Untreue einer Betreuerin

Sie sollte zum Wohl der ihr anvertrauten Menschen handeln. Stattdessen wird die 51-jährige Betreuerin verdächtigt, fast eine viertel Million Euro unterschlagen zu haben. Geld, nach dem nun vor Gericht alle suchen.

Wo ist das viele Geld nur geblieben? Das ist eine Frage, die nur die Angeklagte beantworten kann. Doch die 51-Jährige schwieg bislang. Nun stellte Rechtsanwältin Andrea Schnetzer (Neutraubling) für Montag in Aussicht, dass ihre Mandantin vielleicht doch noch eine Erklärung abgeben wird.

Staatsanwalt Dr. Christoph Edler wirft der Hausfrau aus dem Raum Eschenbach vor, als berufsmäßige Betreuerin ein knappes Dutzend ihr anvertrauter Personen um insgesamt 235 000 Euro gebracht zu haben. Am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl, wurde Kriminalhauptkommissar Jens Meyer vernommen.

Ehemann arbeitet akkurat

Nach dem Aktenvermerk eines Rechtspflegers über Unregelmäßigkeiten in einer Betreuungsangelegenheit haben erste Ermittlungen begonnen, berichtete er. Eingeholte Bankauskünfte der Betreuten und der Beschuldigten hätten auf die Richtigkeit des angezeigten Sachverhalts hingewiesen. Daraufhin sei im März vergangenen Jahres eine Hausdurchsuchung erfolgt. Ein "Durcheinander von Akten", die teilweise auf dem Boden herumgelegen seien, viele ungeöffnete Briefe und ein "gänzlich unorganisiertes Büro" fanden die Beamten vor, berichtete der Kripo-Sachbearbeiter.

Im Gegensatz dazu sei das Büro des Ehemannes der Beschuldigten, ein frühpensionierter Beamte, der ebenfalls als Betreuer tätig ist, klar organisiert und aufgeräumt gewesen. Ermittlungen gegen den Mann, der zeitweise als Mittäter verdächtigt wurde, ergaben, dass seine Betreuungen sehr vermögender Personen regelgerecht erfolgt waren.

Meyer berichtete von den ersten Aussagen der 51-Jährigen. Sie habe angegeben, dass sie häufiger Geld "im Auftrag" einer betreuten Witwe abgehoben hatte. Es sei ihr auch Geld geschenkt worden, weil sich im Laufe der Zeit ein "Mutter-Tochter-Verhältnis" entwickelt habe. Die Seniorin hatte 150 000 Euro aus dem Verkauf ihres Hauses auf dem Konto gehabt. 50 000 bis 70 000 Euro, die in einem Kuvert im Sideboard gelegen haben, seien bei einem Brand "weg- gekommen".

Auffällig sei gewesen, dass auch während eines Krankenhausaufenthalts der kurz darauf mit 73 Jahren Verstorbenen 22 000 Euro abgehoben wurden. Das Geld habe sie der Frau ins Krankenhaus gebracht, gab die Beschuldigte an. Meyer hatte auch eine Vielzahl von Abhebungs-,Überweisungs- und Einzahlungsbelegen ausgewertet und zusammengestellt. Diese zeigten, dass nach Abhebungen von Konten der Betreuten gleiche oder ähnliche Summen auf Konten der Angeklagten oder ihrer Verwandten auftauchten.

Oft habe bei verbuchten Ausgaben für die Betreuten ein nachvollziehbarer Zweck gefehlt. Ein Mal seien 2000 Euro für Heizöl zwei Mal bezahlt worden. Ein anderes Mal habe die Betreuerin 10 000 Euro als "Strom für mehrere Jahre" verbucht. Eine Erbschaft von 20 000 Euro sei auf ihr Konto geflossen. Der rechtmäßige Eigentümer habe 4000 Euro erhalten. Insgesamt 103 Mal soll sich die Verheiratete, laut Anklage, so bedient haben.

Fortsetzung am Montag

Am Montag um 9 Uhr will Amtsgerichtsdirektor Heindl noch zwei Geschädigte hören. Es folgen Plädoyers und Urteil.
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