Verbraucherzentrale bietet preisgünstige Beratung
Bei Stromkosten geizen

Auf der Terrasse bespricht Energieberater Stefan Kurz mit Hausbesitzerin Martina Hägler Möglichkeiten zur Energieeinsparung. Bilder: Konrad (2)
 
Beim Rundgang durchs Haus untersucht Stefan Kurz die Isolation der Heizungsrohre im Keller: Die Leitung in der Mitte ist korrekt isoliert. Daneben und dahinter ist die Isolierung nicht ausreichend. Am kupferfarbenen Rohr im Hintergrund fehlt sie völlig. Die Leitung wird zum ungewollten Heizkörper für den Keller.

Elektroheizung, Gasheizung, Kachelofen und eine Solaranlage auf dem Dach: eine schwierige Aufgabe für Energieberater Stefan Kurz beim Hausbesuch. Seine Expertise kostet eigentlich einen mittleren dreistelligen Betrag. Doch seit der Staat seine Arbeit fördert, berät er für 20 Euro.

Das Bundeswirtschaftsministerium bezuschusst die Energieberatung. Mieter und Eigentümer zahlen für einen Basis-Check nur einen geringen Betrag. Ein Schnäppchen, findet Energieberater Stefan Kurz. Für die Verbraucherzentrale ist er täglich im Raum Weiden unterwegs und gibt Tipps zu Strom- und Wärmeverbrauch, Geräteausstattung und erneuerbaren Energien. Eigentlich dürfte er sich vor Anfragen nicht retten können. Doch seine Expertise ist kaum begehrt. "Wenn ich als Sachberater käme, hätte ich einen ganz anderen Stundensatz", erklärt der 42-Jährige. Der Staat investiere viel in die Maßnahme. In die Werbung investiert er eher weniger.

Heute sitzt Stefan Kurz auf der Terrasse der Familie Hägler. "Wir heizen mit allem", erklärt Hausbesitzerin Martina Hägler. Sieben Personen wohnen in Keller, Erdgeschoss, erstem Stock und der ausgebauten Dachwohnung: ihr Mann, ihre drei Kinder, ihr Schwiegersohn und ein Enkel. Bald wird Hägler zum zweiten und dritten Mal Oma: Ihre Tochter erwartet Zwillinge.

Vor drei Jahren sind die Häglers in das Haus gezogen. Das Dach haben sie isoliert. Darunter haben sie die Elektroheizung installiert. Im Rest des Gebäudes laufen die Heizkörper über eine zentrale Gasheizung. Den Energiemix ergänzen zwei Holzöfen und eine Solaranlage auf dem Dach.

Von der Pike auf gelernt


Stefan Kurz fragt routiniert die Daten ab: "Wie hoch ist der Stromverbrauch? Wie alt ist Ihre Waschmaschine, Ihre Gefriertruhe, Ihr Kühlschrank?" Er erkundigt sich nach der Kühltemperatur der Geräte. "Wenn sie hinten anfrieren, könnten sie zu kalt eingestellt sein, und die Belüftung könnte schwergängig sein." Er bittet Hägler auch, zu prüfen, ob die Geräte dicht sind. Dann geht es ums Kochen: "Am besten einen Wasserkocher zum Erhitzen verwenden." Alte Kaffeemaschinen sind dem Energieberater ein Dorn im Auge: "Sind da Warmhalteplatten dabei, ist es eine ewige Energieverschwendung - und der Kaffee schmeckt eh nicht."

Seit zwei Jahren ist Kurz Energieberater für die Verbraucherzentrale. Der gebürtige Weidener ist ausgebildeter Haustechnischer Planer, war Bausachverständiger und hat sich mit Lüftungsanlagen, Trinkwasser und Heizungsbau beschäftigt. "Ich habe den Beruf von der Pike auf gelernt."

Heizsystem einrichten


Kurz spricht mit Martina Hägler nun die besonders kritischen Themen an: "Man sollte sich einmal überlegen, welche Temperatur will ich mit den Heizkörpern, und dann sein System entsprechend einrichten." Man müsse dafür die richtige Größe bei den Heizkörpern wählen und die Ventile korrekt einstellen, so dass auch noch bei der letzten Heizung genug Wärme ankomme.

Schließlich spricht Kurz über die Fenster. Sie sind dreifachverglast. Eigentlich eine Maßnahme zum Energiesparen. Doch der Fachberater macht dem Fensterbauer Vorwürfe: "Das Fenster darf nicht besser sein als die Wand, damit sich nicht in der Wand Feuchtigkeit bildet." Schimmel könne entstehen. Am besten sei es, vor dem Umbau mit ihm zu reden. Doch auch für Häglers Lage hat er Tipps, wie sie Schimmelbildung eindämmen kann. Zum Beispiel mit einer speziellen Kalkfarbe

EnergieberatungDie Beratungsthemen sind baulicher Wärmeschutz, Haustechnik, regenerative Energien, Stromsparen und Heizkostenabrechnung für Privatleute. Die Beratung vor Ort wird staatlich gefördert. Sie kostet für einen Basis-Check bei Mietern von Wohnungen 10 Euro. Dabei prüft der Sachverständige Strom- und Wärmeverbrauch sowie Elektrogeräte. Er erläutert, welche Einsparmöglichkeiten sich durch geringe Investitionen ergeben.

Beim Gebäude-Check für Wohnungseigentümer, Hausbesitzer oder Mieter von Häusern ermittelt der Sachverständige zusätzlich noch Einsparmöglichkeiten bei der Heizungsanlage, prüft die Gebäudehülle und gibt Tipps zu erneuerbaren Energien. Der Gebäude-Check kostet 20 Euro. Neben diesen beiden Checks gibt es auch weitere Prüfungen zu einzelnen energiebezogenen Themen.

Termine für die Energieberatung werden bundesweit einheitlich vergeben unter 0800/809 802 400, von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 16 Uhr. Der Anruf aus dem deutschen Festnetz und für Mobilfunkteilnehmer ist kostenlos. (dko)

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Weitere Informationen:

verbraucherzentrale-bayern.de/Weiden
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