Auszeit für Wahrzeichen

Lokales
Weiherhammer
23.01.2015
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Weiherhammer hat ein neues Rathaus und eine neue Bahnüberführung. Demnächst kommt auch noch ein Hotel dazu. Doch was aus einem gusseisernen Stück Ortsgeschichte wird, ist derzeit völlig offen.

(phs/baw) So hatte es sich der Gemeinderat vorgestellt: Sobald das Rathaus fertig gebaut ist, ziert die Hauptfassade die alte Uhr des Hüttenwerks. Nach Angaben von Heimatpfleger Lothar Kraus stammt sie aus den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts. Damals war die Scheibe am Turm der Hüttenwerkskapelle angebracht, später an der ehemaligen Hüttenschenke, bis diese 1959 abgerissen wurde.

Die Älteren können sich noch gut an den mächtigen Zeitmesser mit über einem Meter Durchmesser erinnern. Irgendwann gelangte die Uhr in den Besitz von Willi Biller, der sie an einem Gebäude in der Friedhofsstraße angebracht hatte. Seit dessen Tod ist seine Witwe Anna Biller die Besitzerin. Die hätte der Gemeinde das gute Stück auch für das Rathaus überlassen, doch diese Pläne durchkreuzte der Stuttgarter Architekt Marco Hippmann, der 2010 den Wettbewerb für den Neubau gewonnen hatte. Er pocht auf sein Urheberrecht und beharrt darauf, dass der historische Chronometer nicht zur modernen Fassade passt. "Das war nicht so geplant. Die Uhr hat im Ort ihre Berechtigung, nur eben nicht an der Hauptfassade, sondern vielleicht in der Nähe des Rathauses." Sein Büro habe auch Alternativvorschläge gemacht: Das Zifferblatt soll auf eine hohe Stele am Ufer des Beckenweihers oder mitten im See.

Der Gemeinderat hat jedoch fest mit der Fassade geplant und sogar erwogen, gegen das Büro Hippmann vor Gericht zu ziehen. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag verkündete Bürgermeister Ludwig Biller die schlechte Nachricht: Ein Anwalt und der Bayerische Gemeindetag sind der Ansicht, dass der Architekt am längeren Hebel sitzt.

Nun ist guter Rat teuer. Anna Biller ist sauer. "Wenn ich gewusst hätte, wie das ausgeht, hätte ich die Uhr nie hergegeben." Die Einwände des Architekten hält sie für "lächerlich". "Das ganze Dorf wollte die Uhr an der Fassade."

"Nur kleine Gruppe"

Eben das bezweifelt Hippmann. "Bei der Einweihung des Rathauses haben wir mit vielen Bürgern gesprochen, die die Uhr nicht am Baukörpern haben wollten. Vorher hatten wir gedacht, eine große Mehrheit sei dafür, aber eigentlich ist es eine kleine Gruppe. Ein richtiger Dialog hat nie stattgefunden."

Dem Vernehmen nach war dieser Dialog schon in der Endphase des Baus gestört. Mehrfach soll es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Planern und Entscheidern im Rathaus gekommen sein.

Heimatpfleger Lothar Kraus und der frühere Bürgermeister Werner Windisch erklären, dass der Architekt von Anfang an in die Planungen rund um die Uhr eingebunden gewesen sei. "Damals ging es um Dämmung, Steuerung und Befestigung", sagt Windisch. Was einen Alternativstandort für die Uhr betrifft, hält sich das frühere Gemeindeoberhaupt bedeckt. "Ich bin nicht mehr im Amt."

Schon Spenden gesammelt

Kraus hat ebenfalls keine Patentlösung. Mit einer Stele kann er sich weniger anfreunden. "Meiner Meinung nach gehört die Uhr an ein Gebäude." Eine Spezialfirma in Regensburg könnte Zifferblatt und Zeiger sogar so anpassen, dass der historische Charakter erhalten bliebe, die Uhr aber nicht mit Blattgold-Patina moderne Bauten störe.

Für die Restaurierung hat der ehemalige Gemeinderat Robert Kohl bereits rund 2000 Euro an Spenden gesammelt. Er hatte alle 46 Träger der Barbaramedaille darum gebeten. Diese Auszeichnung verleiht die Gemeinde Weiherhammer seit 1991 an verdiente Persönlichkeiten. Kraus schlägt vor, dass er mit Kohl und Bürgermeister Ludwig Biller nun gemeinsam nach einem neuen Standort sucht. In enger Abstimmung mit Anna Biller, die immer noch mächtig enttäuscht ist: "Wenn das mein verstorbener Mann wüsste."
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