"Dorf-Chef" bei neuen Bewohnern

Lokales
Weiherhammer
22.12.2014
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Elf Flüchtlinge wohnen im Trenz-Haus in der Erzstraße. Um die neuen Bewohner der Gemeinde kennen zu lernen besuchte sie Bürgermeister Ludwig Biller.

Rathauschef Ludwig Biller war nicht mit leeren Händen zu den Flüchtlingen gekommen, die vor einigen Tagen in eines der beiden Trenz-Häuser gekommen waren. Er übergab ihnen Pakete mit Lebensmitteln und Süßigkeiten.

Die Neuankömmlinge dankten dem "Dorf-Chef" dafür herzlich. Auf diese Anrede einigte man sich, da die Flüchtlinge mit dem Wort Bürgermeister nicht viel anfangen konnten. Von Minute zu Minute tauten sie mehr auf.

Deutschunterricht in Heimat

Ein 20-jähriger Mann, der mit der Mutter und der zehnjährigen Schwester aus der Ukraine nach Deutschland gekommen war, erzählte, dass er schon in seinem Heimatland in der Schule Deutschunterricht hatte. Die Schwester besucht in Weiherhammer schon die 5. Klasse der Mittelschule.

Die übrigen vier jungen Familien stammen aus dem Kosovo und aus Albanien. Darunter ist auch eine ältere Frau, die im Rollstuhl sitzt und von ihrem erwachsenen Sohn begleitet wird. Teilweise in gebrochenem Deutsch und auf Englisch berichteten die Flüchtlinge, dass sie nach ihrer Ankunft in Deutschland vor zwei bis drei Monaten in Erlangen und Zirndorf in Zelten gelebt hatten. Ihre Freude sei groß darüber, dass sie nun in einem richtigen Haus untergebracht sind.

Besonders für zwei schwangere Frauen sei dies wegen des Winters dringend notwendig. Eine der beiden erwartet zusammen mit ihrem Ehepartner im Februar ihr erstes Kind. Die andere ist im fünften Monat schwanger.

Das Haus selbst finden alle super. Jede Familie habe ihr eigenes Zimmer. In einer geräumigen Küche können sie ihr Essen selbst kochen und sich im großen Gemeinschaftsraum gemeinsam treffen. Aber auch für Weiherhammer als schönen, modernen Ort gab es Lob. Die Männer haben mittlerweile auch den Fußballplatz gefunden. "Hier haben wir schon einige Male mit einem Ball umhergebolzt, den wir geschenkt bekommen haben."

Darauf ging sofort Bürgermeister Biller ein und fragte, ob einer gut Fußball spielen könne. "Die TSG benötigt gute Spieler." Er erhielt jedoch eine Absage. Alle sehen sich nur als Hobbyspieler an.

Gerngesehene Gäste

Überraschend kam dann für die Besuchergruppe, darunter Jana Biller vom katholischen Pfarrgemeinderat sowie die Lebensgefährtin Mandy Schmidt des Hausherrn Wolfgang Trenz, die Frage einiger Flüchtlinge, ob sie in die Kirche gehen dürften? Das "Selbstverständlich" löste sichtbare Freude aus. Biller informierte sie dann auch gleich über die Gottesdienstzeiten.

Auf die Frage des Bürgermeisters nach Winterbekleidung berichtete Biller, dass die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft nur wenig Kleidung bei sich hatten. An Jacken und Winterschuhen fehlte es gänzlich. Darum habe sie im Namen des Pfarrgemeinderates und zusammen mit dem Hausherren eine Blitzspendenaktion in Weiherhammer gestartet. Von der riesigen Resonanz der Bürger wurden sie total überrascht. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie für alle neuen Bewohner qualitativ hochwertige Kleidung und Schuhe beisammen.

Offene Türen

Überrascht waren die Flüchtlinge, als der Bürgermeister sie immer wieder als neue Mitbewohner des Ortes bezeichnete und ihnen auch versicherte, dass sie jederzeit ins Rathaus kommen können, wenn Probleme oder sonstige Anliegen anfallen. "Die Türen stehen auch für sie immer offen", meinte der "Dorf-Chef". Er versprach, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten immer helfen werde.
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