Standortumfrage der IHK für die Nordoberpfalz offenbart Potenzial
Mitarbeiter als Standortvorteil

Laut der IHK-Umfrage nutzt nur eine Minderheit der Unternehmen die Dienste der bei der Stadt Weiden sowie bei den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth angesiedelten Wirtschaftsförderung.

Die "Grundstimmung" in der heimischen Wirtschaft hat sich seit 2010 erheblich verbessert. Die Standortumfrage 2015 der IHK für die Nordoberpfalz offenbart aber auch Potenzial für Nachbesserungen.

Vohenstrauß. Unter den 48 Faktoren schnitt die "Dauer von Genehmigungsverfahren" am zweitschlechtesten ab: Dieses bürokratische Prozedere, das letztlich über den Erfolg vieler Ansiedlungen entscheidet, erhielt auf der fünfstufigen Skala nur die mäßige Note 2,72. Dem Vernehmen nach bewerteten hier die Unternehmer die Stadt Weiden "so schlecht", dass dadurch die Gesamtnote für die ganze Nordoberpfalz in den Keller rauschte. Diplomatisch kündigen der neue IHK-Gremiumsvorsitzende Bernd Fürbringer und Geschäftsführer Florian Rieder einen "konstruktiven Dialog" mit der Kommune an, um die Dauer der Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

In der Umfrage schlägt der Fachkräftemangel voll durch: So bekam die "Verfügbarkeit technischer Fachkräfte" unter den 48 Kriterien mit 2,75 die schlechteste Note. Recht bescheiden beurteilen die Betroffenen auch Unternehmensfreundlichkeit der Verwaltung (2,54), den Strompreis (2,60), die Wirtschaftsförderung von Stadt und Landkreisen (2,64), die Anbindung an das überregionale Luftnetz (2,66), die Schiene (2,67), den ÖPNV (2,68) sowie die ÖPNV-Taktzeiten (2,72). Nicht besonders gut kommt zudem das "Leistungsvermögen Auszubildender" (2,60) weg.

Hohe Lebensqualität


Diplom-Volkswirtin Sibylle Aumer erläuterte die Ergebnisse bei der Sitzung des IHK-Gremiums in Vohenstrauß (wir berichteten). Sie sprach von einem insgesamt positiven Stimmungsbild. So nähern sich die "Bauchnote" (subjektive Gesamtwertung des Standorts) mit 2,52 und die "Kopfnote" (objektive Einstufung aller 48 Standortfaktoren) mit 2,44 zunehmend an.

An erster Stelle stehen "Loyalität und Motivation der Mitarbeiter" mit der Bestnote von 1,86, gefolgt von Umwelt- und Lebensqualität (1,89), der überregionalen Verkehrsanbindung auf der Straße (1,98), der Energie-Versorgungssicherheit (1,99) sowie Erreichbarkeit des Unternehmens für Mitarbeiter und Kunden auf der Straße (2,01). Diese Punkte gelten als klare Standortvorteile der Region. Fürbringer lobte ausdrücklich die Arbeitsdisziplin der Oberpfälzer Beschäftigten und das hohe Maß an Lebensqualität.

Im Fazit der Befragung punktet außerdem bei den Unternehmen die regionale Hochschule OTH. Nur ein Fünftel (21,8 Prozent) stuft die Standortentwicklung in den vergangenen 5 Jahren als (teilweise) negativ ein. Dagegen betrachten 41,4 Prozent ihren Standort als (teilweise) positiv. 86,8 Prozent der Unternehmen messen der Bildungsregion nördliche Oberpfalz eine enorm hohe Bedeutung bei; 83,6 Prozent halten die "Standort-Attraktivität für Fachkräfte von außen" sehr wichtig. Besonders erfreulich: 35 Prozent der Unternehmen planen mittelfristig eine Erweiterung, nur 2 Prozent eine Verkleinerung, und 13 Prozent denken sogar über zusätzliche Standorte nach.

StandortumfrageAlle fünf Jahre ermittelt die IHK bei den Mitgliedsunternehmen die Standort-Zufriedenheit. An der Umfrage im Frühjahr 2015 in Weiden sowie den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth beteiligten sich 189 Betriebe. Die im Handelsregister eingetragenen Unternehmen bewerteten 48 Faktoren in 6 Kategorien: Standortkosten, Infrastruktur, Arbeitsmarkt und Qualifizierungsangebot, Standort-Attraktivität, Standort-Image/Standort-Klima sowie Innovation und Hochschule. (cf)
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