Stromversorger Eon in Weiden: Streit über korrigierte Jahresabrechnungen mit Elisabeth Sieber
Im Krieg mit dem Stromriesen

Elisabeth Sieber heizt mit Nachtspeicheröfen und zahlt daher hohe Abschläge von 155 Euro an Eon. Diese hat sie auch immer entrichtet - und muss trotzdem fürchten, plötzlich im Kalten zu sitzen. Bild: Bernhard Kreuzer

Elisabeth Sieber geht die Sache inzwischen richtig an die Nieren. Seit einem Jahr streitet sie mit Eon über eine "korrigierte Jahresrechnung für 2010 bis 2013". Ihre Abschläge hat sie weiter brav bezahlt. Die Eon stand trotzdem am Mittwoch, 15. Oktober, an der Tür ihrer Mietwohnung in Kemnath, um den Strom zu sperren.

Anwalt Christoph Scharf aus der Kanzlei Dr. Burkhard Schulze ist darüber richtig aufgebracht: Exakt zwei Tage davor hatte er eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts Tirschenreuth erwirkt. Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß hatte unterzeichnet, dass Elisabeth Sieber der Strom eben nicht gesperrt werden darf. Sie habe ihre Forderungen "form- und fristgerecht sowie schlüssig beanstandet". Ehe der Fall nicht geklärt ist, muss die Grundversorgung gewährleistet sein. Das Verfahren bei der Schlichtungsstelle Energie in Berlin läuft noch.

Denn: Die "korrigierte Jahresrechnung" ist tatsächlich etwas merkwürdig. Ende 2013 hatte Elisabeth Sieber wie üblich die jährige Abrechnung bekommen. 139 Euro - das ging in Ordnung. Im Dezember flatterte plötzlich eine Korrektur ins Haus: Ihr Zähler sei defekt. Der Stromverbrauch sei zwar insgesamt richtig erfasst. Aber nicht korrekt auf Hoch- und Niedertarif verteilt. Das habe man rechnerisch nachgeholt und komme auf 1290 Euro Nachzahlung.

Anwalt Scharf stört sich an zwei Dingen: Zum einen könne nicht bis 2010 zurückgerechnet und dabei der teuerste Tarif aus 2013 zugrundegelegt werden. Zum zweiten könne seine Mandantin nicht für einen Fehler des Netzbetreibers verantwortlich gemacht werden. Ihre Abschläge von 155 Euro (sie heizt mit Nachtspeicheröfen) hat Elisabeth Siber die ganze Zeit weiterbezahlt.

Inzwischen hat Eon die korrigierte Rechnung schon nach unten korrigiert. Im Mai 2014 legte sie für jedes Jahr separate Rechnungen vor (843 Euro). Im September waren es noch 693 Euro. Nachvollziehbar sind beide Summen nicht. Die Schlichtungsstelle wartet noch auf eine Erklärung der Eon. Und trotzdem bekam Elisabeth Sieber am 6. Oktober den Brief, dass ihr am 15. Oktober der "Saft" abgedreht wird, wenn sie nicht sofort zahle. Für Anwalt Scharf ist das "Nötigung, wenn nicht Erpressung".

Er erwirkte die einstweilige Verfügung beim Amtsgericht. Das Papier faxte er am Dienstag ("Eilt! Eilt") an Eon und ließ es parallel per Gerichtsvollzieher zustellen. Dass der Stromriese trotzdem am Mittwochnachmittag einen Mitarbeiter zum Absperren schickte, ist für Scharf "Rechtsmissachtung". "Dafür haben wir einen Rechtsstaat. Daran muss sich auch eine Eon halten." Elisabeth Sieber hat übrigens noch Strom. Sie war am 15. Oktober nicht daheim.
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