Boom-Land mit bitterer Armut
Pfarrer Yesu berichtet über seine südindische Heimat

Pfarrvikar Yesu Jeyapal Savariyappan will besonders Kinder und Jugendliche aus seinem indischen Heimatdorf unterstützen und ihnen ein Studium ermöglichen. Bild: baw
Politik
Weiherhammer
01.04.2016
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Pfarrvikar Yesu Jeyapal Savariyappan referierte beim Seniorenclub über sein Leben und seine Heimat Indien. Das Land sei ein wirtschaftlicher Aufsteiger, die Armut jedoch weiterhin groß. "Drei von fünf Bürgern müssen von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben."

Jeyapal Savariyappan ist in einem 5000-Einwohner-Dorf Gengapattu in einer Familie mit neun Kindern aufgewachsen. Das Dorf liegt im Bundesstaat Tamil Nadu an der Südspitze des Subkontinents. Dort leben 75 Millionen Menschen. Im Dorf Gengapattu sind alle katholische Dalits, betonte Pfarrer Yesu.

Kastensystem noch im Kopf


Als Dalits werden heute in Indien alle Menschen bezeichnet, die der untersten Gesellschaftsstufe angehören. Als in Indien noch offiziell das Kastensystem existierte, wurden sie "die Unberührbaren" genannt. "Dalit" bedeute "gebrochen", und so nennen sich diese Menschen heute selbst.

Besonders in ländlichen Gegenden sei die Diskriminierung von Dalits bis heute Realität. Die Hälfte der Einwohner des Dorfes lebt noch in Strohdachhäusern, die meistens weder über Toiletten noch über fließendes Wasser verfügen. Die meisten leben von der Landwirtschaft. Die wenigen Kleinbauern können sich mit ihren Erträgen gerade so über Wasser halten, wobei ihr Erfolg stark vom Monsunregen abhängt. Wenn er gut ausfällt, ist der Anbau für drei bis vier Monate gesichert.

Die übrige Zeit des Jahres verbringen die Dörfler in Städten und verdienen ihr Geld in der Bau- und Textilindustrie, in Werkstätten, in Gießereien, als Rikschafahrer oder Träger. Um den Grundbedarf und soziale Verpflichtungen wie Hochzeiten zu decken, nehmen sie Vorauszahlungen ihrer Arbeitgeber in Anspruch, die sie aufgrund hoher Zinsen über Jahre nicht zurückzahlen können.

In seinem Geburtsort gebe es eine Grund- und Realschule mit zehn Klassen, erklärte der Geistliche. Höhere Schulbildung sei nur in weiter entfernten Städten möglich. Zudem sei es für Kinder sehr schwierig, zu Hause Zeit zum Lernen zu finden. Oft müssen sie hart arbeiten und Frondienste übernehmen, damit ihre Familien überleben.

"Positive Diskriminierung"


Pfarrer Yesu will Dalit-Kindern in seinem Heimatdorf Schulbildung, gesundes Essen, medizinische Versorgung und angemessene Kleidung ermöglichen. Hausaufgabenbetreuung sei ein erster Schritt. Vielversprechend sei die Unterbringung guter Schüler in einem Internat, aber das Geld können die Eltern nicht aufbringen. Yesu bat auch um Spenden für die Betroffenen der Tsunami-Katastrophe.

Auf die Frage, wie er bei seiner armen Familie studieren konnte, erzählte Pfarrer Yesu, dass eine Ordensgemeinschaft ihm geholfen habe. Dies habe in ihm eine starke Erfahrung hinterlassen und dazu bewogen, Priester zu werden, um einmal auch Kindern und Jugendlichen zu einem Studium verhelfen zu können.

Die Verfassung Indiens bietet für Hindu-Dalits ein positives Diskriminierungsprogramm an, um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Da die katholischen Dalits nicht zur eingetragenen Kaste der Hindu-Dalits gezählt werden, werden ihnen ebenso die Vorteile der positiven Programme der Regierung vorenthalten. Für diese Rechte kämpfen die katholischen Dalits seit 50 Jahren.
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