Verdi will gegensteuern
Rente in Schieflage

Alexander Gröbner, Bezirksgeschäftsführer von Verdi. Bild: Götz

1334 neue Mitglieder hat die Gewerkschaft Verdi 2015 aufgenommen. "Das stärkt die Durchsetzungskraft", freute sich Alexander Gröbner, Bezirksgeschäftsführer für die Oberpfalz. Diese Durchsetzungskraft werde in den nächsten Monaten gebraucht. Für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen, die im März beginne. Aber auch, um die Rente wieder auf ein akzeptables Niveau zu bringen. "Da ist Einiges in Schieflage geraten."

Zu der positiven Mitgliederentwicklung hätten die harten Tarifauseinandersetzungen im Sozial- und Erziehungsdienst sowie bei der Deutschen Post beigetragen. Gröbner schob den Arbeitgebern den "schwarzen Peter" dafür zu, dass die Tarifauseinandersetzungen immer härter würden. "Arbeitgeber haben zwar grundsätzlich kein Geld zu verteilen. Aber Vorstände setzen Geld dafür ein, um den Maßnahmen der Gewerkschaft gegenzusteuern." Als Beispiel nannte er die Anmietung von Lagerhallen während des Streiks von Postbediensteten.

Als Verdienst von Verdi reklamierte Gröbner die Entwicklung im Wohlfühlbad Bulmare in Burglengenfeld. Im Frühjahr 2015 habe es geheißen, es werde schließen. "Jetzt gibt es einen Betriebsrat. Das Bad hat nicht geschlossen, sondern es hat Zukunft." Nach der Überführung der Max-Reger-Halle in eine neue Rechtsform habe Verdi einen außergewöhnlichen Erfolg verzeichnet: Für die Beschäftigten sei ein Überleitungstarifvertrag bis 2035 abgeschlossen worden. "Das zeigt, was möglich ist, wenn Beschäftigte für ihre Interessen eintreten."

Positiv fiel Gröbners Bilanz auch im Hinblick auf die Arbeitsplätze bei den Stationierungsstreitkräften aus. So sei die Zahl der geplanten Entlassungen deutlich niedriger, als zunächst befüchtet. Betroffen seien etwa 100 deutsche Zivilbeschäftigte, gestaffelt auf drei Jahre. "Das dürften wir durch die Altersstruktur in Griff kriegen." Um zu verhindern, dass deutsche Arbeitskräfte durch Familienangehörige von US-Amerikanern ersetzt würden, liefen bereits Gespräche im Hintergrund.

Zwei Aktionswochen


Allgemein gelte in der Tarifpolitik: "Der Bogen wird überspannt. Wir werden gegensteuern." Mit diesen Worten kündigte Gröbner zwei Aktionswochen an: Im Juni zum Thema "Gute Löhne" und im November für "Gute Ausbildung". Gegensteuern will die Gewerkschaft aber auch bei der Entwicklung des Rentenniveaus. Das liege in Deutschland mit 48 Prozent unter dem Durchschnittsniveau aller Industriestaaten (54,4 Prozent). "Ein Babyboomer des Jahrgangs 1964 kann bei einem Monatseinkommen von 2500 Euro brutto nach 40 Arbeitsjahren gerade einmal mit 786 Euro gesetzlicher Rente rechnen." Bis 2030 solle das Rentenniveau sogar auf 43 Prozent gesenkt werden. "An diesen Stellschrauben muss gedreht werden. Unsere Planungen laufen."
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Wolfgang Göldner aus Weiden in der Oberpfalz | 17.02.2016 | 20:50  
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