Umstellung auf IBAN
Geldhäuser unter Kostendruck

Bei Fragen und Unsicherheiten zur IBAN helfen freundliche Mitarbeiter - wie hier Sabrina Seidl bei der Volks- und Raiffeisenbank Amberg - den Kunden beim Ausfüllen der Überweisungsträger. Bilder: wsb (2)
   
Rückbau der Sparkassenfiliale Freihung: Der Geldautomat wird demontiert.

22 Stellen umfasst die neue internationale Kontonummer IBAN. Seit 1. Februar gilt sie verbindlich auch für die Privatkunden. Alle Überweisungen und Lastschriften müssen die Zahlenkolonne tragen, um sicher ins Ziel geleitet zu werden. Die Geldinstitute in der Region erwarten trotz dieser Menge an Ziffern keine Probleme.

Weiden/Amberg. So kam es bei der Raiffeisenbank Weiden bis zum frühen Nachmittag zu keiner einzigen Komplikation. "Wir haben die Kunden von Anfang an mitgenommen", betont Vorstandssprecher Hermann Ott. Zudem gebe es auf der Raiffeisenbank-Homepage einen IBAN-Rechner. Auch Dieter Meier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Amberg-Sulzbach, verweist auf den langen Vorlauf und ist guten Mutes, "dass IBAN jetzt funktioniert". Ähnlich äußern sich die Direktoren Ludwig Zitzmann von der Sparkasse Oberpfalz Nord und Rudolf Winter von der Volksbank Nordoberpfalz.

IBAN läuft also. Weit mehr beschäftigen Digitalisierung, extreme Niedrigstzinsen sowie bürokratische Auflagen durch EZB und Bankenaufsicht Bafin die Geldhäuser. Was tun? Alle von NT/AZ befragten Geldinstitute bauen das Online-Tagesgeschäft (Automatisierung des Zahlungsverkehrs) dynamisch aus. Annähernd die Hälfte der Girokonten wird inzwischen online geführt. "Wir steuern hier rasch auf die 50 Prozent zu", sagt Dieter Meier. Bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach steigen vor allem Überweisungen per Smartphone rasant. Bei der Sparkasse Oberpfalz Nord sind bereits 80 Prozent der Firmenkunden online. Die Digitalisierung senkt die Kosten. "Zu erheblichen finanziellen Belastungen führt die überbordende Regulatorik", stellt Rudolf Winter fest. Die Bürokratie binde besonders qualifiziertes Personal. Auch die Omnipräsenz der regionalen Banken in der Fläche belastet das Betriebsergebnis. "Was der Kunde nicht mehr nachfragt, können wir nicht mehr vorhalten", meint Meier zu den Filialschließungen der Sparkasse Amberg-Sulzbach. Leider werde in der Diskussion darüber der Mehrwert für die Kunden vergessen, etwa der 24-Stunden-Service für Überweisungen per Telefon.

Hermann Ott rechnet vor, dass mittlerweile auf eine persönliche Begegnung in der Filiale 500 digitale Kontakte kommen. "Bei aller Digitalisierung bleibt die persönliche Beratung unser Kerngeschäft", unterstreicht Ludwig Zitzmann.

"Reale Bepreisung"


Angesichts der stark gefallenen Zinsspanne - Haupteinnahmequelle - drehen nicht wenige Banken und Sparkassen an der Gebührenschraube. So gehört das kostenlose Girokonto weitgehend der Vergangenheit an. "Wir haben die Girokonten bisher quer subventioniert. Durch die von der EZB gewollten Niedrigstzinsen ist dies nicht mehr machbar", sagt Ludwig Zitzmann von der Sparkasse Oberpfalz. Deshalb schlug sich "die reale Bepreisung einer Dienstleistung" im Spätherbst 2015 in einer Gebührenerhöhung nieder.

Falls Regelungen aus "guten Tagen" (wie 1500 Euro Durchschnittsguthaben) nicht mehr Bestandsschutz haben, kostet inzwischen die Führung eines Basis-Girokontos Geld. So verlangt die HypoVereinsbank monatlich 5,90 Euro, die Sparkasse Oberpfalz Nord für ihr Bürgerkonto 4,25 Euro, die Sparkasse Amberg-Sulzbach 3 Euro, die Volksbank Nordoberpfalz für "Giro Standard" 3 Euro, die Volks- und Raiffeisenbank Amberg für "Giro classic" einen Grundpreis von 2,95 Euro im Monat, die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg 3,75 Euro.

Bareinzahlung kostet


Im Zeitalter der Digitalisierung werden selbst Bareinzahlungen kostenpflichtig. So berechnet die RB Sulzbach-Rosenberg für diesen Vorgang ("zugunsten Dritter bei Konten bei uns") 3 Euro, die VR Amberg 4 Euro ("für Konten bei uns") und auf Konten bei anderen Kreditinstituten happige 10 Euro. Bei der Volksbank Nordoberpfalz sind Bareinzahlungen auf Konten von Kunden zwar kostenfrei, die weiteren Fälle (z. B. auf Konten von Nichtkunden) schlagen mit jeweils 10 Euro zu Buche. Bei der Sparkasse Oberpfalz Nord werden für die "Bareinzahlung eigener Kunden zugunsten Dritter" 5 Euro berechnet.

Einrichten und Ändern von Daueraufträgen kostet bei der RB Sulzbach-Rosenberg 1,50 Euro, bei der VR Amberg 3 Euro (Giro classic), bei der Sparkasse Schwandorf 1 Euro (Giro Individual). Für einen Überweisungsauftrag am SB-Terminal (Basispaket) fordert die Sparkasse Oberpfalz Nord 0,50 Cent, die Sparkasse Schwandorf 0,10 Euro (Giro Individual). Die Sparkasse Amberg-Sulzbach kassiert für den "Ausfüllservice" 2 Euro, die Volksbank Nordoberpfalz lässt sich das Erstellen einer Überweisung mit 1 Euro bezahlen, die Sparkasse Schwandorf fordert für die "manuelle" Überweisung 1,50 Euro.

16,75 Prozent Sollzinsen


Trotz Null-Zinsen auf Spareinlagen (0,01 Prozent bei dreimonatiger Kündigung) langen die Geldhäuser bei den Dispo-Krediten zu. So fordert die Sparkasse Oberpfalz Nord bei Überziehung des laufenden Kontos 11,46 Prozent Soll-Zinsen, die Sparkasse Amberg-Sulzbach 11,54 Prozent, die Volks- und Raiffeisenbank Amberg 11 Prozent, die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg 11 Prozent und die Commerzbank 10,75 Prozent. Bei "geduldeten Überziehungen" des Giro-Kontos werden in der Spitze 16,75 Prozent fällig. Den Konditionen der meist unübersichtlich gestalteten "Preisaushänge" liegt der 1. Januar 2016 zugrunde.


Filial-Schließungen und Fusionen

Amberg/Weiden. (cf) Online-Banking, niedrige Zinsen und Regulierung setzen die Betriebsergebnisse der Geldinstitute unter Druck. Sie reagieren mit zum Teil harten Einschnitten. So schrumpfte die Zahl der Geschäftsstellen der Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß seit 2009 - um knapp die Hälfte - von 40 auf 21 zum 1. April dieses Jahres. 7 Filialen schließen aktuell in Neustadt am Kulm, Schlammersdorf, Parkstein, Schirmitz, Waldthurn, Tännesberg und Flossenbürg. Bereits 2007 machte die Sparkasse Neustadt 12 ihrer Kleinstfilialen dicht.

Während sich die "Neuordnung der Geschäftsstellen-Struktur" der Sparkasse im Landkreis Neustadt weitgehend ohne laute Proteste vollzieht, hagelte es im Landkreis Amberg-Sulzbach heftigen Widerspruch der betroffenen Gemeinde-Oberhäupter. Die Sparkasse Amberg-Sulzbach schließt bis Ende März 4 ihrer 24 Filialen in Witzlhof, Edelsfeld, Freudenberg und Freihung.

Einen anderen Weg gehen die genossenschaftlichen Banken. Filialschließungen sind weder bei der Volksbank Nordoberpfalz noch bei der Raiffeisenbank Weiden derzeit ein Thema. Die beiden Banken versuchten sich in Fusionen: Die Volksbank wollte mit der Volks- und Raiffeisenbank Amberg zusammengehen, die Raiffeisenbank Weiden mit der Raiffeisenbank im Naabtal. Beide Vorhaben scheiterten. Dem Vernehmen nach ist das Thema aber beileibe nicht abgehakt. Die Beteiligten zeigen sich für Verschmelzungen grundsätzlich "offen und aufgeschlossen". Diskretion ist allerdings oberstes Gebot.

Einen eigene Strategie verfolgt die Sparkasse Oberpfalz Nord. Statt Filialen zu schließen, kommt es zu einer "Straffung der Mitarbeiter-orientierten Service-Zeiten". Dies bestätigte Vorstandsvorsitzender Ludwig Zitzmann: "Es wird sicher keinen Rückzug aus den Orten in der Fläche geben, wir gehen hier einen eigenen Weg."


Stichwort IBAN

Schutz vor Zahlendrehern
Weiden/Amberg. (dpa) Kontonummer und Bankleitzahl in traditioneller Form haben ausgedient. Die verpflichtende IBAN ("International Bank Account Number") umfasst für eine Bankverbindung in Deutschland 22 Stellen. Sie beginnt mit der Länderkennung "DE". Es folgt eine individuelle zweistellige Prüfziffer, die vor Zahlendrehern schützt. Danach folgen die bisherige Bankleitzahl und abschließend die bisherige Kontonummer. Hat die Kontonummer weniger als zehn Ziffern, werden die fehlenden Zahlen zwischen Bankleitzahl und Kontonummer mit Nullen aufgefüllt, um insgesamt auf die 22 Stellen zu kommen.
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