Unternehmen müssen mehr zahlen, wenn sie zu wenig Schwerbehinderte beschäftigen
Mit Menschen mit schwerer Behinderung ganz leicht zum Erfolg

In fast allen Abteilungen des Fachzentrums Knorr gibt es schwerbehinderte Mitarbeiter, betonen (von links) Geschäftsführer Günther Kötteritzsch, Prokurist Günter Bauer, Schwerbehindertenvermittlerin Regina Ram und Teamleiter Klaus Gredinger (beide Arbeitsagentur Weiden). Bild: sbü

Für Betriebe, die ihre Schwerbehindertenquote nicht erfüllen, wird es seit Januar richtig teuer. Dabei zeigt sich längst: Für Unternehmen rechnet es sich, Menschen mit einer schweren Behinderung zu beschäftigen.

"Wir machen seit Jahren mit der Ausbildung und Beschäftigung von Schwerbehinderten sehr gute Erfahrungen", sagt Vorstand Günther Kötteritzsch vom Fachzentrum Knorr. Er untermauert seine Aussage mit Zahlen: "Fünf Arbeitsplätze müssten wir aufgrund der Pflichtquote mit Schwerbehinderten besetzen. Wir beschäftigen das Doppelte und machen das nicht aus Not. Wir profitieren als Unternehmen."

Zum Beispiel im Fall von Auszubildenden mit schwerer Behinderung. Seit September bildet Knorr eine körperbehinderte Bewerberin als Kauffrau im Einzelhandel aus. Durch ein Schnupperpraktikum habe man sich kennengelernt. "Sie konzentriert sich voll auf ihre Arbeit. Sie weiß, was sie will", lobt Prokurist Günter Bauer die neue Mitarbeiterin. "Bei vielen anderen Bewerbern müssen wir leider das Gegenteil feststellen. Ganz besonders bei den Jungs." Die zehn Menschen mit schwerer Behinderung arbeiten bei Knorr in den verschiedensten Bereichen, etwa als Kraftfahrer, im Verkauf oder im Büro.

Mehr im Team als gefordert


Lob kommt von den Unternehmensvertretern auch für die Unterstützung und Beratung bei der Einstellung und Beschäftigung von Schwerbehinderten. Arbeitsagentur, Rententräger und Integrationsamt würden wertvolle Hilfe leisten. Unterstützung hätten auch die Berater des Projekts "Wirtschaft inklusiv", das arbeitgeberorientierte Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation, geleistet. Dieser kostenlose Service biete Hilfe in Rechtsfragen und entwickle unternehmensnahe Lösungen. Minderleistungen können so, soweit erforderlich, finanziell ausgeglichen und ein behindertengerechter Arbeitsplatz finanziert werden.

Kötteritzsch und Bauer geben auch Schwerbehindertenvermittlerin Regina Ram und Teamleiter Klaus Gredinger von der Arbeitsagentur Weiden recht, die erklären: "Passt der Arbeitsplatz für Schwerbehinderte, leisten diese oft mehr als mancher Nichtbehinderte." Denn warum sollte auch ein gehbehinderter Arbeitnehmer an einem Bildschirmarbeitsplatz weniger leisten als ein anderer?

Die Vermeidung der Schwerbehindertenabgabe ist für das Fachzentrum kein Argument, Schwerbehinderte zu beschäftigen. Das beweist allein schon die weit über der Pflichtquote liegende Zahl dieser Beschäftigtengruppe. Generell aber gilt: Wer seine Pflichtquote in einen Betrieb mit mindestens 20 Arbeitsplätzen nicht erfüllt, muss seit Januar für die monatliche Ausgleichsabgabe tiefer in die Unternehmenskasse greifen. Darauf weisen die Agenturvertreter Arbeitgeber ausdrücklich hin. Wer etwa keine oder nur bis zu zwei Prozent Schwerbehinderte in seiner Belegschaft beschäftigt, für den steige pro unbesetzten Pflichtplatz der zu zahlende monatliche Ausgleichsbetrag von 290 auf 320 Euro.

400 Pflichtplätze unbesetzt


Alleine in der Stadt Weiden blieben nach der letzten vorliegenden Erhebung von 2013 im Jahresdurchschnitt mehr als 400 Pflichtplätze unbesetzt.
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