Urteil im Prozess gegen den "Mallorca-Betrüger": Elf Jahre Haft für Wolfgang S.
"Alle Warnzeichen ignoriert"

Die Erste Große Strafkammer hat am Freitag den sogenannten Mallorca-Betrüger Wolfgang S. zu elf Jahren Haft verurteilt. Dieser hatte mit absurden Renditeversprechen zahlreiche Investoren um Millionen Euro geprellt. Das Urteil erfolgte wegen Betrugs in 51 Fällen sowie einem weiteren Fall, der allerdings "im Versuchsstadium" steckengeblieben war.

Um an seine Gelder in teils dreistelliger Millionenhöhe zu kommen, behauptete der Betrüger gutgläubigen Privatleuten und Unternehmern gegenüber, er müsse Bankgebühren, Zölle, Bestechungsgelder oder Steuern bezahlen. Wer ihm diese Beträge vorschießen würde, bekäme in Kürze das Geld hoch verzinst zurück, hatte er behauptet. Als Beleg für die Seriosität seiner Behauptungen hatte der zeitweise auf Mallorca lebende Wolfgang S. gefälschte Schreiben höchstrangiger Manager vorgelegt. In der gut einstündigen Urteilsbegründung berichtete Landgerichtspräsident Walter Leupold, dass die Kammer sich in New York und Amsterdam persönlich davon überzeugt hatte, dass diese Manager den Angeklagten nicht einmal kannten. Ihm sei bewusst gewesen, dass er mit seinen Lügengeschichten seine Opfer teilweise an den Rand des Ruins trieb.

Leupold sowie die Richter Markus Fillinger und Marco Heß unterschieden zwischen den Taten vor dem 2. Juni 2010 und denen danach. Damals hatte das Landgericht München drei gleichartige Betrugstaten mit einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen geahndet. Sechs Tage danach hatte S. mit seinen Betrügereien weitergemacht. Für die Taten vor dem Stichtag urteilten die Richter unter Einbeziehung der Vorstrafe auf dreieinhalb Jahre, für die Taten danach auf siebeneinhalb Jahre. Zugutegehalten habe man dem 68-Jährigen, dass die von ihm Geschädigten extrem leichtgläubig und sorglos gehandelt hatten. Sie hätten "alle Warnzeichen ignoriert", sagte Leupold.

"In gut fünf Jahren frei"

Anspielend auf das Plädoyer der Verteidiger, die die Forderung nach 15 Jahren Freiheitsstrafe als "lebenslänglich" für ihren fast 69-jährigen Mandanten bezeichnet hatten, stellte Leupold fest: Der Angeklagte werde wohl "in gut fünf Jahren wieder auf freiem Fuß" sein. Die U-Haft würde angerechnet, ein halbes Jahr gelte nach Bezahlung der Geldstrafe, schon als verbüßt. Und als "Erstverbüßer" werde dem Verurteilten wahrscheinlich ein Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. "
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