Mittelschule Weiherhammer lernen Jungsteinzeit kennen
Stein statt Schere

Der Fünftklässler Felix ist mutig: Er lässt sich von Lothar Breinl die Haare schneiden. Wie es in der Steinzeit war, mit einem Stein.
Vermischtes
Weiherhammer
18.03.2016
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Handys, Sekundenkleber und Feuerzeug sind heutzutage selbstverständlich. Steinzeitmenschen mussten ohne solche Hilfsmittel auskommen. Doch wie haben sie das gemacht?

In einer außergewöhnlichen Geschichtsstunde brachte der Archäologe Lothar Breinl aus Dingolfing den 5. Klassen und Konrektor Gerhard Steiner der Mittelschule Weiherhammer handwerkliche Tätigkeiten der frühgeschichtlichen Zeit näher.

Der Experte vom Landesamt für Denkmalschutz erklärte, dass Erkenntnisse über die Steinzeit von Ausgrabungen abhängig seien, weil es keine schriftlichen Aufzeichnungen gebe. Sie staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass Archäologen in Bayern rund 1000 Steinzeitdörfer gefunden hatten, aber nur sieben Friedhöfe.

"Das liegt daran, dass man früher die Toten verbrannte und deren Asche nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche vergrub." Trotz der wenigen Ruhestätten aber konnte man noch viel über den Totenkult herausbringen. Breinl zeigte den Schülern Dias vom Steinzeitfriedhof in Straubing. Leichname wurden in einer Hockstellung beerdigt. Außerdem trugen sie Mützen, die mit Schneckenhäusern oder Perlen verziert waren.

Behelfsmittel


Überraschend war, dass in der Steinzeit nur Männer Schmuck wie Armreife am Oberarm trugen. Am Beispiel des Fundes einer halben Mittelmeermuschel zeigte der Experte das Prinzip der experimentellen Archäologie auf. So wird aus dem gleichen Material, aus dem das Original ist, eine Kopie erstellt. Das soll es Wissenschaftlern erleichtern, die Funktionsweise des Gegenstandes herauszufinden. Anschließend erklärte er die Herstellung des Steinzeitklebers, dem Birkenpech. Steinzeitmenschen gewannen es aus der Birkenrinde und verwendeten es als "Allzweckkleber". Der Archäologe führte auch zwei handwerkliche Techniken der Jungsteinzeit vor. "Beim Feuermachen herrschte in unserer Gegend die Schlagtechnik vor", erklärte er. Dazu waren ein Feuerstein und Katzengold nötig.

Die abspringenden Funken brachten den fein abgeschabten Zunderschwamm zum Glimmen. Richtiges Feuer entstand aber erst, wenn trockenes Riedgras dazugegeben wurde. Eine wichtige Handwerkstechnik war es auch, Feuersteine zu bearbeiten. Er war das wichtigste Gestein in der Jungsteinzeit und diente unter anderem der Herstellung von Klingen, Schabern, Pfeilspitzen, Messern oder Bohrerspitzen.

Feilen und Formen


Zum Abschlag des Steins wurde meist ein weicherer verwendet, da er robuster und stabiler war. Zur Feinarbeit, dem Retuschieren, benutzten unsere Vorfahren hauptsächlich Stücke eines Hirschgeweihs. Von der Schärfe eines Abschlags konnte sich Felix Stark aus der 5a selber überzeugen: Er ließ sich freiwillig die Haare "schneiden".

In einem Workshop probierten die Schüler selbst einen Steinzeitbohrer oder ein "Steinzeithandy" aus. Sie stellten auch einen Pfeil mit Federn her, schliffen Muscheln für eine Kette oder modellierten unbearbeiteten Ton - so, wie es in der Steinzeit üblich war. Geschickt verzierten die Kinder Pfeile und Signalhörner mit Steinzeitfarben.
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