Unternehmen Kuka gewährt interessante Einblicke
„Intelligente“ Geh-Automaten für Rollstuhlfahrer

Dr.-Ing. Andreas Keibel (rechts) von der Kuka Roboter GmbH gab einen selten zu hörenden Einblick in die Welt der Entwicklung der Robotermedizin. Eingeladen hatte den Experten Professor Dr. med. Clemens Bulitta, Leiter des Instituts für Medizintechnik an der OTH Amberg-Weiden. Bild: Bühner

Die Beteiligung des chinesischen Konzerns an seinem Unternehmen war nur am Rande ein Thema. Kuka selbst allerdings schon, vor allem das rasante Wachstum innerhalb von einem Jahrzehnt auf jetzt 12 000 Mitarbeiter. Hauptthema des Vortrags von Dr. Ing. Andreas Keibel von der Kuka Roboter GmbH in der OTH in Weiden war der Einsatz von Robotern in der Medizin.

Zum Vortrag hatte OTH-Professor Dr. Clemens Bulitta eingeladen. Die Veranstaltung gehörte zur OTH-Reihe "Ringvorlesungen". Gleich zu Beginn zeigte Dr. Keibel anhand von Beispielen verschiedenster Hersteller, wo bereits heute Robotereinsatz in der Medizin erfolgt. Ganz oben in seiner Aufzählung stand das "Da-Vinci-Operationssystem", das als "Roboter-assistiertes" System beschrieben wird. Noch steuert hierbei der Chirurg das Operationsgeschehen.

Als Beispiel für Robotertechnik seines eigenen Unternehmens zeigte Dr. Keibel den Strahlentherapie-Roboter, der "als Röntgenkanone gegen einen Tumor" eingesetzt werden kann. Ein anderes Beispiel aus dem Unternehmensbereich Kuka war der zusammen mit Siemens entwickelte Angiografie-Roboter, der ein "c-förmiges Röntgengerät selbstständig und flexibel um den Patienten positioniert". Robotertechnik kommt bereits heute laut Dr. Keibel auch in "Rehabilitations- und Pflegesystemen" zum Einsatz.

Roboter ersetzt Pferd


Gezeigt wurde mit Bildern das Bewegungstraining für Arme oder Finger mit einem Roboter als Partner. Auch die "Hippo-Therapie" war zu sehen, bei der ein Roboter das lebende Pferd ersetzen kann. Wie ein Roboter der Schweizer Firma AOT einen Kieferknochen schneidet, zeigte ein Film. Dieser kann im Gegensatz zum Chirurgen einen "Puzzle-Schnitt" vornehmen, bei dem der Heilungsprozess sehr schnell verläuft.

Dr. Keibel zeigte auch einen bereits existierenden "Gang-Reha-Automaten" und prognostizierte, dass die Entwicklung von sogenannten Exoskeletten dazu führt, "dass in zehn Jahren Rollstuhlfahrer mit intelligenten Geh-Automaten unterwegs sind".

Mit dem Blick in die Zukunft wies der Referent aber auch die derzeit noch bestehenden Grenzen des Einsatzes der Robotertechnik in der Medizin auf. Was beim Industrieroboter in "zigtausendfachem" Umfang in der vollautomatischen Produktion sich längst bewährt habe, könne nicht ohne weiteres auf die Medizin übertragen werden, stellte Dr. Keibel fest.

Hersteller-Verantwortung


"In der Medizin ist alles viel schwieriger", sagte er und begründete es mit langen Zulassungsverfahren, einer geltenden Hersteller-Verantwortung und dem hohen Preisniveau. "Die Kliniken brauchen ein System, um das Personal zu entlasten. Aber das System darf nicht 500 000, sondern nur 5000 Euro kosten", so Keibel.

Während in der Industrie Standardisierung gefragt sei, bräuchten medizinische Roboter "lernende Systeme" für individuelle Patientenlösungen. Noch seien die Roboter auch "blind und taub". Aber "Roboter wackeln nicht, können Zielpunkte exakt anfahren und kennen keine unbequeme Haltung oder Beschwerden. Mechatronisch sei man sehr weit, aber die Systeme müssten intelligenter werden und noch mehr von sich und der Umwelt wissen. Dr. Keibel verriet auch, dass Kuka "am OP der Zukunft" mit vernetzten intelligenten Teilbereichen arbeitet. "Doch beim Robotergehirn stehen wir noch am Anfang."
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