Tod der "Tante-Emma-Läden"

In Utzenhofen (Kreis Amberg-Sulzbach) steht Bayerns ältester Dorfladen. Archivbild: Steinbacher

Immer mehr Supermärkte an den Ortsrändern, immer weniger kleine Geschäfte in den Dörfern: Das Aussterben der "Tante-Emma-Läden" geht unvermindert weiter. Aber diese Entwicklung soll gestoppt werden.

In der Oberpfalz gibt es immer weniger "Tante-Emma-Läden" mit unter 400 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ihre Zahl hat sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre fast halbiert. Noch stärker war der Rückgang nur in Oberfranken. Das geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen Markus Ganserer hervor. Gab es in der Oberpfalz 2005 noch 251 kleine Kramerläden zur Sicherstellung der örtlichen Nahversorgung, waren es im vergangenen Jahr nur noch 123. Deren Gesamtverkaufsfläche sank dabei um 40 Prozent.

Keine Chancen mehr haben kleine Geschäfte in den Städten. In Weiden mussten drei von vier Kleinhändler aufgeben, in Amberg drei von fünf. Aber auch in den Landkreisen sind die Rückgänge zum Teil drastisch. Im Landkreis Neustadt/WN sank die Zahl der "Tante-Emma-Läden" von 33 auf 15 (minus 55 Prozent), im Landkreis Tirschenreuth von 37 auf 18 (minus 51 Prozent) und im Landkreis Schwandorf von 35 auf 18 (minus 48,5 Prozent). Im Landkreis Amberg-Sulzbach schlossen 9 der 22 Läden (minus 41 Prozent).

Weiden liegt vorne

Im Gegenzug nahm die Zahl der oft auf der grünen Wiese am Ortsrand platzierten Supermärkte von 342 auf 353 zu. 19 Neueröffnungen standen 8 Schließungen gegenüber, allein 5 davon im Landkreis Neustadt/WN. Die Gesamtverkaufsfläche der Supermärkte vergrößerte sich durch Neueröffnungen und Erweiterungen bestehender Läden um 15 Prozent auf fast 400 000 Quadratmeter. Überdurchschnittliches Flächenwachstum gab es unter anderem in der Stadt Weiden (plus 21 Porzent) und in der Region Amberg (plus 17 Prozent). In den Landkreisen Schwandorf (plus 8 Prozent) und Neustadt/WN (plus 3 Prozent) kamen dagegen kaum Flächen dazu.

Ganserer forderte vor dem Hintergrund der Zahlen ein Umsteuern in der Landesentwicklung. "Der anhaltende Strukturwandel im Einzelhandel gefährdet die fußläufige Nahversorgung im ländlichen Raum", warnte er. Konsequenz sei zudem, dass Dorfkerne verödeten, während an den Ortsränder der Flächenfraß für immer neue Gewerbegebiete das Landschaftsbild verschandele. Neben dem eindeutigen Vorrang für die innerörtliche Entwicklung sprach sich Ganserer für eine bessere Förderung genossenschaftlicher Dorfläden oder "rollender Supermärkte" aus.

Rund 150 Dorfläden

Nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium gibt es bayernweit derzeit rund 150 von Bürgergemeinschaften betriebene Dorfläden. Zu den Schwerpunkten gehörten Ober- und Unterfranken. Eine Förderung erfolge über die Programme zur Dorferneuerung des Freistaats sowie über das Leader-Programm der EU. Seit 2011 seien dafür rund zwei Millionen Euro ausgegeben worden.

Inwieweit sich für die Bürger durch den Schwund an Kramerläden die Wege zum Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs vergrößert haben, vermochte das Ministerium nicht zu beantworten. Dazu lägen keine Daten vor, hieß es. Zum Erreichen der Supermärkte am Ortsrand verwies das Ministerium nicht motorisierte Bürger auf den Fußweg, das Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr.

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