Wer wagt, gewinnt: Fünf Frauen fühlen sich in Männerdomäne wohl
Durchblick bei Elektrik

Die fünf Industrieelektrikerinnen fühlen sich in der Produktion bei der Firma ISA Industrieelektronik sehr wohl. Beide Seiten profitieren, versichern die Führungskräfte Tobias Busch (Dritter von links) und Christian Kliebhan (Vierter von links). Claudia Wildenauer-Fischer und Margot Salfetter von der Arbeitsagentur Weiden suchen deshalb Nachahmer. Bild: Bühner

Trotz aller Kampagnen begeistern sich nur wenige Frauen für einen handwerklich-technischen Beruf. Doch diejenigen, die es ausprobiert haben, fühlen sich pudelwohl.

(sbü) "Frauen in Männerberufe" - so lautet das Motto des von der Arbeitsagentur Weiden seit Jahrzehnten organisierten "Girls'Day". Doch trotz zahlreicher Teilnehmerinnen landeten am Ende landeten fast alle wieder in einem typischen Frauenberuf.

Männer in der Mehrzahl


Dass sich Frauen in einem ausgesprochenen Männerberuf sehr wohl fühlen, zeigt das Beispiel der ISA Industrieelektronik GmbH. Dort sind unter den circa 30 Mitarbeitern in der Produktion nur vereinzelt Frauen beschäftigt, darunter fünf Industrieelektrikerinnen. Interessant dabei: Alle fünf hatten vorher einen anderen Beruf ausgeübt und wurden per Teilzeit-Umschulung zur Industrieelektrikerin ausgebildet.

Seit gut fünf Jahren wird, beginnend jeweils im September, im Überbetrieblichen Bildungszentrum in Ostbayern (ÜBZO) der Teilzeit-Umschulungslehrgang Industrieelektrikerin angeboten. Arbeitsagentur und Jobcenter Weiden-Neustadt fördern jedes Jahr circa 10 bis 15 Teilnehmerinnen. Aus dem Absolventenkreis hat die Firma ISA fünf Frauen eingestellt. "Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht, alle sind sehr wertvolle Mitarbeiterinnen", sagt Christan Kliebhan, Bereichsleiter Verwaltung. Fertigungsleiter Tobias Busch, der die fünf Frauen in der täglichen Arbeit erlebt, bestätigt das.

Alle fünf Frauen versichern, dass sie sich in dem Unternehmen sehr wohl fühlen. Zwei arbeiten 30 Stunden Teilzeit, die anderen Vollzeit. Gemeinsam haben sie nicht nur den Ausbildungsabschluss, sondern sie sind auch alle Mütter. Heidi Patterer zum Beispiel, eine der fünf Industrieelektrikerinnen, versorgt neben ihrer Arbeit vier Kinder und sagt: "Natürlich geht das nur mit einem gut funktionierenden Netzwerk".

Sehr familienfreundlich


Alle Frauen sind auch voll des Lobes für ihren Arbeitgeber. "Wenn mein Kind krank ist, genügt ein Anruf und jemand anders springt ein." Familienorientierung wird im Unternehmen groß geschrieben, bestätigen die Fünf. Keine von ihnen es bereut, diesen Schritt in einen sogenannten Männerberuf getan zu haben. Verdienst und Arbeitszeiten seien besser als in vielen typischen Frauenberufen, stellt das Quintett übereinstimmend fest.

Dass auch die ISA von der Arbeit der Frauen überzeugt ist, bestätigen Kliebhan und Busch: "Gemeinsam mit ihnen produzieren wir seit Jahren hohe Qualität." In all den Jahren habe es von den zahlreichen Kunden lediglich zwei Fehlermeldungen gegeben, berichten die Unternehmensvertreter. Dabei stelle die ISA "hochsensible Produkte" - wie zum Beispiel Steuerungs- und Schaltanlagen, unter anderem für die Reinraumtechnik - her. Die Frauen hätten sich in der Produktion sehr gut bewährt. "Das positive Beispiel dieses erfolgreichen Unternehmens sollte andere Betriebe zur Nachahmung motivieren", wünscht sich Bereichsleiterin Claudia Wildenauer-Fischer von der Arbeitsagentur. Margot Salfetter, Beauftragte für Chancengleichheit der Arbeitsagentur, stimmt zu und weist darauf hin, dass im September erneut ein Umschulungslehrgang in Teilzeit beginne. Einige wenige Plätze sind noch frei.
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