Vortrag am Institut für Medizintechnik
Die Handy-App für ein längeres Leben

"Es gibt sieben Milliarden Menschen. Jeder von ihnen reagiert anders auf ein Medikament." Zitat: Dr. Josef Scheiber (BioVariance GmbH in Waldsassen) (Foto: sbü)

(sbü) Über die Datensammelwut wird vielfach geklagt. "Big Data" kann auch große medizinische Fortschritte bringen. Das wurde in einem Vortrag an der OTH deutlich.

"Jährlich könnte in Deutschland circa 250 000 Patienten ein Krankenhausaufenthalt erspart werden, wenn das vorher verordnete Medikament in der für den einzelnen Patienten passenden Dosis eingenommen worden wäre", rechnete Dr. Josef Scheiber, Geschäftsführer der Bio Variance GmbH aus Waldsassen, vor. Durch gründliche Dokumentation der verschriebenen Medikamente könnten 518 Millionen Euro Krankenhauskosten eingespart werden.

Testgruppen für App


OTH-Professor Dr. Clemens Bulitta (Medizintechnik) hatte den Experten für medizinische Datensammlung und Softwaresysteme eingeladen. Der Vortrag behandelte die Fortschritte in der Medizin, die sich aus der Sammlung und Kombination großer Datenmengen ergeben. Kernaussage: Wenn die Behandlung individueller auf den einzelnen Patienten ausgerichtet wäre, würden sich große gesundheitliche Vorteile und eine hohe Kostenersparnis ergeben.

Scheiber untermauerte seine Aussagen mit wissenschaftlichen Untersuchungen. In einem Fall wurde gezeigt, dass 75 Prozent der Lungenkrebspatienten, deren Medikamentenbehandlung mit einer "webbasierten Handy-App" überwacht wurde, nach einem Jahr noch lebte. Bei der Kontrollgruppe, ohne diese Überwachung, lag diese Überlebensrate nur bei 49 Prozent.

Das Überwachungssystem erinnert zum Beispiel den Patienten an die Einnahme des Medikaments, dokumentiert seinen Allgemeinzustand und die Nebenwirkungen, knüpft den direkten Kontakt zum Arzt und der Apotheke und berücksichtigt auch genetische und klinische Daten des Patienten im Rahmen eines "Dosis-Algorithmus". Vielen Patienten würde vor allem bei schwerwiegenden Erkrankungen die Einhaltung oft komplexer Verordnungsvorgaben sehr schwer fallen. Oftmals müssten auch mehrere Medikamente gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingenommen werden.

"Die Smartphone-App verlängert das Überleben." Jeder solle zum richtigen Zeitpunkt das richtige Medikament bekommen. Außerdem könne so verhindert werden, dass rund 30 Prozent der verordneten Medikamente im Müll landen würden. Im Vortrag wurden dann die Vorteile aus der Sammlung einer fast unendlich großen Menge medizinischer Daten aufgezeigt.

Daten nutzen


"Es gibt sieben Milliarden Menschen. Jeder von ihnen reagiert anders auf eine Medikament." Ausgehend davon ermögliche diese Sammlung eine "individualisierte Medizin". In vielfältiger Form fallen diese Daten bereits heute an. Gezeigt wurden alltägliche Instrumente wie Blutzuckermessungen rund um die Uhr, UV-Strahlen messende Hautpflaster oder ein Fitnessarmband. "Sensoren zu allem, Daten zu allem." Scheiber zeigte auch die von seinem Unternehmen entwickelten Erfassungssysteme auf. Auf diesem Weg könnten "integrierte Versorgungskonzepte" entwickelt werden. Eine Anmerkung noch: "Über Datenschutz wird heute nicht geredet."

Es gibt sieben Milliarden Menschen. Jeder von ihnen reagiert anders auf ein Medikament.Dr. Josef Scheiber (BioVariance GmbH in Waldsassen)
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