Aus drei mach fünf: Medizinischer Dienst geht ab 2017 nach neuen Kriterien vor
Pflegestufen bald passé

Diese Diakoniemitarbeiterin verbindet einer Patientin das Bein. In solchen Fällen entscheidet zuvor der Medizinische Dienst, wie pflegebedürftig ein Mensch ist. Bild: Huber
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Weiherhammer
17.10.2016
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(plue) Pflegegrade lösen im neuen Jahr die altbekannten Pflegestufen ab. Was sich dadurch ändert, erklärte Robert Gerl vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) aus Regensburg bei seinem Vortrag im Innovision Center der BHS.

Ab Januar wird es fünf sogenannte Pflegegrade geben, die flexibler an individuelle Bedürftigkeit angepasst werden können als die bisherigen drei Pflegestufen. Von da an soll nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen unterschieden werden, sondern nach dem Grad der Selbstständigkeit.

Der MDK-Gutachter prüft, was ein Patient noch alleine erledigen kann. Dafür gibt es einen bis drei Punkte. Drei Punkte suggerieren, dass eine Person ohne fremde Hilfe nicht mehr zurechtkommt.

Um dies zu bestimmen, wählt der Gutachter aus einem Katalog von 77 Fragen aus. Die kann er individuell an sechs Module anpassen. Jedes dieser Module steht für einen Lebensbereich, der beeinträchtigt ist, etwa Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Selbstversorgung, Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Früher wurden auch Aktivitäten und die Haushaltsführung im Gutachten bewertet. Das wird künftig wegfallen.

Gerl rät, einen Angehörigen oder eine Pflegekraft bei der Befragung einzubeziehen. Er weiß, dass Menschen häufig versuchen, ihre Beeinträchtigung vor dem MDK zu verstecken, um einen besseren Eindruck von sich selbst zu vermitteln. Es gelte jedoch, unangebrachte Eitelkeit zu vermeiden.

4000 Euro für Umbauten


Der Gutachter stützt sich auf drei Säulen. Er trägt die Angaben zur Person und seiner Vorgeschichte zusammen. Des Weiteren erfasst er die Wohn-, Lebens- und Versorgungssituation des Betroffenen und erhebt Befunde zu Schäden und Beeinträchtigungen. Sind Umbauten nötig, zahlt die Pflegekasse bis zu 4000 Euro.

Der Experte räumte ein, dass dies oft zu wenig ist. Evelin Schrems, Pflegeberaterin der AOK Tirschenreuth, empfahl, wenn nötig das Landratsamt um Hilfe zu bitten.
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