Metzgern fehlt der Nachwuchs
Keine Verbindung zur Herkunft

Joseph Lindner und Matthias Kurz bereiten frische Stadtwürste zu. Bild: ehi
Vermischtes
Weiherhammer
20.10.2016
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Matthias Kurz und Joseph Lindner stehen an der Füllmaschine. Der Metzger und sein Azubi machen Stadtwurst. Ein seltenes Bild: Lehrlinge sind in diesem Beruf rar geworden.

Kaltenbrunn. Für den 19-jährigen Lindner stand die Wahl schon immer fest. "Mein Opa und mein Vater haben das auch gemacht." Deswegen hat er sich vor zwei Jahren für eine Ausbildung bei der Metzgerei Balk in Schirmitz entschieden, wo auch der Vater schon gearbeitet hat. Nachdem diese im Dezember schließt, absolviert er sein letztes Lehrjahr bei Kurz in Kaltenbrunn.

Später selbst eine Metzgerei aufmachen, wird Lindner aber vermutlich nicht. Sein Vater arbeitet mittlerweile als Viehhändler in Altenstadt. Nach dem Ausbildungsende im kommenden Jahr will der Azubi eine kaufmännische Lehre als Viehkaufmann dranhängen, um später den väterlichen Betrieb zu übernehmen.

"Schlachten, zerlegen, Wurstherstellung, der Beruf ist sehr abwechslungsreich", beschreibt der junge Mann den Arbeitsalltag. Dies ist auch ein Grund, warum er sich dafür entschieden hat. Am besten gefällt Lindner das Zerlegen der geschlachteten Tiere. "Das liegt mir einfach." Ein wenig Kraft brauche es dafür aber schon. Weniger gern habe er hingegen das Putzen und Aufräumen nach dem Schlachten oder Wursten. "Aber das gehört dazu." Chef Kurz ergänzt: "Hygiene ist in unserem Beruf das Wichtigste."

Deswegen ist Sauberkeit für den Meister auch eine entscheidende Azubi-Eigenschaft. Genau wie Pünktlichkeit. "Wir fangen um halb sieben an." Für den Metzger ist das Ausbilden eine Selbstverständlichkeit. Bis vor einigen Jahren hatte er immer mindestens einen Lehrling. Lindner wird sein letzter sein. "Nachwuchs ist für ein Handwerk wichtig", betont Kurz. Der 64-Jährige arbeitet seit 46 Jahren als Metzger, 1952 hat er den Betrieb in Kaltenbrunn von den Eltern übernommen. "Ich bin damals nicht gefragt worden, ob ich das machen möchte", begründet er die Berufswahl. Das sei selbstverständlich gewesen.

Allen ist es wurst


Einen Grund für den fehlenden Nachwuchs in der Branche sieht Kurz darin, dass sie "nicht mehr zeitgemäß" sei. "Die Menschen haben keine Verbindung mehr dazu, wo Fleisch und Wurst herkommen. Es gibt schließlich alles im Supermarkt." Er habe nie gedacht, dass sein Berufsstand solche Nachwuchssorgen haben würde. Bei 62 Metzgerbetrieben gibt es im Kreis Neustadt aktuell sechs Lehrlinge. In der Stadt Weiden gibt es keinen - bei zehn Betrieben.

Diese Veränderung spürt auch Azubi Lindner. Neben dem praktischen Teil bei Kurz und dem theoretischen in der Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg, stehen zwei Wochen überbetriebliche Ausbildung im Lehrplan. "Dort lernen wir zum Beispiel, wie fettarme Wurst hergestellt wird", erklärt er. Schließlich müsse auf das Konsumverhalten der Verbraucher reagiert werden. Aus den Gesprächen mit den Berufsschulkollegen weiß Lindner auch, dass es kein Problem ist, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. "Die Metzgereien suchen alle Nachwuchs."

Es ist aber nicht jeder für den Metzgerberuf gemacht. "Das Schlachten, ein Tier zu töten, kostet Überwindung", betont Kurz. Das könne nicht jeder. Lindner hatte dabei den Vorteil, dass er durch seinen Vater mit dem Schlachten aufgewachsen ist, und wusste, was ihn erwartet. "Man braucht Sorgfalt und Gefühl und vor allem Respekt vor den Tieren. Das sind Lebewesen", erklärt der Lehrling.
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