Seid verbuddelt, Millionen

Nur keine falsche Bescheidenheit, wenn der Markt die ganze Welt ist. Bei der BHS denkt man in großen Dimensionen. Das galt auch für den Spaten, der den Baubeginn des neuen "Competence Centers" in Weiherhammer symbolisiert. Die Inhaber, die Brüder Lars und Christian Engel, freuten sich, dazu Finanzminister Markus Söder (Vierter von rechts) als Ehrengast in ihre Mitte zu nehmen. Bild: Götz
Lokales
Weiherhammer
10.12.2015
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Es war fast zu sehen, wie sich BHS-Chef Christian Engel auf die Zunge biss. Zum Spatenstich für die immense Firmenerweiterung hätte er Finanzminister Markus Söder beinahe als Ministerpräsident begrüßt. Doch der scheint auf solche Situationen mittlerweile vorbereitet.

Angespannt musste am Donnerstagnachmittag niemand sein im Innovision Center der BHS Corrugated. Der Anlass war durch und durch freudig. 45 Millionen Euro verbaut der Maschinenbauriese bis 2017 in einen Gebäudekomplex samt Bürotrakt, Montagehalle und Restaurant. Die heiße Phase läutete sie mit dem Spatenstich ein. Unternehmer Engel lobte die Politik für ihre HiIfestellung, die Politik lobte den Unternehmer für die Standorttreue, und alle versprachen, so weiterzumachen. Vielleicht kommt Söder, der Schwager eines BHS-Geschäftspartners, zur Einweihung schon als Landesvater wieder.

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht traut "dem lieben Markus" das zu. Die beiden verbindet mit der BHS Corrugated ein Kampf um Fördergelder. Die Regierung der Oberpfalz hatte vor zwei Jahren ihren Topf eigentlich schon ausgeschöpft. "Ich hatte damals den Brüdern Engeln versprochen, dass ich ihnen das Geld organisiere. Das war locker dahingesagt, aber dann bin ich zum Finanzminister gegangen."

Fördertopf neu aufgefüllt

"Der Markus" ließ sich erweichen. "Er hat die Töpfe nochmal aufgefüllt. Nicht nur für die BHS, sondern für acht Unternehmen in der Nordoberpfalz", klopfte Rupprecht dem Nürnberger auf die Schulter. Immerhin drei Millionen Euro aus GA-Mitteln flossen so an den Beckenweiher.

Vielleicht wollte Engel deshalb Söder gleich zum Ministerpräsidenten ausrufen. Der wiegelte kokett ab: "Der Versprecher war zwar formal nicht korrekt, aber ich komme emotional damit zurecht." Der Heimatminister bewies seinerseits, wie man einen potenten Mittelständler umgarnt. "Wir müssen alles tun, um Familienunternehmen zu stärken. Deswegen haben Sie uns bei der Erbschaftssteuer auf Ihrer Seite. Wir müssen verhindern, dass sie Unternehmer fast schon zwingt, das Land zu verlassen oder zu verkaufen."

Womit Söder bei der Tagespolitik war. "Dass Bayern heute so gut dasteht und Hilfe für Tausende von Menschen organisieren kann, liegt daran, dass wir eine starke Wirtschaft haben." Denn: "Die eigentlichen Gutmenschen sind nicht die, die sagen, wie man Geld ausgibt, sondern die, die zeigen, wie man es verdient." Das selbstbewusste Komplimente-Ping-Pong steigerten die übrigen Gäste des Festakts zum Superlativ. "Der flexibelste Bürgermeister Bayerns" (Engel über Ludwig Biller); "der schönste Landkreis Bayerns" (Andreas Meier über seinen Arbeitsplatz); "das höchste Niveau der überbetrieblichen Ausbildung in Deutschland" (Albert Rupprecht über das ÜBZO-Kompetenzzentrum).

Noch Wünsche offen

Obwohl die Region sich also nicht verstecken muss, sind doch noch Wünsche offen. Schließlich ist bald Weihnachten. Christian Engel wüsste da schon was. "Ich frage mich, wie es zustande gekommen ist, dass das bayerische Raumfahrtzentrum ausgerechnet in Oberpfaffenhofen sitzt. Vielleicht kriegen wir dann auch mal ein Fraunhofer-Institut mit Sitz in Halmesricht nach Weiden."
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