverknappung - den "Wohnungspakt Bayern", ein Programm für Sozialen Wohnungsbau auf, spiegelt insoweit gleichgerichtete Initiativen des Bundes, erläutert Bau- und Planungsdezernent Bohm.

Diese bayerische "Wohnbauoffensive" hat drei Säulen: Erstens will sich der Freistaat selbst im Sozialen Wohnungsbau engagieren. Zweitens gewährt er ein Förderprogramm für private Wohnungsbauunternehmen, insbesondere für Baugenossenschaften, die bekanntlich im Bereich der Sozialen Wohnraumschaffung traditionell unterwegs sind. Drittens fördert er "hochprozentig" (bis zu 90 Prozent Zuschüsse bzw. Darlehen) Kommunen, damit auch diese in den Sozialen Wohnungsbau investieren.

Besonders interessant ist bei der an die Kommune gerichteten Säule, dass es für die Baulandbeschaffung besonders hohe Zuschussquoten geben soll. Damit würde etwa die Stadt Weiden in die Lage versetzt, ihr Wohnbauflächen-Portfolio zumindest etwas aufzubessern. (wd)
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