Ottmar Braun liest aus seinem Buch "Hout's scho brüllt?" - Begeisterte Zuhörer
Kapitel oberpfälzischer Zeitgeschichte

Vermischtes
Weiherhammer
17.12.2014
7
0
Den Ansturm nach zu schließen mussten schon viele Bürger sehnsüchtig auf das zweite Buch von Ottmar Braun gewartet haben. Und sie wurden nicht enttäuscht: Alle gingen nach der Lesung aus "Hout's scho brüllt?" begeistert nach Hause. Der Autor, der in Weiherhammer zur Welt kam, hier aufwuchs und auch lebt, erzählt darin Ortsgeschichten aus der "guten alten Zeit", aus einer Zeit, in der die meisten Dorfbewohner von Weiherhammer im Hüttenwerk Arbeit fanden und das "Brüllen" der Werkssirene den täglichen Rhythmus im Dorfleben bestimmte.

Enormer Ansturm

Einen solchen Ansturm zu der Lesung hatte niemand erwartet, obwohl die Buchvorstellung auch mit dem "Internationalern Vorlesetag" zusammentraf. Die 100 aufgestellten Stühle in der Gemeindebücherei reichten bei weitem nicht aus. Eiligst wurden noch schnell Bierbänke herbeigeholt und auch Kinderstühle und -tische sowie Sitzkissen mussten als Sitzgelegenheiten herhalten. Ebenso gekommen waren auswärtige Gäste und junge Zuhörer, welche die von Braun beschriebene Zeit nur aus Erzählungen kennen.

In den 24 Geschichten seines Buches schildert der Autor mit kritischer Distanz, aber doch voller Humor und mit einer guten Portion Selbstironie das Lebensgefühl der Zeit ohne Handy und Internet, in der es nur wenige Telefonanschlüsse und Autobesitzer gab. Er erzählt von längst geschlossenen Geschäften, Lokalitäten und Einrichtungen im damaligen Dorf und erinnert an die darin wirkenden Menschen und Originale, denen er viel Respekt und Sympathie entgegenbringt. So gewinnt der Leser auch Einblick in ein interessantes Kapitel oberpfälzischer Heimat- und Zeitgeschichte.

Den Titel seines Buches "Hout's scho brüllt?" erklärt Braun in einem eigenen Abschnitt. Dreimal brüllte die Werkssirene am Mittag, ebenso oft zur vormittäglichen Brotzeit und je zweimal in der Früh und zum Feierabend. Nach diesem Brüllen richteten sich nicht nur die Werksbeschäftigten, vielmehr bestimmte es den gesamten Alltagsrhythmus im Dorfleben. Nach der Sirene richteten sich etwa die Kinder und Frauen, um rechtzeitig nach dem Spielen oder der Arbeit zum Feierabend des Vaters oder des Ehemannes zu Hause zu sein.

Große Heiterkeit löste die Geschichte über die Hausnamen aus, die wichtiger waren als die eigentlichen Familiennamen. So gab es nach Braun die "Maxn", die eigentlich Rothballer hießen, die "Giercharl" mit dem Familiennamen Weiß oder die "Moritzn" mit Namen Adam. Ottmar Braun selbst heiße dem Hausnamen nach "Kramer", da er dem Kramerhaus entstammt.

Langer Beifall

Kein Auge blieb trocken, als der Autor über den "General" berichtete, den ersten Bürgermeister der neu gegründeten Gemeinde Weiherhammer. Oder von weiteren Originalen erzählte, wie etwa Lehrer Artur Amode, dem Boda (Frisör Wirth) und den Heigawl (Rothballer), der als einer der ersten im Ort schon vor dem Krieg ein Auto besaß und erster Miet- und Taxiunternehnmer war. Manch einer, der diese Zeit selbst erlebt hat, bestätigte mit Kopfnicken die Ausführungen. Braun verewigte in seinem Buch unter anderem auch Erinnerungen über den Schacht, das Rollwaglfoahrn, die Zugleit, Schdeckgroom, Erdepflfeiern, Wiewarla und Flederwisch, Adfent, Rorate caeli und Sankt Nikolaus.

Die Lesung, die das Publikum mit einem lange anhaltenden Beifall belohnte, umrahmten Mäx Braun (Piano) und Harry Zawre (Gitarre) eindrucksvoll mit Musik.

Erlös für guten Zweck

Herausgeber des Buches ist die BHS-Corrugated Weiherhammer. Geschäftsführer Lars Engl versicherte, dass es eine echte Freude sei, Ottmar Braun zuzuhören und seinen Geschichten zu lauschen. Es sei eine große Freude und Ehre, dieses Werk herausgeben zu dürfen, betonte Engl. Dieses Buch zeige auf, dass die Bewohner das Werk - und das Werk die Bewohner geprägt haben. Darum sollten solche Geschichten nicht in Vergessenheit geraten.

Der Erlös des Buches geht an die Stiftung "Angels for Children". Somit bereitet man sich mit dem Kauf nicht nur ein besonderes Lesevergnügen, sondern lässt darüberhinaus auch bedürftigen Kindern wertvolle Unterstützung zukommen. "Hout's scho brüllt?" ist zum Preis von 12,90 Euro im Rathaus, im Bürgerbüro sowie in der Gemeindebücherei erhältlich.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.