Hilde Lindner-Hausner und Willy Koegst rufen dazu auf, die eigenen Interessen wieder mehr zu ...
Wiederaufbereitetes Engagement

Vieles was wir gefordert haben, wurde damals als illusorisch abgetan. Heute ist es Tagespolitik.
Lokales
Weiherhammer
23.06.2015
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Als in Wackersdorf eine Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren errichtet werden sollte, protestierten sie. Als sie erkannten, dass der Konzern Pilkington zu viel Emissionen ausstößt, gründeten sie eine Bürgerinitiative. Das ist 30 Jahre her. Heute brennen Willy Koegst (68) und Hilde Lindner-Hausner (58) noch immer und haben Redebedarf.

Umstrittene Veranstaltung

Die ehemalige Bürgerinitiative für gesunde Umwelt Kohlberg-Weiherhammer-Etzenricht existierte rund eineinhalb Jahre von Frühjahr 1984 bis Ende 1985. Solange, bis die Männer und Frauen ihr Ziel erreicht hatten. Das Flachglas-Werk, das im September 35-jähriges Bestehen feierte, stellte bei der Produktion damals von Öl auf Gas um - ohne dass es einen Arbeitsplatz gekostet habe. Lindner-Hausner war nach den schadstoffreduzierenden Maßnahmen "zufrieden". Koegst erinnert sich an den "politischen Druck", mit dem die Mitglieder der Bürgerinitiative umgehen mussten.

Heute bewegen die beiden Themen wie der geplante Bau einer Windkraftanlage in Kohlberg, den sie begrüßen. Sie waren als Gäste bei einer umstrittenen Informations-Veranstaltung (wir berichteten) dabei. Koegst spricht von einer "emotional geführten Veranstaltung" und kritisiert: "Es fehlt mir das Verständnis, dass beispielsweise tote Störche gezeigt wurden." Der 68-Jährige moniert, dass die Bürger auf psychologische Art und Weise beeinflusst werden sollten. Linder-Hausner berichtet: "Die Leute sind mit Infos überfüttert worden." Für die 58-Jährige gibt es neben den erneuerbaren Energien aber auch weitere Themen, die sie bewegen. Fracking etwa. "Außerdem schwebt ein atomares Endlager immer über uns." Ein Salzberg sei keine Lösung. Granit komme in Frage. "Wo gibt es Granit? In der Oberpfalz."

"Sensibilität ist da"

Linder-Hausner verschrieb sich 1984 nach eigener Aussage der gesunden Umwelt. Darin wurzelt etwa die Gründung der LBV-Naturschutzgruppe Weiherhammer und Umgebung (Weiherhammer, Mantel, Kohlberg, Etzenricht). Aus den Jahrzehnten dieses Kämpfens resümiert sie: "Viele Forderungen haben sich etabliert. Vieles, was wir gefordert haben, wurde damals als illusorisch abgetan. Heute ist es Tagespolitik." Gerade darin sieht sie den Grund, dass viele Menschen nicht mehr so lautstark ihre Meinung vertreten, auch wenn Linder-Hausner sagt: "Die Sensibilität ist da."

Die Botschaft, die Koegst und Lindner-Hausner vermitteln wollen, ist klar: aktiv werden, aufbegehren. Wiederaufbereitetes Engagement sozusagen.
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