Stadt will vom Turnerbund Ablöse für das Vorkaufsrecht
Die Zeit treibt den Preis

Stadtkämmerin und Oberbürgermeister sind zuversichtlich. Sie wollen nicht nur dem Turnerbund beim Verkauf der Sportflächen helfen, indem sie alte Auflagen löschen lassen, sondern auch die Stadt durch ein gefordertes "Aufgeld" am Geschäft beteiligen. Bild: Wieder

Der Ton bleibt verbindlich. "Wir wollen dem Turnerbund helfen." Dennoch können OB Kurt Seggewiß und Stadtkämmerin Cornelia Taubmann ihre Enttäuschung kaum verhehlen. TB-Vorsitzender Bernhard Schlicht ließ den Gesprächstermin platzen. Dabei geht es um ein Millionen-Geschäft.

Der Punkt Turnerbund fehlte am Montag auf der Tagesordnung des Stadtrats. Aus persönlichen Gründen konnte Schlicht nicht ins Rathaus kommen. Damit verstrich die Möglichkeit, die gegensätzlichen Positionen zu klären und zu verhandeln. Der Turnerbund braucht dringend Geld, um die Altschulden der Tennisabteilung zu bedienen, für die der Hauptverein geradestehen muss. Seit zwei Jahren laufen die Bemühungen, einen Teil des TB-Geländes zu verkaufen und bebauen zu lassen. Ein Investor ist gefunden. Der Notar drängt, denn alte Verträge zwischen Stadt und Verein werfen Fragen auf.

Relativ einfach zu lösen wäre, so meint Stadtkämmerin Cornelia Taubmann, das Bau- und Düngeverbot, das auf dem Fußballplatz liege. Als die Stadt im Jahr 1912 die Flächen dem Turnerbund überließ, zogen dort die Stadtwerke ihr Wasser. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Für etwa 10 000 Euro an die Stadt könne der Verein diese Auflagen löschen lassen.

Stadt erwartet "Aufgeld"


Gravierender ist nach Ansicht der Stadt jedoch die "dingliche Sicherung" des Vorkaufsrechtes, das nur den Bereich zwischen Glötznerstüberl und Hammerweg sowie die Tennis-Flächen am Turnerweg ausnehme. Damit umfasst das Vorkaufsrecht der Stadt rund 33 000 Quadratmeter. Die Flächen hatte die Stadt 1912 bzw. 1961 dem TB (als Ausgleich für die für den Verein nicht mehr nutzbare Jahn-Turnhalle) nur für den sportlichen Betrieb überlassen. Wenn nun aus den Sportflächen Bauland wird, erwartet die Stadt ein "Aufgeld". Damit solle das Vorkaufsrecht abgegolten werden. Der Anspruch begründe sich darin, dass über das der Kommune gesetzlich zustehende Vorkaufsrecht hinaus die "extra dingliche Sicherung" vereinbart wurde.

Bis zu 50 Prozent Ablöse


Die Stadt habe durchaus konkrete Vorstellungen. Kostet laut Bodenrichtwertekarte ein Quadratmeter Sportfläche 25 Euro, liege er beim Bauland am Vorderen Hammerweg bei etwa 200 Euro. Dieser Preis setze die Planreife voraus, die noch nicht gegeben sei. Ihr komme man jedoch täglich näher, so dass die Zeit den Preis treibe. Verkaufe der Turnerbund in nächster Zukunft, sehe die Stadt ihren Anteil als Ablöse für ihr Vorkaufsrecht bei 30 bis 50 Prozent des Verkaufspreises. Auch bei allen weiteren Verkäufen (etwa vom Bauträger an Eigentumswohnungsbesitzer) sei die Stadt mit dieser "Range" beteiligt, so Seggewiß. Ist der Bebauungsplan beim Grundstücksverkauf rechtskräftig, könnten es 70 Prozent sein, meint Taubmann.

Für TB-Vorsitzenden (und Rechtsanwalt) Bernhard Schlicht entbehren die "angeblichen Aufgeld-Ansprüche der Stadt jeglicher Grundlage". "Wenn die Stadt ihr Vorkaufsrecht ziehen will, dann soll sie die Flächen selber kaufen. Uns ist es doch relativ egal, ob die Stadt oder ein Investor zum Zuge kommt", sagt er. Es sei zudem ungewöhnlich, ehrenamtlich Tätigen, die ihrem Beruf nachgingen und daher zeitlich gebunden seien, kurzfristig Termine zu setzen.
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