Was Olympiasieger Dieter Baumann den Führungskräften zu sagen hat
Die Zäune des Lebens

Früher nahm es Dieter Baumann mit der schier übermächtigen afrikanischen Konkurrenz auf - mit Erfolg. Was aber hat der Olympiasieger Unternehmern und Führungskräften zu sagen?

Bad Alexandersbad . Seine Arme wirbeln durch die Luft: Als Erzähler ist Dieter Baumann in seinem Element. Die Zuhörer im Helfrecht-Unternehmerzentrum folgen gebannt dem schwäbischen Energiebündel. Seine Geschichten handeln von einem Mann, der einst als Europäer den Wunderläufern aus Afrika auf den Langstrecken nicht nur Paroli bieten, sondern sie auch bezwingen konnte. Und einem Sportler, der immer bereit war, zu lernen - auch und gerade von seinen Konkurrenten.

Baumann trainierte mit den afrikanischen Athleten. Das eine oder andere Ergebnis war niederschmetternd für ihn. Der "Weiße Mann", wie er auf dem Schwarzen Kontinent genannt wurde, musste sich manchen Spott gefallen lassen. Doch aufgeben kam für ihn nicht infrage. "Es lohnt sich, ab und zu über den Zaun zu springen", ruft der 51-Jährige den 100 Unternehmern und Führungskräften bei den Helfrecht-Praktikertagen in Bad Alexandersbad zu.

Das mit dem Zaun ist eine besondere Geschichte. Ausgangspunkt war ein internationales Leichtathletik-Meeting im Müngersdorfer Stadion in Köln. Baumann - damals noch eher unbekannt - trat über 3000 Meter an. Mit am Start: Sein großes Idol Saïd Aouita, Superstar. Beim Aufwärmen hatte Baumann schon fast den Mut verloren, doch ein Gespräch mit Sydney Maree, ebenfalls ein Top-Läufer, brachte die Wende: "Dieter, du kannst nicht ewig auf dem Zaun sitzen. Entweder du springst oder du kletterst wieder runter." Baumann sprang. Er kämpfte und hielt lange mit, ehe er die Favoriten, natürlich war auch Aouita vorne dabei, davonziehen lassen musste. Doch sein Selbstbewusstsein wuchs und damit auch sein taktisches Geschick.

Aus Baumann wurde einer der erfolgreichsten Athleten in der Geschichte der deutschen Leichtathletik. 40 deutsche Meistertitel errang er. Der Höhepunkt seiner Laufbahn war die Goldmedaille über 5000 Meter bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Wer hohe Ziele erreichen will, dem rät Baumann zu Geduld und dazu, schrittweise vorzugehen. Wer sich hingegen permanent selbst überfordere, werde auf Dauer demotiviert.

"Das Leben ist ein Dauerlauf - vor allem das Unternehmerleben" - so wurde der Vortrag des Olympiasiegers angekündigt. Auch zu Baumanns Vita gehören Rückschläge. International löste die "Zahnpasta-Affäre" große Schlagzeilen aus. 1999 wurde Baumann positiv auf den Wirkstoff Nandrolon getestet. Sein Ruf als "Lichtgestalt" war schwer angekratzt. Er sei unschuldig, beteuerte Baumann immer wieder. Als Untersuchungen ergaben, dass das anabole Steroid Norandrostendion in der Zahnpasta gefunden wurde, sprach der Olympiasieger von einem "kriminellen Akt" und stellte Strafanzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Er setzte eine Prämie von 100 000 Mark aus. Der Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) sprach Baumann später vom Doping-Verdacht frei. Der Weltverband IAAF erkannte diesen Freispruch jedoch nicht an. Dass er nach der Sperre - wie schon so oft - über den Zaun gesprungen ist, davon zeugt eine Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2002.
Setzen Sie sich Etappenziele. Viele kleine Erfolge wirken sich motivierend aus.Dieter Baumann
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