Volkswirtschaftsprofessor Gerhard Rösl: In den nächsten 5 bis 10 Jahren keine Änderung der ...
Düstere Aussichten für die Sparer und Europa

Professor Gerhard Rösl (links) sprach auf Einladung von OTH-Professor Franz Seitz (rechts). Beide kennen sich seit Jahrzehnten aus gemeinsamer Forschung zum Thema "Zentralbankpolitik". Bild: sbü

Viele ahnen zwar, "dass der Sparer der Dumme ist". An OTH wurden jetzt die Zusammenhänge aufgezeigt. "In den nächsten 5 bis 10 Jahren erwarte ich keine nennenswerte Änderung der derzeitigen europäischen Zins- und Finanzpolitik", prognostizierte Volkswirtschaftsprofessor Dr. Gerhard Rösl von der Technischen Hochschule Regensburg. Die OTH Amberg-Weiden hatte zu einem öffentlichen Gastvortrag des Wissenschaftlers in das Neue Hörsaalgebäude eingeladen.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Professor Rösl mit Finanzpolitik und dabei schwerpunktmäßig mit der Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Vortrag endete pessimistisch mit dem Satz "es sieht düster aus in Europa". Rösl glaubt nicht, dass die EZB in absehbarer Zeit anders handeln könne, als die Finanzmärkte mit Geld zu "fluten". "Wildwest-Finanzierung" nannte der Professor diese Politik, weil die EZB sogar Papiere der "Ausfallstaaten wie Griechenland" aufkaufte und so zur "Bad Bank" wurde. Von den Rettungsschirmen werde längst nicht mehr gesprochen, weil die EZB die Märkte direkt mit Geld versorgt.

"Banken bekommen jede Liquidität zum Zinssatz Null, 1,47 Billionen Euro wurden so in die Märkte gepumpt." Würde die Liquidität aus dem Markt genommen und die Zinsen steigen, käme es zu einem Zusammenbruch vieler Staaten. Insbesondere Italien, Frankreich und Spanien wären betroffen. Ohne Strukturreform in diesen Ländern könne sich nichts ändern. Und diese erkennt Rösl nicht. "Vielmehr verschulden sich diese Länder weiter, obwohl genug Geld vorhanden ist." Mit dem "Deflationsgespenst" würden die Südländer liquide gehalten. Die Überschussliquidität fließe vor allem in Wertpapiere. Niemand setze ersparte Zinsen zur Tilgung ein. Auch Deutschland, das als einziges Land bei den Ratingagenturen noch das "Triple A" bekommt, profitiere. "Durch Abwarten bekommt man die schwarze Null im Haushalt." Bezahlen müsse das alles der Sparer durch Zinsverzicht. Seit 2010 verzichte der Sparer jährlich auf 131 Milliarden Euro Zinsen. Das gesamte Finanzvermögen der Deutschen von 5 Billiarden Euro habe sich in dieser Zeit nicht verändert. "Der Sparer finanziert die Staatsverschuldung." Aber der Sparer habe das alles noch nicht so richtig bemerkt, "weil es allen so geht, akzeptiert man das". In früheren Zeiten wäre ohne "Flutung der Finanzmärkte" die Inflationsrate angestiegen, so dass der Konsument getroffen worden wäre. Die Wohlfahrtsverluste des Sparers seien deutlich höher als die Entlastung der Schuldner, rechnet Prof. Rösl vor. Deshalb sei die EZB-Politik für die deutsche Volkswirtschaft überproportional teuer. So finanzierten die Sparer die Staatsverschuldung. "Wenn der Staat 131 Milliarden braucht, solle er dies besser über Steuern machen".

Und alles laufe ohne die Parlamente ab, kritisierte der Experte. Rösl räumte allerdings ein, dass "Europa mit dieser Politik nicht allein da steht". Seit der Lehman-Krise im Jahre 2008 habe sich auch in den USA die monetäre Basis vervierfacht.
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