Wahre Berge von Müll und Bierflaschen angesammelt - Nach drei Jahren spurlos verschwunden
Junger "Messie" schockt Vermieter

Er ist ausgezogen, spurlos verschwunden und hinterlässt seine Wohnung in der Innenstadt in einem unbewohnbaren Zustand. Nun wird der 29-jährige Mieter von seinem Vermieter gesucht. Bild: Hartl
Wirtschaft
Weiden in der Oberpfalz
09.01.2014
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Der Mieter ist weg. Spurlos verschwunden. Immerhin: Er hat gekündigt. Seit eineinhalb Jahren verkehrt er mit seinem Vermieter nur schriftlich. Die gewünschten - und im Mietvertrag schriftlich fixierten - Termine für die Wohnungsbesichtigung lässt der knapp 29-Jährige stets platzen. Am 2. Januar wird Vermieter Wolfgang R. (77) klar, warum ihm der Zugang zur Wohnung versagt blieb: Sein Mieter ist ein "Messie", der Müll, Flaschen und Unrat in seinen vier Wänden hortet.

Der Mietvertrag endete am 31. 12. 2013. Nach Neujahr will Wolfgang R. endlich nach dem Rechten sehen. Doch schon im Hausflur schlägt ihm übler Gestank in die Nase. "Es stinkt bestialisch, aber das ist erst der Anfang-" Ein regelrechter Schock folgt nach dem Öffnen der Wohnungstür.

Vergraben

Der Mieter ist zwar weg. Aber die Wohnung in der Herrmannstraße ist keineswegs geräumt, sondern total vermüllt. Teilweise hüfthoch stapeln sich die Plastik-Bierflaschen. "Der hat ja einen Durst gehabt", wundert sich der 77-jährige. Wäsche, neue Jeans mit Preisetikett, Sportschuhe türmen sich auf. Überall Pizza-Schachteln - bevorzugt Edelsalami -, Bäcker-Tüten und Essensreste.

Bilder: Petra Hartl




Darunter "vergraben": Teile eines Doppelbettes, das hier nie aufgebaut wurde. Die beiden Matratzen liegen noch in der Originalverpackung im Dreck. Aus den Müllbergen ragt ein Trainingsgerät heraus. Packenweise verstreut sind persönliche Papiere, Prospekte, Fotoalben, DVDs und einige Videospiele. Und aus diesem Berg der Unterlagen kann der Vermieter schließen, dass sein Mieter bei einer Weidener Wohnungsgesellschaft Unterschlupf finden will. Darüber Staubfahnen, Spinnweben, Schimmel. Die Fenster blieben offenbar seit Monaten geschlossen.
Auch den Arbeitgeber hat der 29-Jährige offenbar gewechselt. Die soziale Einrichtung, bei der er beschäftigt war, musste er verlassen. Er war mit seiner "rechten Gesinnung" negativ aufgefallen: In seiner Wohnung präsentiert er eine alte Marine- und Kriegsflagge, in einer massiven alten Kiste darunter liegen ein Reichswehr-Koppelschloss, Urkunden und Ehrenzeichen aus dem Dritten Reich. Im Schmutz auf der Herdplatte glänzen zwei Schlagringe.

Von den Dreckhaufen in seiner 58-Quadratmeter-Wohnung ist Wolfgang R. total verunsichert. Was tun? Er befürchtet einen Schaden von rund 3000 Euro und hofft, dass sich sein Ex-Mieter möglichst schnell meldet, das Chaos beseitigt und die Wohnung dann endlich auch sauber übergibt. Der 77-Jährige sagt: "Ich will keinen Stress mit dem Jungen. Er scheint Probleme genug zu haben."
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