Weiden: Neuer Chef von ATU Jörn Werner löst Norbert Scheuch ab
Köder für die Kunden

Jörn Werner (54). Bild: ATU

Umzugskisten muss er keine packen: Der 54-jährige Jörn Werner wechselt aus der Führungsspitze von Conrad Electronic nach Weiden und tritt die Nachfolge von Norbert Scheuch als Chef von ATU an. Und nicht nur er freut sich über den neuen Job.

Werner, der laut seiner offiziellen Vita in Dänemark und Norddeutschland aufgewachsen ist, wird nach rund drei Jahren als Vorsitzender der Conrad-Geschäftsführung von Holger Ruban (44) ersetzt - das teilte die Unternehmensgruppe mit Sitz in Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach) vor rund zwei Wochen mit. Am Mittwoch meldete schließlich ATU, dass der Manager in der Oberpfalz bleibt. "Ein glücklicher Zufall", sagt Werner im Gespräch mit unserer Zeitung. "Meine Frau und ich fühlen uns in der Oberpfalz sehr wohl, wir wohnen seit vier Jahren in Amberg." Das Ehepaar hat zwei erwachsene Kinder: Der Sohn studiert in Weiden, die Tochter in Belgien.

"Guten Gewissens"

Bei Conrad habe er die "Transformation vom Katalogversender zum E-Commerce-Unternehmen" gesteuert und eine neue Management-Generation eingeführt - diese Aufgaben habe er erfüllt und sei "guten Gewissens" gegangen, sagt der Manager, der Betriebswirtschaft und Psychologie an den Unis Göttingen und Hamburg studiert hat. Als Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe Berner SE (Künzelsau, Baden-Württemberg) habe er ab 2005 bis zu seinem Wechsel zu Conrad bereits mit Autowerkstätten zu tun gehabt - "ATU gehörte zu unseren Kunden".

In den Jahren zuvor arbeitete der Manager bereits in Führungspositionen bei Nilfisk (Dänemark) und dem Elektrowerkzeughersteller Metabo. 2002 trat er in die Geschäftsführung von Buderus Heiztechnik ein. Nach der Übernahme durch den Bosch-Konzern verantwortete er das Auslandsgeschäft der Bosch Thermotechnik.

"Schwere Zeiten" bei ATU

"ATU hat schwere Zeiten durchgemacht", räumt Werner ein, "aber die neuen Investoren haben einen guten Schritt gemacht und das Unternehmen nicht ver-, sondern entschuldet." Wie bei Conrad sehe er auch bei ATU seine Aufgabe in einer Umwandlung des Unternehmens hin zu mehr Kundenorientierung - sein Engagement sei dabei längerfristig geplant. Für seinen Vorgänger Scheuch (55) zeigt sich Werner voll des Lobes: "Er sollte gnadenlos sanieren, und das hat er getan. Das war sehr aufwendig, er hat dabei einen tollen Job gemacht." Nun müsse man Kunden wieder mehr für ATU begeistern: "Der Köder muss dem Fisch schmecken." Kerngeschäft des Unternehmens sollten die Werkstätten bleiben, hier sehe er ein großes Wachstumspotenzial. Was E-Commerce angehe, sei ATU noch "unterbelichtet", daher stehe auch das Thema "Digitalisierung" auf der Tagesordnung.

ATU hat bereits eine längere Sanierung hinter sich, der rund 2000 Arbeitsplätze zum Opfer fielen. In 620 Filialen in Deutschland, Österreich, Tschechien, den Niederlanden, Italien und der Schweiz arbeiten rund 10 000 Mitarbeiter und erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro.
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