Weiherhammer: Herbergssuche für den Seelsorger durch indischer Pfarrvikar
Wohngemeinschaft unerwünscht

Der Weiherhammerer Pfarrhof ist nach den Vorstellungen von Pfarrer Adam Nieciecki nicht geeignet, um einen Mitbewohner aufzunehmen. Das sehen nicht alle Katholiken der Pfarreiengemeinschaft so. Bild: baw
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Weiherhammer
22.09.2015
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Die Pfarreiengemeinschaft Weiherhammer-Kaltenbrunn-Kohlberg bekommt einen weiteren Seelsorger. Ein indischer Pfarrvikar unterstützt ab Mitte Oktober Pfarrer Adam Nieciecki. Hinter vorgehaltener Hand mokieren sich etliche Gläubige, wie der Neue wohnen wird.

Das hat jedoch nichts mit Yesu Jeyapal Savariyappan persönlich zu tun. Der 39-jährige Inder hat sich in seinem künftigen Wirkungskreis bereits vorgestellt und einen sympathischen Eindruck hinterlassen. Am 13. Oktober tritt er in Weiherhammer an. Er wird dann in einer 70 bis 80 Quadratmeter großen Wohnung in der Sägstraße wohnen. Die Miete dafür zahlt die Diözese. Wie hoch sie ist, wollen oder können Pfarrbüro und Kirchenverwaltung nicht sagen. Dem Vernehmen nach ist von ortsüblichen 420 bis 450 Euro die Rede. Für die Nebenkosten muss der Pfarrvikar selbst aufkommen.

Leerstand in Kaltenbrunn

Viele hätten gedacht, dass Nieciecki den großen Pfarrhof künftig mit dem Inder teilt. Doch das wollte der Pole, den alle "Pfarrer Adam" nennen, nicht. Eine andere Variante wäre das Kaltenbrunner Pfarrhaus gewesen. Es steht seit kurzem leer, nachdem Pfarrer Irudayaraj Devadass Kaltenbrunn verlassen hat. Das bedeutete das Ende der eigenständigen Pfarrei. "Das Pfarrhaus ist möbiliert, und der Vikar könnte dort die Aufgaben von Pfarrer Devadass übernehmen", erklärt der Weiherhammerer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Rauch. "In Kaltenbrunn bräuchte er nicht mal fahren." Denn Savariyappan ist erst dabei, den Führerschein zu machen.

Pfarrvikar hätte eigentlich nur Anspruch auf 30 Quadratmeter

Rauch gefällt die Lösung mit der angemieteten Wohnung nicht. "Sie muss hergerichtet und möbliert werden. Ich persönlich werde dafür keinen Finger rühren." Andere sagen hinter vorgehaltener Hand, dass sich die Diözese das Geld für die Miete hätte sparen können. Nach dem Motto: Das kann man für karitative Zwecke besser ausgeben. Denn eigentlich hätte der Pfarrvikar nur Anspruch auf 30 Quadratmeter. Pfarrer Adam hält dagegen. Er habe monatelang eine Wohnung für seinen indischen Kollegen gesucht. "Es gibt aber nichts Kleineres in Weiherhammer." Bei sich im Pfarrhof könne er Savariyappan nicht aufnehmen. "Ich sage jedem: Wenn Sie wollen, nehmen Sie ihn für einen Monat. Er stört mich, und ich störe ihn." Erst müsste man umbauen. "Aber dann wäre es billiger, abzureißen und neu zu bauen."

Denn das stattliche Gebäude sei so angelegt, dass darin keine zwei selbstständigen Erwachsenen leben könnten, erklärt Kirchenpfleger Hermann Bäumler. Es gibt keinen separaten Eingang, die beiden Geistlichen müssten sich Küche und Wohnzimmer teilen. "Wie soll das gehen? Der eine will polnisches Fernsehen und der andere indisches. Und der Inder kocht halt auch anders als der Pole." Nieciecki ist deshalb froh, dass er den Neuen in der Ortsmitte untergebracht hat: "Nah bei der Kirche braucht er kein Auto und keinen Führerschein."

"Ich delegiere"

Pfarrer Adam selbst will jetzt erst einmal die frühere Pfarrei Kaltenbrunn kennenlernen. Die Rangordnung sei klar: "Ich delegiere die Arbeit. Er soll sich um die Seelsorge kümmern, ich bin für die Finanzen und das Organisatorische zuständig." Nieciecki und Savariyappan haben sich noch nicht näher miteinander bekannt gemacht. Als der Inder erstmals zu Gast war, war der Pole auf Heimaturlaub. Zurzeit erholt sich Savariyappan zu Hause in Tamil Nadu. Zuvor hat er in Waldershof gearbeitet und dort auch den kranken Pfarrer vertreten. Die Waldershofer lassen ihn ungern gehen. "Ein sehr zugänglicher und offener Mensch", sagt Pfarrgemeinderat Bernd Schenkl.
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