Tschechische Besucher bringen viel Umsatz

Dr. Matthias Segerer erläutert die Details der Studie über tschechische Kunden. Bild: sbü

Weidens Einzelhandel profitiert von Besuchern aus Tschechien. Wie sehr, zeigen die neuesten Zahlen. Besonders interessiert sind Tschechen an Textilien.

"Tschechische Kunden - Chancen für Handel und Tourismus." So nennt die IHK Regensburg ihre neueste Studie über das Einkaufsverhalten tschechischer Kunden in der Oberpfalz. In einer repräsentativen Stichprobe wurden mehr als 500 Haushalte im tschechischen Grenzraum befragt. Fast jeder zweite Befragte gab an, mindestens einmal im Jahr nach Bayern zum Einkaufen oder zur Freizeit zu fahren. "Das dürften pro Jahr überschlägig 30 000 Kunden sein", sagt Dr. Michael Segerer, Referent für Handel und Stadtentwicklung der IHK Regensburg.

Vor Tirschenreuth, hinter Cham

Aus den Besuchen der tschechischen Nachbarn ergibt sich für Weiden ein zusätzlicher jährlicher Einzelhandelsumsatz von 13,2 Millionen Euro. Weiden liegt damit an zweiter Stelle aller Oberpfälzer Gebietskörperschaften, allerdings mit großem Abstand hinter dem Landkreis Cham. Dort profitiert der Einzelhandel von gut 52 Umsatzmillionen tschechischer Kunden. Knapp hinter Weiden steht der Landkreis Tirschenreuth mit 11,5 Millionen Euro.

So viel geben Tschechen aus

Tschechische Besucher kaufen jedoch nicht nur ein. Sie nutzen auch Freizeiteinrichtungen und Gastronomie. Die in der Befragung dafür angegebenen zusätzlichen Ausgabensummen liegen im Einzelfall zwischen 25 und 89 Euro je Besucher und, wie im Wortlaut der Studie ausgeführt wird, "deutlich unter den Ausgaben im Einzelhandel".

Besonders gefragt: Mode

Lebensmittel, Drogerie- und Parfümeriewaren und Bekleidung stehen an oberster Stelle der insgesamt in Bayern gekauften Produkte. Weiden ist laut Untersuchung führend als Einkaufsstadt in den Bereichen Textilien und Schuhe.

Kombiniert mit Freizeitaktivität

Knapp zwei Drittel der tschechischen Besucher in Weiden verbinden ihren Einkauf mit Freizeitaktivitäten. Nur wenige kommen in die Max-Reger-Stadt ausschließlich "nur zur Freizeit oder nur zum Einkaufen".

Meist aus Pilsen und Prag

Gefragt wurde auch, woher die Besucher anreisen. Und da stellt die Studie zur Stadt Weiden fest: " Das Oberzentrum Weiden hat einen überregionalen Schwerpunkt beim Einzugsgebiet. Die tschechischen Besucher kommen insbesondere aus den Bezirken Pilsen, aber auch aus der Hauptstadt Prag." Hier profitiert Weiden vom guten Verkehrsanschluss in Richtung Tschechien über die Autobahnen 93 und 6 auf deutscher beziehungsweise die A 5 auf tschechischer Seite zu Gute.

Top-Noten für Angebot

56 Prozent der Befragten bewerten das Einzelhandelsangebot in Weiden als "sehr gut", 34 Prozent als "gut". Für Segerer können aus der Studie vor allem Rückschlüsse auf Marketing und Kommunikation des Einzelhandels gezogen werden.

Klientel zwischen 30 und 44

So zum Beispiel aus der Übersicht, wer kommt und wer nicht kommt. "Es sind vorrangig die 30- bis 44-Jährigen aus Haushalten mit mehr als drei Personen und einem Einkommen über 1470 Euro." Gründe, nicht zu kommen, sind laut Studie vorrangig "Entfernung, Sprache oder gleiches Angebot in Tschechien".

Der Tipp: alles zweisprachig

Für den Einzelhandel zieht Segerer folgenden Schluss: "Es gilt, Zugangsbarrieren abzubauen." Qualität, Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Einmaligkeit des Einkaufs- und Freizeitangebotes gegenüber dem tschechischen Angebot müssten noch besser kommuniziert werden. Zur Umsetzung dieser Forderung macht die Studie zahlreiche Vorschläge: darunter eine zweisprachige Beschilderung in Läden und Gastronomie und die Schulung der Sprachkompetenz der Mitarbeiter.

Die Studie rät zur Akzeptanz tschechischer Kreditkarten und der tschechischen Krone. Grenzgänger sollten als Multiplikatoren genutzt, Online-Plattformen und Social Media eingesetzt und die Zusammenarbeit mit tschechischen Reiseveranstalter verbessert werden.

Alle Vorschläge: www.standortportal.bayern/de/Anhaenge/tschechische-kunden-in-der-oberpfalz.pdf

Grenzenloses Potenzial
Angemerkt von Siegfried Bühner

Da haben wir es also Schwarz auf Weiß: Der Weidener Einzelhandel profitiert enorm von den Kunden aus Tschechien. Da ist zunächst das Umsatzvolumen, das sich nicht nur auf den Lebensmittelbereich, sondern vorrangig auf Textil, Bekleidung und Schuhe bezieht. Zukünftige Mieter im neuen Einkaufszentrum „noc“ dürften aufhorchen.

Besonders erfreulich für Weiden: Als Einkaufs-Oberzentrum wird es wahrgenommen, die tschechischen Kunden kommen bereits bis aus Pilsen oder Prag. Große Kundenpotenziale, die künftig noch stärker umworben werden könnten. Zum Beispiel mit der zweisprachigen Beschilderung, welche die Studie vorschlägt. Was die Sprache anbetrifft, werden viele auch beim Verkaufspersonal noch über ihren Schatten springen müssen. Aber es wird sich lohnen. Gleichgültig, ob es immer stimmt oder nicht: Viele tschechische Kunden glauben, hier die bessere Qualität zu finden.
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1 Kommentar
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Berthold Gutermuth aus Weiden in der Oberpfalz | 01.12.2016 | 13:23  
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