Woche der Ausbildung zeigt Karrieren im Handwerk
Friseurmeisterin und Chefin mit 22 Jahren

Glätteisen, Kamm und viel Ausdauer: Das sind die Waffen, die Friseurmeisterin Nadine Igl (rechts) täglich einsetzt. Bereits mit 22 Jahren übernahm sie ihren eigenen Salon. Hier zeigt sie - fünf Jahre nach der Übernahme - ihrer Auszubildenden Antonia Betz an einem Trainingskopf die perfekte Frisur. Bild: sbü

Eine erfolgreiche Berufslaufbahn ist nur über ein Studium möglich? Die Vertreter der Handwerkskammer widersprechen: Die Meisterausbildung eröffnet ähnlich gute Chancen, Karriere zu machen. Nadine Igl ist das beste Beispiel dafür.

Die berufliche Laufbahn von Nadine Igl könnte einer Werbeschrift für die Meisterausbildung im Handwerk entspringen. Liefert sie doch den Beweis, dass es mit Quali und anschließender Lehre die berufliche Karriereleiter ganz rasch steil nach oben gehen kann. Nur die wenigsten Studenten dürften zu einem solch frühen Zeitpunkt eine ähnliche berufliche Ebene erreichen. Doch alles der Reihe nach.

Bereits mit 22 Jahren übernahm Nadine Igl als selbstständige Unternehmerin den Friseursalon Fanal in Weiden. Seither führt sie ihn mit Erfolg. Die heute 27-Jährige berichtet von einem festen und treuen Kundenstamm. Wie Igls Erfolgsgeheimnis lautet? "Man muss Interesse an seinem Beruf und Freude daran haben, handwerkliches Geschick mitbringen sowie Ehrgeiz und Ausdauer haben." Das Friseurhandwerk ermögliche kreatives Arbeiten und viele Kundenkontakte. So seien für die 27-Jährige Beruf und Hobby verschmolzen. Allerdings fehle vielen jungen Menschen heute Ausdauer.

Ausdauer bewies Nadine Igl. Nach dem Quali-Abschluss an der Hauptschule in Moosbach, begann sie dort auch 2003 ihre Ausbildung als Friseurin. "Noch während der Lehre habe ich die Mittlere Reife mit dem Notendurchschnitt 1,1 erworben." Nach Abschluss der Ausbildung folgte eine einjährige Tätigkeit als Friseurin in Schwandorf. Schon rasch kam der Wunsch, sich weiterzubilden. Gelegenheit dafür bot das Wella-Schulungszentrum für Friseure in München, das Nadine Igl "quasi als Volontariat" acht Monate lang besuchte. Damit war auch die fachliche Grundlage für die Meisterausbildung geschaffen. Diese folgte im Jahre 2009 als viermonatige Ganztagsfortbildung im Friseur-Schulungszentrum Christian Müller in Weiden. Das Meister-Bafög hat dabei finanziellen Rückhalt geboten. Und der rasche Entschluss zur Meisterprüfung war mit Erfolg gekrönt. "Bei der feierlichen Meisterehrung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gehörte ich zu den drei Prüfungsbesten", berichtet die heutige Unternehmerin stolz. Zwei kurze Tätigkeitsphasen als angestellte Friseurmeisterin schlossen sich an.

"Ein Stellenangebot für eine Friseurmeisterin führte mich zu meinem jetzigen Friseursalon, den ich nach wenigen Monaten Angestelltentätigkeit übernehmen konnte." Geholfen habe Betriebsberater Peter Biersack von der Handwerkskammer, etwa beim Business-Plan.

Seit fünf Jahren führt Nadine Igl bereits den Friseursalon, beschäftigt zwei Friseurinnen und bildet aus. Alle haben die Fünf-Tage-Woche. Mindestlohn ist kein Thema: "Da liegen wir drüber." Mit Messebesuchen und Teilnahmen an Schulungen hält sich die Chefin auf dem Laufenden.

"Ich habe das alles nie bereut." Zwar sei das Friseurgewerbe kein Wachstumsmarkt. Aber mit starker Kundenorientierung könne man den Marktanteil halten oder gar ausbauen. "Mein größtes Problem ist der Mangel an Fachkräften und an Auszubildenden." Gern würde sie im August eine Auszubildende einstellen. Auch Praktikanten sind willkommen. "Trotz Anzeigen und Kontakt zur Arbeitsagentur habe ich bislang keine einzige Bewerbung bekommen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Handwerkskammer (30)Woche der Ausbildung (11)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.